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Gutachter fordern eine zentrale Leitung für alle drei Häuser

Die Kreiskrankenhäuser Ruit, Plochingen und das Klinikum Kirchheim/Nürtingen sollen unter dem Dach einer gemeinnützigen GmbH organisiert werden. Das empfiehlt das Gutachterbüro Ernst & Young. Landrat Heinz Eininger will zunächst drei Eigenbetriebe des Landkreises in einem Betrieb zusammenfassen.

ROLAND KURZ

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KREIS ESSLINGEN Organisation und Rechtsform sollten die Gutachter untersuchen. In der Organisation der bis vor kurzem vier Kreiskrankenhäuser sahen die Prüfer "einige Schwächen". Es gebe zwar Informations- und Abstimmungswege, aber keine Entscheidungsbefugnis auf zentraler Ebene. Auch strategisches Controlling und Qualitätsmanagement werde nicht hausübergreifend wahrgenommen. Im EDV-Bereich fanden die Gutachter "verschiedene Systemwelten" vor. Planung, Steuerung und Kontrolle des Trägers, also des Landkreises, seien dadurch erschwert. Für die Organisation hat das Gutachterbüro eine klare Empfehlung vorgelegt. Zentralisieren heißt das Zauberwort. Die Krankenhäuser seien in den nächsten Jahren weiter einem gewaltigen Kostendruck ausgesetzt. 20 bis 30 Prozent der deutschen Krankenhäuser sollen verschwinden und in den "überlebenden" Häusern sei zudem ein Rückgang der Bettenzahlen um 20 bis 30 Prozent zu erwarten, schreiben Ernst & Young. Die Leistungen der Kliniken werden sich massiv vom stationären in den ambulanten Sektor verschieben. Enge Abstimmung des Leistungsspektrums und gemeinsames Vorgehen der vier Krankenhäuser seien notwendig. Der gemeinsame Auftritt erleichtere sowohl die Profilierung gegenüber der Konkurrenz als auch die Kooperation mit anderen Krankenhäusern.

In einer ersten Stufe kurzfristig umsetzbar sei eine zentrale Leitung zu schaffen, denen dezentral zwei Direktoren unterstehen. Momentan leitet Krankenhausdirektor Bernt Rommel die Häuser Plochingen (150 Betten) und Ruit (350 Betten), Siegfried Schmid ist Chef der Krankenhäuser Kirchheim (250 Betten) und Nürtingen (416 Betten). Die Abteilungen in Nürtingen und Kirchheim wurden im vergangenen Jahr neu geordnet, seit Januar gelten sie als ein Krankenhaus an zwei Orten.

Der Gesamtleitung des Unternehmens Kreiskrankenhäuser sollen drei Stabsstellen zugeordnet werden. Besonderen Stellenwert hat dabei die Baubetreuung. Dafür fehle den Kliniken derzeit Personal, stellen die Gutachter fest. Der Kreis plant den Neubau in Nürtingen und Erweiterungsbauten in Kirchheim. Ein zweiter Controller soll die Entwicklung der Fachgebiete und die Investitionsplanung im Auge behalten. Die dritte Stabsstelle soll sich um das Qualitätsmanagement kümmern. Die zusätzlichen Stellen schlagen allerdings mit bis zu 425 000 Euro jährlich zu Buche.

Spareffekte erwarten die Gutachter erst durch die zweite Stufe der Neuorganisation. Dann sollen die Verwaltungsfunktionen zentralisiert werden, also Finanzen, Personal und Leistungsabrechnung. Dazu ist eine einheitliche EDV notwendig. Was die Personalausstattung der Kreiskrankenhäuser betrifft, sehen die Gutachter übrigens kaum mehr Optimierungspotenzial. Auch die steuerlichen Strukturen gut seien.

Bei der Prüfung der geeigneten Rechtsform kommen Ernst & Young zum Ergebnis, dass grundsätzlich ein Eigenbetrieb des Landkreises oder auch die gemeinnützige GmbH möglich sind. Das Büro spricht sich dennoch für die GmbH als "zukunftsfähigere Rechtsform" aus. "Diese Rechtsform sichert die notwendige Flexibilität und kurze Entscheidungswege".

Steuerlich ist der Übergang auf die GmbH zunächst etwas kritisch, weil Grunderwerbssteuer fällig wird. Und je später der Übergang erfolgt, um so höher fällt die Steuer aus, weil der Nürtinger Neubau den Immobilienwert erheblich steigert. Dennoch neigt Landrat Eininger offensichtlich zunächst zum Eigenbetrieb. Praktikabler sei, erst die drei Eigenbetriebe in einen Betrieb zu überführen. Dieser erste, schnell mögliche Zentralisierungsschritt solle den Übergang in die GmbH erleichtern. Im März wird sich der Esslinger Kreistag mit der Grundsatzentscheidung befassen. In einer künftigen GmbH hätte der Kreistag nur noch über den Aufsichtsrat gewisse Steuerungsmöglichkeiten.