Lokales

Gutes Miteinander trotz vieler Probleme

Verschiedenste Charaktere im Frauenhaus

Im Frauenhaus ist der Wechsel Alltag: Auch im vergangenen Jahr mussten sich Bewohnerinnen und Mitarbeiterinnen ständig auf neue Situationen einstellen. Insgesamt wohnten 32 Frauen mit 42 Kindern dort. Die Altersspanne reichte von 18 bis 70. Verschiedenste Nationalitäten, Charaktere, Temperamente und Problemstellungen kamen unter einem Dach zusammen. Trotz allem verlief das Miteinander meist gut.

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Kirchheim. Von den 32 aufgenommenen Frauen stammte über ein Drittel aus dem Kreis. 18.7 Prozent waren aus anderen Bundesländern gekommen, um vor ihrem gewalttätigen Partner Schutz zu suchen. Die Auslastung der zwölf Plätze lag über das Jahr 2007 gerechnet bei 85 Prozent. 48 Frauen und 45 Kinder mussten abgelehnt werden. Hauptgrund war, dass das Haus jeweils voll belegt war. In über zehn Prozent der Fälle konnte aber auch die Sicherheit nicht gewährleistet werden.

Der Altersschwerpunkt der aufgenommenen Frauen lag zwischen 31 und 40 Jahren. Die meisten brachten ein Kind mit, eine ganze Reihe aber auch zwei oder drei Kinder. Ein Drittel der Frauen stammt aus Deutschland. Einen nennenswerten Anteil an der Statistik stellen außerdem Türkinnen mit 18,9 Prozent der aufgenommenen Frauen dar, gefolgt von Rumäninnen mit 12,5 Prozent. Bei drei Frauen war die Verständigung nur mit Dolmetscherin möglich.

Fast zwei Drittel der Frauen war vor dem eigenen Ehemann ins Frauenhaus geflohen. Die meisten blieben einige Wochen in der Schutz bietenden Bleibe. Während 20 der 32 Frauen vor dem Aufenthalt im Frauenhaus vom Familieneinkommen lebten, bezogen 21 nach dem Einzug Hartz IV. Über ein Drittel zog nach dem Aufenthalt im Frauenhaus in eine eigene Wohnung, 28 Prozent gingen auch zum Ehemann beziehungsweise Partner zurück.

Die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses bieten ganzheitliche Unterstützung. Die Schutz suchenden Frauen werden mit notwendigen Informationen und praktischen Hilfen versorgt, um angstfrei erste Schritte eines Neuanfangs wagen zu können. Außerdem gibt es Beratungsgespräche, um Zukunftsperspektiven für die Frauen und deren Kinder zu entwickeln. Auf Wunsch werden die Frauen auch nach ihrem Auszug noch beratend begleitet. Im Büro am Marktplatz bietet der Verein Frauen helfen Frauen zudem externe, auch telefonische Beratung an für Frauen, die in Gewaltbeziehungen leben.

Über 90 Prozent der Kinder, die ins Frauenhaus mitgebracht wurden, haben die Misshandlungen der Mutter bewusst miterlebt. Fast ein Fünftel ist selbst körperlich misshandelt worden. Um die Belange der Kinder kümmert sich im Frauenhaus hauptsächlich eine Diplomsozialpädagogin. Sie ist Ansprechpartnerin der Mädchen und Jungen und betreut sie im Schulalltag. Gegebenenfalls werden auch therapeutische Maßnahmen eingeleitet. Enge Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und dem sozialen Dienst ist selbstverständlich. Aufgrund häufiger Fragen zum Umgangs- und Sorgerecht besteht auch enger Kontakt zu Rechtsanwältinnen.

Die alltägliche Arbeit im Frauenhaus wird von vier hauptamtlichen Kräften gleistet, die jeweils 50-Prozent-Stellen haben. Ganze 2 140 Arbeitsstunden erbrachten außerdem die Vereinsfrauen von „Frauen helfen Frauen“. Die Aktiven sind ständig auf der Suche nach weiterer Unterstützung. ist