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Gute Stimmung an der Albkante: Leitung in geschätzten Händen

Ein Idyll der besonderen Art gibt es in Schopfloch oder anders gesagt: wenn schon Schule, dann so. In den Klassen eins bis vier tummeln sich insgesamt gerademal 22 Kinder und direkt hinter dem Schulgebäude fängt die wilde Natur des Albtraufs an. Neue Leiterin dieser kleinen, aber feinen Schule ist Resi Wörz. Sie wurde kurz vor den Ferien feierlich in ihr Amt eingeführt.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN Der Empfang hat es in sich. Der Ghettoblaster gibt Maximalleistung und spielt die WM lässt noch immer grüßen das Goleo-Lied. Kurzerhand wurde der Stundenplan umdisponiert, damit die Großen für die Amtseinsetzungsfeier ihrer neuen Schulleiterin noch üben und ihre Tanzeinlage als Cheerleader mit schwarz-rot-goldenen Puscheln perfektionieren können. Derweil gibt Resi Wörz den Jüngeren Unterricht, zum Schluss singen alle noch das "Wiesenkonzert", das sich völlig von der Musik aus der Konserve unterscheidet.

Die neue Leiterin der Grundschule Schopfloch ist im Ort keine Unbekannte. Bereits seit 15 Jahren unterrichtet sie die Buben und Mädchen in der kleinsten Schule des Landkreises. Die Arbeit teilt sie sich mit ihren zwei Kolleginnen Edith Schildhabl und Karolin Krämer, der einzige Mann im Hause ist Pfarrer Braun, der Kraft seines Amtes das Fach Religion inne hat. "Gerade an einer so kleinen Schule ist es wichtig, dass sich die Kollegen untereinander verstehen und ins gleiche Horn blasen", so die Erfahrung der Schulleiterin

Die Augen von Resi Wörz leuchten, als sie beginnt, von ihrer Schule zu erzählen. "Der neue Bildungserlass ist für uns nichts Neues", sagt sie. Bedingt durch die "Größe" der Schule werden seit Jahren die Jahrgangsstufen eins und zwei in diesem Schuljahr aus zwölf Schülerinnen und Schülern bestehend gemeinsam in einer Klasse unterrichtet, ebenso drei und vier, die zehn Buben und Mädchen zählt. Projekte und größere Aktionen wie Wandertag, Laternenumzug oder die Willkommensfeier für die Erstklässler macht die Schule gemeinsam. "Bei Festen brauchen wir einfach alle Schüler", meint Resi Wörz lachend.

Vieles fließt ineinander. "Vor allem in der ersten Klasse haben wir unterschiedliche Niveaus. Einige Schüler können schon lesen, die anderen kennen Buchstaben und wiederum andere weder Buchstaben noch Zahlen. Wer schon viel weiß, gliedert sich automatisch in die zweite Klasse ein. Auch umgekehrt funktioniert dieses System", zeigt Resi Wörz die Vorteile eines gemeinsamen Unterrichts auf. Für die gesamte Schule gibt es einen Wochenplan. Die Kinder arbeiten an unterschiedlichen Dingen zur gleichen Zeit, was wiederum heißt, dass sich die Lehrerinnen für eine Schulstunde doppelt vorbereiten müssen der Jahrgangsstufe und den Bildungsplänen angepasst. "Man schaut aber schon, dass es passt. Üben die Dreier beispielsweise Multiplikation, sind die Aufgaben für die Vierer halt schwieriger", verdeutlicht Resi Wörz.

Freies Arbeiten holt die Kinder individuell auf unterschiedlichem Niveau und Leistungsstand ab. Schüler, die zusätzliche Übungsstunden brauchen, können diese erhalten. Der Bildungsplan legt immer mehr Wert auf Fächerverbund. Hinter MNK verbirgt sich beispielsweise "Mensch, Natur und Kultur". Gerade in solchen Fächern ist Lesekompetenz gefragt, die nicht selten unterschiedlich ausgeprägt ist. "Hier entstehen oft schöne Helfersituationen unter den Schülern, die wichtig sind. Ist sich einer seiner Sache sicher, kann er sein Wissen an seine Mitschüler weitergeben", so die Lehrerin. Große Grundschulen können viel von Schopfloch lernen, ist sie überzeugt, denn dank der geringen Schülerzahl könnten sie "mehr Schule" machen als in großen Städten. "Dort müssen die Schulen Erziehungsarbeit leisten und den Kindern oft erst die Sprache lehren", ist sich die Schulleiterin ihrer privilegierten Situation bewusst.

