Lokales

Gummirezepturen für Erdöl und Ketchup

Arbeitskreis Schule und Wirtschaft zu Gast bei der Weilheimer Firma Wilhelm Kächele

Die Mitglieder des Arbeitskreises Schule und Wirtschaft besuchten die Weilheimer Firma Wilhelm Kächele. Der Ausbildungsbetrieb ist Spezialist für Gummi-Metall-Verbindungen und Gummiformartikel.

Iris Häfner

Weilheim. Gummi ist nicht gleich Gummi, es gibt zahlreiche Rezepturen. Das beginnt schon mit einer der Grundkomponenten: Naturkautschuk oder künstlich hergestellter. Beim Rundgang durch den Betrieb erfuhren die Gäste, dass es auch unterschiedliche Rußarten von fein bis großflockig gibt und dies dem Gummi die typisch schwarze Farbe verleiht. Aus diesem Grund gleichen manche Arbeiter am Ende ihrer Schicht schon mal Schornsteinfegern. Eine Ausnahme vom einheitlichen Schwarz gibt es allerdings. Wird Gummi in der Lebensmittelindustrie verwendet, beispielsweise bei der Joghurtverarbeitung, ist er weiß gefärbt und somit rußfrei.

Viele Problemstellungen erfordern eigene Lösungen, die im Labor entwickelt werden. Über 1 500 Möglichkeiten haben die Chemie-Spezialisten schon gemixt. Aufs Gramm muss die Rezeptur stimmen, „hyperpenibel“ sind daher die Waagen geeicht. Kein Wunder, dass die chemischen Formeln der Schatz der Firma sind und entsprechend sicher verwahrt werden.

Die Firma Wilhelm Kächele schafft auch dauerhafte Verbindungen von Gummi und Metall. „Das Problem sind oftmals Schwingungen“, erläuterte Bruno Kächele, Chef des Familienunternehmens, den Besuchern. Wenn gewaltige Motoren in Schwung kommen, erfordert die Produktion im Gegensatz dazu Stabilität. Hier beginnt für die Mitarbeiter die Suche nach dem richtigen Stoff und der richtigen Form. „Dämpfen, abfedern, tragen – mit dem richtigen Gummi ist das kein Problem“, sagt Bruno Kächele. Das Wissen um die Natur der Komponenten ist ein großer Vorteil für die Weilheimer Firma, die Hightech-Produkte herstellt. Bruno Kächele spricht von Gummigespür, chemischem Zusammenspiel und von zunächst unlösbar erscheinenden Aufgaben. Dank Kleber und eigenen Entwicklungen sind Gummi und Metall untrennbare Elemente, dies ist bei der Erdölförderung genauso wichtig wie für das ESP-Teil im Auto, das die Fahrsicherheit erhöht.

Helmut Zeeh, bei der IHK unter anderem für den Arbeitskreis Schule und Wirtschaft zuständig, schätzt die Firma Wilhelm Kächele als Ausbildungsbetrieb. Jedes Jahr finden 18 bis 22 Lehrlinge dort eine Anstellung. Bei 270 Mitarbeitern in Weilheim entspricht dies etwa zehn Prozent der Belegschaft. Ausgebildet werden beispielsweise Technische Zeichner, Industriemechaniker, Werkzeugmechaniker, Chemikanten, Industriekaufleute, Verfahrenstechniker Kunststoff- und Kautschuktechnik aber auch BA-Studenten sind zu finden. „Fast alle Nachwuchskräfte kommen aus unseren eigenen Reihen“, sagt Bruno Kächele und bedauert das eine oder andere Mal, dass er gute Leute wegschicken muss. In der Nähe von Bayreuth sind in einem Zweigwerk 30 Mitarbeiter beschäftigt, in Spanien weitere 135.

Drei Standbeine hat sich das 1932 von Reifenvulkaniseur Wilhelm Kächele gegründete Unternehmen geschaffen. Was mit der nahtlosen Herstellung von Gummihandschuhen begann, fand seine Fortsetzung in der Industrie. Heute produziert das Unter­nehmen für die Automobilindustrie und den Maschinenbau. Mit der Pum­pentechnik ist die Firma sowohl auf den Erdölfeldern der Welt vertreten als auch in der Lebensmittelindus­trie. Nicht nur Zahnpasta, Joghurt oder Ketchup wird durch die gewundenen Gummi-Metall-Rohre gepresst, sondern auch Nutella.

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