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Gruppengröße ist der Knackpunkt

Bei 28 Kindern leidet die Qualität der Betreuung Wie sieht die Zukunft unserer Kindergärten aus? Mit diesem Thema beschäftigte sich eine Diskussionsveranstaltung im Gemeindezentrum Sankt Lukas in Jesingen.

VOLKMAR SCHREIER

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KIRCHHEIM Die SPD-Landtagsabgeordnete Carla Bregenzer, die Vorsitzende des Kindergarten-Gesamtelternbeirats Bettina Schmauder und Steffen Weigel, Leiter des Amtes für Kultur und Soziales der Stadt Kirchheim, gaben in kurzen Impulsreferaten Einblicke in den derzeitigen Stand der Dinge in Kirchheim und stellten sich in der Diskussion den Fragen der zahlreich erschienenen Zuhörer.

Was die Versorgung in Deutschland mit Kindergartenplätzen generell und mit Tagesbetreuungsangeboten im Besonderen angeht, stehe Deutschland im Vergleich zu den übrigen europäischen Ländern am Ende der Rangliste, so Carla Bregenzer. Vergessen werde dabei aber, dass Bildung und Bildungsförderung schon im Kindergarten begännen. Dieser Aspekt sei nicht zuletzt unter dem Gesichtspunkt der Zukunftssicherung des Standorts Deutschland wichtig: "Wenn wir international die Stellung unseres Landes halten wollen, müssen wir in unsere Kinder investieren," stellte Bregenzer klar. Und diese Investition in die Zukunft fange schon im Kindergarten an.

Die Stadt Kirchheim scheint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. In Kirchheim gibt es einen Kindergartenentwicklungsplan, der auch regelmäßig fortgeschrieben wird, erläuterte Steffen Weigel. Ziel des Planes sei, vorhandene Ressourcen optimal zu nutzen, um die Qualität der Kindergärten zu verbessern und neue Angebote für Kinder unter drei Jahren und Ganztagesbetreuungsangebote zu schaffen. "Obwohl es immer weniger Kinder im Kindergartenalter in Kirchheim gibt, sparen wir das frei werdende Geld nicht einfach ein," so Weigel. Diese Finanzmittel würden wieder in die Kindergärten investiert, zum Beispiel indem Ganztagesplätze geschaffen oder flexible Öffnungszeiten eingeführt würden. Auch eine verstärkte Fortbildung der Erzieherinnen, besonders im Hinblick auf die Betreuung von zweijährigen Kindern, stünde auf der Agenda.

Für das Kindergartenjahr 2006/2007, so der Kulturamtsleiter, werde es auch erstmals eine festgelegte Quote für Plätze im Ganztagesbereich geben: Es wird eine Bedarfsdeckung von 7,5 Prozent angestrebt.

Was wünschen sich Eltern von einem Kindergarten? Dieser Frage versuchte der Kindergarten-Gesamtelternbeirat mit einer Umfrage unter den Eltern auf den Grund zu gehen. Generell gute Ergebnisse konnte die Gesamtelternbeiratsvorsitzende Bettina Schmauder den Kirchheimer Kindergärten attestieren. Wichtig sei aber für die Eltern zum einen die Flexibilisierung der Öffnungszeiten und zum anderen mehr Angebote auch für unter dreijährige Kinder. Kritik äußerten die Eltern in der Umfrage an der Größe der Kindergartengruppen. "1,7 Fachkräfte für 28 Kinder sind zu wenig. Die Qualität der Betreuung leidet darunter," machte Schmauder klar. Hier seien die Kostenträger in der Pflicht, Abhilfe zu schaffen. Auch bei Ausbildung und Entlohnung der Erzieherinnen sehen die Eltern Handlungsbedarf: Die Erzieherinnen müssten höher qualifiziert und die Bezahlung verbessert werden.

Die nachfolgende Diskussion kreiste vor allem um das Stichwort Gruppengröße und um die Frage, welche Auswirkungen die Aufnahme von Zweijährigen in so genannte gemischte Kindergartengruppen auf die Arbeit in den Kindergärten hat. Sowohl Steffen Weigel als auch Bettina Schmauder konnten berichten, dass die bisherigen Erfahrungen in Kirchheim mit den gemischten Gruppen positiv seien. "Wir haben bisher nichts von Problemen gehört," so Schmauder. Weigel erläuterte, die Erzieherinnen der gemischten Gruppen seien in einem dreitägigen Seminar auf die Arbeit mit Zweijährigen gezielt vorbereitet worden. Dazu komme, dass bei der Aufnahme eines unter drei Jahre alten Kindes die Gruppenstärke automatisch reduziert werde: "Einen Zweijährigen rechnen wir wie zwei Kinder im Alter von drei Jahren oder darüber." Die Stadt, so Weigel, werde aber die Situation in den gemischten Gruppen weiterhin genau beobachten.

Dass die Kindergartengruppen zu groß sind und gleichzeitig zu wenige Fachkräfte in den Gruppen arbeiten, ist Erzieherinnen und Eltern schon lange ein Dorn im Auge. Eine Zuhörerin brachte es in ihrem Diskussionsbeitrag auf den Punkt: "Den Kindern etwas beibringen geht bei einem Verhältnis von 1,7 Fachkräften auf 28 Kinder einfach nicht." Derzeit ist eine Gruppengröße von maximal 28 Kindern erlaubt, einer Gruppe stehen dann rechnerisch 1,7 Fachkräfte zur Verfügung. "Eine Verkleinerung der Gruppen wäre gut," stellte Bettina Schmauder fest.

Auch Carla Bregenzer sieht hier Handlungsbedarf: "Das A und O ist die Gruppengröße," so Bregenzer. Dieser Problematik möchte sich auch die Stadt nicht verschließen, wenngleich Steffen Weigel vor übertriebenen Hoffnungen warnt: "Wünschenswertes ist leider nicht unbedingt immer auch machbar." Bessere Schlüssel seien nicht finanzierbar. Immerhin seien derzeit von den 42 Kindergartengruppen der Stadt nur vier mit 28 Kindern voll ausgelastet, wobei Weigel einräumte, dass sich diese Zahl bis zum Ende des Kindergartenjahres durchaus noch verschlechtern könnte.

Bettina Schmauder bat darum, realistisch zu bleiben: "Drei Erzieherinnen auf 20 Kinder wird es sicherlich nicht so schnell geben," so die Elternbeiratsvorsitzende. Positiv findet sie, dass die Stadt nicht gleich jede Gruppe schließe, bei der das rechnerisch möglich wäre: "Die Stadt handelt hier sinnvoll und maßvoll."