Lokales

Günther Albrecht muss nach Hause gehen

Für den Betriebsrat gilt bei Dietz-Motoren auch nach dem Arbeitsgerichtsurteil Hausverbot

Im Fall Günther Albrecht geht das Gerangel weiter. Der Dietz-Motoren-Mitarbeiter und Betriebsrat, dessen fristlose Kündigung vergangene Woche vor dem Arbeitsgericht aufgehoben worden war, darf vorerst nicht an seinen Arbeitsplatz zurück.

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Antje Dörr

Dettingen. So hatte sich Günther Alb­recht seinen ersten offiziellen Arbeitstag nicht vorgestellt. Um kurz vor acht betrat er das Firmengelände von Dietz-Motoren, jener Dettinger Firma, bei der er laut Urteil des Stuttgarter Arbeitsgerichts wieder arbeiten darf (wir berichteten). Willkommen war er jedoch nicht. Geschäftsführer Bernd Strauß forderte den Betriebsrat auf, zu gehen. Das Hausverbot, das während des Verfahrens gegen ihn verhängt worden war, gelte weiter, bis ein schriftliches Urteil vorliege, so der Geschäftsführer.

Günther Albrecht tat, wie ihm geheißen. Für das Vorgehen des Geschäftsführers, das in solchen Fällen zwar umstritten, aber durchaus üblich ist, hat er jedoch kein Verständnis. „Mit seinen Tricks verschiebt er den Arbeitsbeginn um höchstens eine Woche“, glaubt der Betriebsrat. Das Urteil sei schließlich da und rechtskräftig. Günther Albrecht ist optimistisch, dass er seinen Arbeitsplatz bald wieder betreten kann und über die Verzögerung ein wenig enttäuscht. „Ich hatte mich auf die Kollegen und die Betriebsratsarbeit gefreut.“

Ilona Dammköhler von der IG Metall Esslingen sieht die Strategie der Geschäftsführung recht gelassen. Mit Günther Albrechts Anwalt werde geprüft, ob man gegen das Hausverbot eine einstweilige Verfügung erwirken könne. Sollte das scheitern, wäre ihrer Meinung nach jedoch nicht viel verloren. „Das Urteil war so eindeutig, dass wir jetzt in Ruhe abwarten können“, so die Funktionärin. Dass die Firma Dietz-Motoren nun auf Zeit spielt, erklärt sie sich damit, dass das Unternehmen offenbar damit gerechnet habe, vor dem Arbeitsgericht recht zu bekommen: „Die müssen sich jetzt erst mal sortieren.“

Mit der Vorlage des schriftlichen Urteils wird in den nächsten zwei bis drei Wochen gerechnet. Ob Günther Albrecht dann an seinen Arbeitsplatz zurückkehren darf, konnte Unternehmenssprecherin Patrizia Feicht gestern nicht sagen. Man wolle zunächst die Urteilsbegründung abwarten. Bereits am Freitag war bekannt geworden, dass das Unternehmen gegen das Urteil, mit dem die fristlose Kündigung Günther Albrechts aufgehoben worden war, in Berufung gehen wird.