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Grüner Punkt stellt sich Wettbewerb

Der Grüne Punkt ist ihr Markenzeichen, das die Duales System Deutschland AG (DSD) inzwischen sogar exportiert. Mit dem gelben Sack holt sie Verpackungsmaterial flächendeckend in den deutschen Haushalten ab. Das Erfolgsmodell dieses Monopolisten knacken die EU-Kommission und das Bundeskartellamt zurzeit. Die DSD AG muss ihr Recycling-Segment dem Wettbewerb öffnen.

HANS-JOACHIM HIRRLINGER

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PLOCHINGEN Hans-Peter Repnik ist seit drei Jahren Chef der DSD, die 1990 als Selbsthilfeorganisation der Verpackungsindustrie und des Handels gegründet wurde. Denn die deutsche Verpackungsverordnung schrieb ab 1991 vor, dass der Handel seine Verpackungen wieder zurücknehmen und sie möglichst verwerten müsse. Die DSD erfüllt die Entsorgungs- und Recyclingverpflichtungen der Firmen, die ihr dafür Lizenzgebühren bezahlen.

Nach Repniks Angaben vor dem CDU-Wirtschaftsrat Baden-Württemberg in Plochingen setzte das Duale System 2003 insgesamt 1,7 Milliarden Euro um, der gelbe Sack erfasste rund 6 Millionen Tonnen Verpackungsmaterial. Die DSD arbeitet so erfolgreich, dass sie stille Beteiligungen ihrer Gesellschafter in dreistelliger Millionenhöhe zurzeit zurück zahlen kann.

Wobei in den DSD-Säcken und -Tonnen weit mehr als die durch den Grünen Punkt lizensierten Stoffe landen. Vor allem Aluminium, Papier/Pappe und Weißblech liegen mit 121 bis 161 Prozent weit darüber. Die Pflichtquoten von 60 bis 75 Prozent, sagt Repnik, "haben wir bei weitem übererfüllt". Die Akzeptanz der Verbraucher sei sensationell gut. Der Grüne Punkt schlage als Markenzeichen sogar bekannte Marken wie die Telekom.

Doch inzwischen spürt die DSD einen erheblichen Wettbewerbsdruck. Das liegt nach Repniks Angaben zum einen an der Konkurrenz, die auf Länderebene zugelassen wird, zum andern an der Einführung des Pflichtpfandes auf Pet-Flaschen 2003. Allein aus dem Pflichtpfand resultiert laut Repnik ein Umsatzrückgang von mehr als 300 Millionen Euro, der nur teilweise aufgefangen werden konnte.

Hinzu kommt, dass die EU-Kommission und das Bundeskartellamt die kartellartige Struktur des Dualen Systems auflösen wollen. Der Anteil der bisherigen Aktionäre der AG wird deshalb auf unter 25 Prozent zurückgeführt. Über den Einstieg eines neuen Großaktionärs verhandelt die DSD zurzeit exklusiv mit dem US-Finanzinvestor Kohlberg, Kravis, Roberts. Kohlberg & Co haben bereits Nixdorf börsenreif gemacht, ähnliches ist bei der DSD geplant. "Wir sind gerade dabei, die Marktreife zu entwickeln", sagt Hans-Peter Repnik. Bisher war die DSD nicht gewinnorientiert. Das ändert sich nun. "Dann hoffe ich, dass wir auch vom Kartellamt die Freiheiten bekommen, in den Wettbewerb zu gehen."

Dafür sieht der Vorstandsvorsitzende mehrere Ansatzpunkte: Den Einstieg ins Pfandsystem und Marktnischen, die der DSD bisher verwehrt waren, sowie neue innovative Erfassungssysteme, die bereits als Pilotprojekte erprobt werden. In Leipzig ist das beispielsweise die "Gelbe Tonne Plus", mit der auch Elektronikschrott erfasst wird. Außerdem geht es um die energetische Verwertung von Recyclingmaterialien als hochwertige Brennstoffe. Ab 2005 könnte zudem die Entsorgung so teuer werden wie die Verwertung: Unbehandelte Abfälle dürfen dann nicht mehr auf der Deponie landen. "Die Umstrukturierung bietet mehr Chancen als Probleme", appelliert Repnik an die Politik, in der er selbst als CDU-Bundesabgeordneter mitmischt, "aber nur im fairen Wettbewerb. Es kann nicht sein, dass sich die anderen nur die Rosinen herauspicken." Der DSD-Chef setzt dabei auch auf internationale Zusammenarbeit: Der Grüne Punkt wurde als Markenzeichen selbst nach Kanada exportiert, er erscheint laut Repnik weltweit öfter als Coca Cola. Die DSD sei gut positioniert im Boom der weltweiten Nachfrage nach Recyclingmaterial.