Lokales

Gut ausgebildete Fachkräfte gefragter denn je

Die Lehrjahre haben ein Ende für 78 Landmaschinenmechaniker, die am Freitag ihren Gesellenbrief entgegennahmen. Nach dreieinhalb Jahren Ausbildungszeit verabschiedete der Verband des Landtechnischen Handwerks Baden-Württemberg in der Kirchheimer Stadthalle die Jung-Gesellen ins vollwertige Berufsleben. Mehr denn je sind hochqualifizierte Fachkräfte im Handwerk gefragt, ließ die Innung verlauten.

DANIELA HAUSSMANN

Anzeige

KIRCHHEIM Landmaschinen haben Tradition in Kirchheim. Schließlich wurde von hier aus mit Max Eyth, dem wohl berühmtesten Sohn der Fachwerkstadt, und seinen Dampfpflügen ein wesentlicher Beitrag zur Technisierung des landwirtschaftlichen Gewerbes geleistet. Gerade deshalb fühlt sich die Stadt gegenüber den angehenden Land- und Baumaschinenmechanikern in besonderer Weise verpflichtet, wie Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker deutlich machte.

"Mit der Max-Eyth-Schule und ihrem dualen Ausbildungssystem sind für die Qualifizierung der zukünftigen Fachkräfte die besten Voraussetzungen geschaffen, um junge Leute auf die hohen Anforderungen zu diesem Beruf vorzubereiten", betonte Landesinnungsmeister Kurt Neuscheler.

Über zwei Tage hatten die Auszubildenden in der praktischen wie schriftlichen Prüfung ihr Können unter Beweis gestellt. Im Foyer der Stadthalle konnten die 200 Angehörigen und Ausbilder das Prüfungsstück anschauen und anfassen. In 14 Stunden galt es eine Drehscheibe herzustellen, ein Geräteteil, wie man es an Streufahrzeugen findet. 78 der insgesamt 85 Prüflinge waren dieser Aufgabe und anderen Fragestellungen wie der Fehleranalyse gewachsen.

Dass der Beruf des Land- und Baumaschinenmechanikers ein Beruf mit Zukunft ist, davon ist Neuscheler ebenso überzeugt wie Wilhelm Weber vom Gesellenprüfungsausschuss. "Unsere Leute sind gefragt. Sie müssen vielseitig sein. Sie müssen soziale Kompetenz im Umgang mit dem Kunden ebenso beherrschen wie die Arbeit am Gerät", erklärt Weber. "Die Maschinen, mit denen wir es heute zu tun haben, sind so komplex, dass wir uns nicht nur in der Mechanik auskennen müssen. Wesentliche Felder sind auch Elektrik, Hydraulik, Montage, Instandsetzung sowie die EDV. Qualitätsmanagement und Umweltschutz zählen ebenfalls zum Basiswissen." Die Zeiten von Max Eyth, in denen sich das Fachwissen alle 50 Jahre verdoppelt habe, seien schon lange vorbei. Heute sei das bereits nach fünf Jahren der Fall.

Wie kaum ein anderer Beruf ist der des Land- und Baumaschinenmechanikers ein Musterbeispiel für vernetzte handwerkliche Tätigkeiten und Können. Von einem Ende der Lehrzeit kann also nicht wirklich gesprochen werden. Mehr denn je sind Unternehmungsgeist und Fortschrittsoptimismus gefragt, wie auf dem Festakt in der Stadthalle betontermaßen deutlich wurde. "Alle Beteiligten sind aufgefordert, nicht inne zu halten, sondern entsprechend den Anforderungen des Handwerks, der Branche, ja des Marktes, sich weiter zu qualifizieren und den Herausforderungen anzupassen", gab Landesinnungsmeister Neuscheler den Absolventen auf den Weg. "Die landwirtschaftlichen Betriebsleiter und Lohnunternehmer, aber auch die Privatkunden sind immer besser ausgebildet. Man sollte also immer daran denken, dass Menschen keine Produkte, sondern Lösungen für ihre Probleme kaufen." Der Gesellen- oder Meisterbrief ist daher nur eine Momentaufnahme, die innerhalb kurzer Zeit überholt ist. Eine stetige Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter im technischen, kaufmännischen und persönlichen Bereich ist daher stärker denn je gefordert und notwendig. "Sie, die Nachwuchshandwerker und -handwerkerinnen, strahlen heute den guten Geist des Handwerks aus", so Claus Munkwitz von der Handwerkskammer Region Stuttgart. "Es herrscht Aufbruchstimmung und dazu braucht unser Land mehr denn je tüchtige, verantwortungsbewusste und fleißige junge Menschen wie Sie."

Die Konjunkturzahlen zum Jahresanfang haben sich in der Region Stuttgart Munkwitz zufolge seit zwei Jahren das erste Mal wieder gebessert. In der Metallbranche, beim Innenausbau und bei den Nahrungsmittelhandwerken seien die Umsätze und die Auftragsbestände mit einem deutlichen Plus versehen. Weiteres Anzeichen für eine optimistische Konjunkturlage im Handwerk sind für den Hauptgeschäftsführer die Ausbildungszahlen im ersten Lehrjahr. "Unsere Betriebe sind sich ihrer Verantwortung für eine qualifizierte Ausbildung junger Menschen vollauf bewusst. Weitere 230 Handwerksbetriebe haben sich 2005 erstmals dazu entschlossen, einen Lehrling auszubilden", bilanzierte Claus Munkwitz.

Der Mechaniker für Land- und Baumaschinentechnik mit seinem breiten Ausbildungs- und Tätigkeitsspektrum sei mehr denn je ein aktueller Beruf mit guten Perspektiven. "Starke Typen mit Charakter sind gefragt", gab Hermann Roth, Obermeister der Innung Heilbronn-Stuttgart, zu verstehen. Schon jetzt zeichne sich ab, dass es dem Handwerk an Nachwuchs fehle. Zwar habe die Region Stuttgart eine der höchsten Wertschöpfungen aller Regionen in Deutschland. Zugleich bestehe aber auch ein überproportional hoher Anteil an ungelernten Arbeitskräften, die in den kommenden Jahren nicht mehr gebraucht würden. Umso mehr sei der Gesellenbrief ein Wertpapier von hoher Bedeutung.

Drei Preise und sechs Belobigungen wurden bei der Lossprechung vergeben. Als Prüfungsbeste wurden Raphael Müller, Rainer Köhler und Thomas Ried von der Innung Ulm ausgezeichnet.