Lokales

Haecker-Preis für Eren Keskin

Die türkische Anwältin Eren Keskin erhält am 18. September den Theodor-Haecker-Preis für politischen Mut und Aufrichtigkeit der Stadt Esslingen. Oberbürgermeister Jürgen Zieger fordert vom türkischen Innenministerium, die Preisträgerin und weitere türkische Menschenrechtler zu schützen.

ESSLINGEN Eren Keskin ist Mitbegründerin eines Frauenhilfeprojekts, das Opfern von Vergewaltigungen und Übergriffen Rechtshilfe gewährt. Darüber hinaus engagiert sie sich als stellvertretende Vorsitzende des Menschenrechtsvereins Isan Haklari Dernegi (IHD), dessen Büro in Istanbul sie leitet. IHD ist die größte Menschenrechtsorganisation in der Türkei und verurteilt offen Verstöße der Sicherheitskräfte sowie bewaffneter Oppositionsgruppen. Die Büros des Vereins würden oft verwüstet, geschlossen oder seien Zielscheibe von Bombenanschlägen, heißt es in einer Mitteilung der Stadt Esslingen. IHD-Vertreter würden bedroht, festgenommen, verfolgt, gefoltert und verschleppt. Seit 1991 seien mindestens zwölf Mitarbeiter getötet worden.

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Die 2004 mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnete Eren Keskin ist mehrfach verfolgt und inhaftiert worden. Sie kritisiert den türkischen Staat, das Rechtssystem, fordert die Einhaltung fundamentaler Menschenrechte in ihrem Land und setzt sich für eine friedliche Lösung des Kurdenkonflikts ein. "Das türkische Justizsystem behandelt ganz offiziell die kurdische Bevölkerung mit Sondergesetzen. Zudem ist das türkische Recht extrem frauendiskriminierend", sagt Keskin. Inzwischen hat amnesty international zu einer Dringlichkeitsaktion zur Sicherheit der Anwältin und zweier anderer Mitglieder des IHD, Saban Dayanan und Dogan Genc, aufgerufen. Sie sind von der ultranationalistischen Gruppe Türk Intikam Tugayi (Türkische Vergeltungsbrigaden) mit Mord bedroht worden.

Der mit 5 000 Euro dotierte und seit 1995 alle zwei Jahre vergebene Theodor-Haecker-Preis wird am 18. September um 11 Uhr während einer öffentlichen Feier bei freiem Eintritt im neuen Neckar-Forum überreicht. Damit ist die Veranstaltung Bestandteil der Eröffnungsfeierlichkeiten für Esslingens neue Stadthalle vom 15. bis 18. September.

Die Laudatio im neuen Neckar-Forum hält der Fernsehjournalist Dieter Sauter. Er gilt als ausgewiesener Kenner der Türkei und ihrer politischen Verhältnisse. Von 1992 bis Ende März dieses Jahres war er Korrespondent und Studioleiter der ARD in Istanbul. Seither arbeitet er an einer Sonderproduktion über den Nahen Osten. Die Ehrengabe zum Theodor-Haecker-Preis erhält Barbara Schüler für ihre Arbeit "Geistige Väter der Weißen Rose Carl Muth und Theodor Haecker als Mentoren der Geschwister Scholl".

cid