Große Projekte übers Jahr verteilt, an denen alle Schüler teilnehmen, gehören zum Alltag. Vier Jahre sind die Kinder an der Grundschule, deshalb gibt es pro Jahr ein Jahreszeitprojekt, passend dazu die Elemente. Langeweile kann schon deshalb nicht aufkommen, weil sich die Themen nicht wiederholen. Jüngstes Beispiel ist das "Herbstprojekt". Die Großen haben für alle Apfelwaffeln gebacken, die Jüngeren den Nachtisch kreiert, Drachen wurden gebastelt und die Früchte den einzelnen Bäumen zugeordnet. "Weil wir kein Arbeitsblatt vom vergangenen Jahr verwenden, wird es auch für uns Lehrerinnen nie langweilig und wir kommen in keinen Trott rein", freut sich Resi Wörz.

Der Fantasie für einen bunten Unterricht sind in Schopfloch keine Grenzen gesetzt. So stand das neue Jahr insbesondere der Sportunterricht ganz im Zeichen der Sportereignisse. Bei der Winterolympiade fand Bobfahren beispielsweise in Kästen statt, zum Skispringen wurden Bänke zweckentfremdet und auch andere, ungewohnte Sportarten wurden in der Turnhalle trainiert. Experimente mit und im Schnee erweiterten Wissen und Fertigkeiten der Schüler, zu denen selbstverständlich auch praktische Übungen im Schlitten- und Skifahren auf der nahegelegenen Pfulb gehörten. Um täglich dem Wintervergnügen fröhnen zu können, brauchen die Schopflocher Schüler jedoch keine weiten Wege zu unternehmen. Selbst in den Pausen ist es ihnen erlaubt, auf Plastiktüten direkt hinter der Schule den Hang hinabzurutschen. Dies erfordert allerdings hohe Aufmerksamkeit der Pausenaufsicht, denn sind die Kinder erst mal flott unterwegs, können sie der Albkante nahe kommen. Bei derartigem Engagement versteht es sich von selbst, dass die Fußball-WM gebührend gewürdigt und Mozarts Geburtstag gar eine Woche lang gefeiert wurde.

Welche Wertschätzung Resi Wörz von allen Seiten entgegengebracht wird, zeigte sich bei der offiziellen Amtseinsetzung. Sämtliche Beteiligten zeigten sich erleichtert darüber, dass sich die Zainingerin bereit erklärt hat, diese verantwortungsvolle Aufgabe an einer solch kleinen Schule zu übernehmen. Die gute Stimmung unter den Kolleginnen brachte Edith Schildhabl bei der offiziellen Feier klar zum Ausdruck und auch Schulamtsdirektor Dr. Hans-Dieter Pix lobte die kompetente und patente Frau an der Spitze der Grundschule. Sowohl Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht als auch Gunter Berger, Ortsvorsteher in Schopfloch, freuten sich, dass die Arbeit in der kleinen Schule mit einem "richtungsweisenden Blick in die Zukunft weitergeht", was nicht selbstverständlich sei. Pfarrer Braun schrieb eigens ein Gedicht von Ludwig Uhland für Resi Wörz um und auch die Elternvertreterin freute sich, dass "die Schule in vertrauten Händen" bleibt, denn schließlich wird die Einsatzkraft von Resi Wörz schon seit Jahren geschätzt.

Wichtigste Akteure der Feier waren logischerweise die Kinder. Singend, musizierend oder schauspielernd zeigten sie, was sie das Jahr über gelernt haben. Als nach dem offiziellen Teil das traditionelle Schulfest begann, waren die Buben und Mädchen erst recht bei der Sache.