Lokales

Grünes Licht für Konzept von Planertandem

Zentrale Bushaltestellen in Weilheim sollen barrierefrei und behindertengerecht gestaltet werden

Bei der Sanierung des Stadtkerns hat Weilheim längst die Hausaufgaben gemacht. Um die Neugestaltung der zentralen Bushaltestellen wurde dagegen bislang ein großer Bogen gemacht. Jetzt bekam der Gemeinderat ein Konzept vorgestellt, das den Bereich auch städtebaulich aufwertet.

Schmal und ohne Überdachung: Die Bushaltestellen in Weilheims Stadtmitte sind nicht mehr zeitgemäß.Foto: Jean-Luc Jacques
Schmal und ohne Überdachung: Die Bushaltestellen in Weilheims Stadtmitte sind nicht mehr zeitgemäß.Foto: Jean-Luc Jacques

Weilheim. Wartende haben bei Regen weder ein Dach über dem Kopf noch sind sie barrierefrei – die Bushaltestellen an der Weilheimer Brunnenstraße sind dringend modernisierungsbedürftig. „Die Stadt befasst sich seit mehr als 13 Jahren mit diesem neuralgischen Punkt“, schickte Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle der Vorstellung des neuen Konzepts voraus. Mit der Verlängerung der S-Bahn nach Kirchheim sei der ÖPNV auch für das Umland bedeutsamer geworden. Zudem sah der Rathauschef die bisherige Bushaltestelle mit erheblichen städtebaulichen Defiziten behaftet.

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„Die vor 40, 50 Jahren gebaute Haltestelle wird heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht“, betonte auch Hans-Jürgen Tögel, dessen Ludwigsburger Büro gemeinsam mit dem Stadtplanungsbüro Rendler Freiraum mit der Erstellung eines Konzepts beauftragt worden war. Damals hätten lediglich zwei Buslinien bedient werden müssen. Inzwischen seien es vier mit fünf unterschiedlichen Verläufen. Abgesehen von der wenig ansprechenden optischen Gestaltung beschrieb Tögel funktionale Defizite: Mit Kinderwagen oder Rollator einzusteigen sei kaum möglich, die Fahrgastinformation lasse zu wünschen übrig und die Wartezonen seien eng. „Der Ein- und Ausstieg muss künftig nahezu eben ausgebildet werden“, erklärte der Planer. Um Sehbehinderten gerecht zu werden, brauche es aber auch kleine Kanten. Der Vorschlag für die Neugestaltung sei in engem Kontakt zu den Betreibern der Buslinien erarbeitet worden.

Busse, die von Kirchheim kommen, sollen dem Konzept zufolge einspurig parallel zur Brunnenstraße halten und entweder Richtung Hepsisau-Neidlingen über die Untere Grabenstraße weiterfahren oder über eine entschärfte Einmüdung in die Kirchheimer Straße abbiegen. Auf der gegenüberliegenden Seite der Brunnenstraße ist die Einrichtung zwei weiterer, direkt hintereinander liegender Haltestellen vorgesehen. Der derzeitige Wartebereich vor dem Modehaus Mack soll durch Längsparkstreifen ersetzt werden. Die Busspur für ÖPNV-Nutzer, die in Richtung Kirchheim fahren möchten, wandert vor die Bäckerei Mayer. Geplant ist, die Fahrbahn vor den Haltestellen in eine Tempo-30-Zone umzuwandeln und durch Leerrohre das Nachrüsten eines speziellen Signalsystems für Busse zu ermöglichen. Die Haltestelle an der Kirchheimer Straße soll künftig wartenden Busse und Sonderfahrten vorbehalten sein.

Der gestalterische Aspekt des Vorhabens trägt die Handschrift des Landschaftsarchitekten Roland Rendler, ehemals Leiter des Stadtbauamts. Bänke und Überdachungen werden gemäß seiner Planung durchgängig gestaltet. Der Platz vor dem Gasthaus Sonne erfährt eine Aufwertung unter anderem durch einen Solitärbaum und Sitzmöglichkeiten. Die Bushaltestelle an der Kirchheimer Straße soll ebenfalls attraktiver werden. Dazu tragen der Abriss des Wartehäuschens mit der ehemaligen öffentlichen Toilette, die Verlegung des Stegs über die Lindach sowie ein Zugang zum Bach bei.

Die Baukosten für das Gesamtkonzept belaufen sich auf 610 000 Euro. Für den Bau der Haltestellen rechnet die Verwaltung mit einem Zuschuss in Höhe von rund 116 000 Euro. Während sich Züfle wertvolle Effekte für ein erfolgreicheres Stadtmarketing erhofft und Stadtrat Rainer Bauer Rendlers Planung eine „Meisterleistung“ nannte, stieß sich Bernd Kautter an der Treppe zur Lindach.Martin Pfauth wunderte sich über die Kosten: „Wir sind von 300 000 Euro und einer höheren Förderung ausgegangen. Jetzt bleiben 500 000 Euro an uns hängen.“ Dr. Hansjörg Egerer regte indes an, das Vorhaben zu nutzen, vor dem Gasthof Zur Post Parkplätze anzulegen.

„Die einen haben noch Ideen, für die anderen sind die Kosten schon zu hoch“, so lautete Züfles Resümee. Die ursprüngliche Planung sei nicht so hochwertig gewesen. Den maroden Steg über die Lindach müsse man jedoch ohnehin in Angriff nehmen.

Das Ratsgremium befürwortete die Planung im Anschluss einstimmig. Detailfragen sollen im weiteren Verlauf diskutiert werden. Um das Projekt 2015 umsetzen zu können, wird es beim Land zur Förderung angemeldet. Über die Baufreigabe entscheidet der Gemeinderat, wenn der Bescheid zum Förderantrag vorliegt.