Lokales

Gute Arbeit muss drin sein

Forderung des Deutschen Gewerkschaftsbunds zum 1. Mai 2008 – Kundgebungen im Kreis

DGB Regionalvorsitzender Wolfgang Brach erläuterte bei einer Pressekonferenz das Motto des Deutschen Gewerkschaftsbundes zum diesjährigen 1. Mai: „In der Tat, wo gute Arbeit draufsteht – muss auch guter Lohn drin sein. Das ist das Mindeste, was Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer als Gegenleistung erwarten dürfen.“

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Rudolf Stäbler

Kreis Esslingen. Bevor der Regionalvorsitzende auf die Aktionen der Gewerkschaften zum 1. Mai 2008 nähers einging, erinnerte er an ein Ereignis, das damals aus den Gewerkschaften einen „gleichgeschalteten Verein“ machte, die Übernahme durch die Nazis. Genau vor 75 Jahren ist dies geschehen. Freude herrschte bei ihm allerdings über die Tatsache, dass sich der Mitgliederschwund des DGB in der Region Stuttgart „sehr in Grenzen“ gehalten habe. Der beziffert sich in der Region nämlich auf gerade Mal 0,45 Prozent bei einem Bundesdurchschnitt von 2,2 Prozent. Den Rückwärtstrend bezeichnete der Funktionär aber schon wieder als gestoppt. Dies vor allem in Gebieten, „wo gewerkschaftlich gekämpft wird“, da gebe es bereits jetzt schon wieder Zuwachs. Die Bescheidenheit der Gewerkschaften sieht er als beendet an. „Die half nur den Firmen, den Aktionären und den Banken in Liechtenstein“

Wolfgang Brach erläuterte, dass mit der Forderung, wo gute Arbeit draufsteht – muss auch guter Lohn sein, noch mehr Erwartungen verbunden seien. So erwartet man von den Gewerkschaften mehr Sicherheit für das Alter, eine Arbeit die nicht krank macht, die Forderung nach gleichem Geld für gleiche Arbeit, gleiche Bedingungen für Leiharbeit, dazu der Wunsch nach Zeit für Familie und Kinder sowie die Beachtung von Klima-, Umwelt- und Arbeitsschutz.

Dies seien eigentlich Selbstverständlichkeiten, die aber, wie zu allen Zeiten, mit Ausdauer und solidarischer Kampfkraft durchgesetzt werden müssen. Die Teilhabe am wirtschaftlichen Aufschwung werde zwar den Führungseliten, auch den Politikern, wie selbstverständlich zugestanden, im Gegenzug dazu sollen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch Bescheidenheit und Zurückhaltung in ihren Forderungen, diesen Aufschwung unterstützen und zukunftssicher machen. Dabei, so betonte der Gewerkschaftsfunktionär, seien die Forderungen der jüngsten Tarifrunden allemal solidarisch und mehr als zurückhaltend und bescheiden gewesen. Zudem sei die Gewerkschaft verantwortungsvoll auf die wirtschaftliche Situation der betroffenen Branchen eingegangen. „Vor allem waren sie solidarisch mit all denen, an denen der Aufschwung immer noch vorbeigegangen ist.

Brach betonte, dass die Gewerkschaften Gerechtigkeit wollten, soziale Gerechtigkeit und das bedeute Teilhabe am konjunkturellen Aufschwung, am Produktivitätsfortschritt. Mit sozialer Gerechtigkeit sei aber auch Teilhabe an Arbeit und am gesellschaftlichen Leben insgesamt gefordert. Brach: „An vielen Erwerbslosen ist der vielzitierte Aufschwung bislang sichtbar und vor allem finanziell vorbeigegangen. Schlechte Be­zahlung, Zeitverträge und ein Abdrängen in Leiharbeit würden die Bedingungen diktieren. Die Rahmenbedingungen einer Agenda 2010 und Hartz IV würden Druck erzeugen, um gute Arbeit zu miserablen, teilweise menschenverachtenden und entwürdigenden Bedingungen anzunehmen.

Nicht von ungefähr fordern die Gewerkschaften, dass jeder, ob Mann oder Frau, vom Lohn seiner Arbeit auch leben können muss. Dabei könne es aber nicht sein, dass Arbeitgeber schon von vorneherein den ergänzenden Bittgang zum Sozialamt, oder besser gesagt, zur Arbeitsgemeinschaft SGB I, in das Entgelt für Arbeitsleistung einkalkulieren. Nicht zuletzt, so der Gewerkschaftsvertreter, sei ein gesetzlicher Mindestlohn unabdingbar. Und 7,50 Euro können da nur der Anfang sein. „Auch da muss mehr drin sein“.