Lokales

Gut ausgebildete junge Leute profitieren

Der wirtschaftliche Aufschwung bringt auch eine Trendwende auf dem Arbeitsmarkt mit sich: Zum ersten Mal seit 2001 hat die Arbeitslosenquote im Bezirk der Agentur für Arbeit Göppingen im vergangenen Jahr abgenommen: Lag sie im Jahresdurchschnitt 2005 noch bei 6,1 Prozent, so sank sie im vergangenen Jahr auf 5,5 Prozent.

ANKE KIRSAMMER

Anzeige

PLOCHINGEN Dass auf dem Arbeitsmarkt Land in Sicht ist, zeigen auch die absoluten Zahlen: Im Agenturbezirk waren 2005 im Schnitt noch 24 245 Menschen auf Jobsuche, ein Jahr später "nur" noch 22 125. In Baden-Württemberg nimmt der Agenturbezirk damit einen mittleren Platz ein. Im Landkreis Göppingen waren im Jahr 2006 im Schnitt 8 245 Menschen ohne Arbeit, im Kreis Esslingen 13 880. Im Bereich der Geschäftsstelle Kirchheim sank die Zahl der Arbeitslosen von 2 940 auf 2 731, die Arbeitslosenquote nahm damit von 5,7 auf 5,3 Prozent ab.

Wie Heidrun Schulz, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur, in der gestrigen Jahrespressekonferenz in Plochingen berichtete, profitierten von der anziehenden Konjunktur unter anderem Elektriker, Köche, Kaufleute, Maurer und Arbeitskräfte aus dem Metallbereich.

Insgesamt ging die Arbeitslosigkeit im Bezirk um 8,7 Prozent zurück. Die Zahl arbeitsloser Frauen sank jedoch nur um 5 Prozent. "Gewinner sind jüngere und gut ausgebildete Leute", so Heidrun Schulz: Hier betrug der Rückgang der Arbeitslosigkeit rund 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Im Jahresverlauf hatten die Unternehmen und Verwaltungen rund 21 800 freie Arbeitsplätze gemeldet, 5,4 Prozent mehr als 2005. Auch in diesem Bereich scheint die Talsohle durchschritten. Denn nach starken Einbrüchen in den Jahren 2002 bis 2004 war der Zugang an neuen Stellen bereits im Jahr 2005 erstmals wieder deutlich angestiegen. Eine gegenläufige Entwicklung gibt es allerdings in den Geschäftsstellen Esslingen und Kirchheim. Die Teckstadt musste im vergangenen Jahr bei neuen Stellen ein Minus von 4,1 Prozent hinnehmen.

Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stimmt die Chefin der Göppinger Arbeitsagentur optimistisch. "Wir haben hier mit 0,3 Prozent den geringfügigsten Rückgang seit 2002." Zwar liegen dazu bislang nur die Daten aus dem ersten Quartal 2006 vor, doch sieht sie Anzeichen dafür, dass die Entwicklung anhält. Zuwächse kämen insbesondere aus dem Dienstleistungssektor und dem Baugewerbe.

Was Heidrun Schulz mehr Sorgen bereitet, sind die Langzeitarbeitslosen. Im Jahr 2005 war noch jeder vierte von ihnen seit einem Jahr oder länger ohne Arbeit. Ein Jahr später traf dies bereits auf ein Drittel zu. "Die Arbeitslosigkeit hat sich damit im vergangenen Jahr bei vielen Menschen verfestigt."

Mit Blick auf das laufende Jahr sieht die Frau an der Spitze der Göppinger Arbeitsagentur viele Anzeichen für eine positive Entwicklung: "Wir haben die Chance, in die Nähe der Marke von 20 000 Arbeitslosen zu kommen. Eine Quote von 5 Prozent wäre schön."

Bettina Münz, Geschäftsführerin des Operativen Bereichs, beleuchtete im Anschluss die Ausbildungssituation. Die Agentur bekam 2006 mit 4 632 Stellen fast so viele Plätze wie im Jahr zuvor gemeldet. Durch die etwas höhere Zahl an Schulabgängern war die Ausgangssituation allerdings nicht rosig. "Es kamen zwei Bewerber auf eine Stelle", sagte Bettina Münz. Im Jahr 2005 gingen 352 Bewerber leer aus. 2006 waren es nur 169. Und Mitte Dezember waren der Arbeitsagentur lediglich noch rund 50 Jugendliche ohne Ausbildung gemeldet. Erklären lässt sich die geringe Zahl unter anderem mit einer höheren Flexibilität der Jugendlichen und einem Ausbau der außerbetrieblichen Ausbildung. "Der Ausbildungspakt hat bei uns gegriffen", resümierte Bettina Münz. Problematisch sei allerdings der hohe Anteil Ungelernter. Schon jetzt sieht die Fachfrau am Horizont einen Facharbeitermangel heraufziehen.

Mit 197,3 Millionen Euro floss der größte Anteil der Gesamtausgaben von 320,5 Millionen Euro in Arbeitslosengelder. Damit gab die Göppinger Agentur 23 Millionen Euro weniger für diesen Posten aus als im Vorjahr. Die Reduzierung der Arbeitslosigkeit und bessere Strukturen ließ sich die Agentur rund 91 Millionen Euro kosten. In berufliche Weiterbildung und passgenaue Trainingsprogramme steckte die Institution insgesamt 4,7 Millionen Euro. "Außerdem gibt es dieses Jahr wieder viele Mittel für die Fortbildung Geringqualifizierter in den Betrieben", betonte Bettina Münz. Nun ist es an den Personalchefs, diese Gelder abzurufen.