Lokales

Hässlicher Fleck auf Online-Häs

Den Providerwechsel der Berkheimer Narrengemeinschaft nutzte ein Münchner, um seine Sexseiten auf der alten Homepage des Vereins anzubieten.

MIRIAM HESSE

Anzeige

ESSLINGEN Die fünfte Jahreszeit hat noch nicht ihren Höhepunkt erreicht, da haben die Karnevalisten der Narrengemeinschaft Berkheim schon einen Fleck auf ihrem Online-Häs: Ihr Internetauftritt ist versaut. In der Suchmaschine Google auf "Die Gemeinschaft stellt sich und ihre Mitglieder mit Bildern vor" geklickt, erschienen bis vor wenigen Tagen nackte Frauen in eindeutigen Posen. Ein Sexseiten-Anbieter hat sich die Homepage der braven Narren gegrabscht. Der Verein ist geschockt. "Wir distanzieren uns von diesen Inhalten", sagt der Vorsitzende Oliver Ramsch. "Wir haben Angst, dass das unser Image beschädigt und die Leute dieses Zeug mit uns in Verbindung bringen." Aber das ist nicht das einzige Problem: Pünktlich zur Hauptsaison sind die Termine von Prunksitzungen und Umzügen und alle Kontaktdaten nicht mehr abrufbar. Ramsch sah sich gezwungen, eine Rundmail mit einem Erklärungsversuch zu schreiben. Wer hat da wen zum Narren gehalten? Mittlerweile haben die Karnevalisten den Fall rekonstruiert.

Für die vielen Bilder von Faschingsfesten wollten sie die Speicherkapazität erweitern und den dafür zuständigen Vermittler, den so genannten Provider, wechseln. Anfang Dezember schickte der Webmaster des Vereins deshalb einen Kündigungsantrag an den alten Provider. Was weder er noch Ramsch wussten: Mit dem Löschauftrag verlieren sie als alte Domaininhaber sofort ihre Homepage und ein anderer kann sich dafür registrieren lassen. "Das ist Pech", sagt Klaus Herzig, Sprecher der Registrierungsbehörde Denic. "Aber wenn Sie eine Sache verkauft haben, kriegen Sie sie auch nicht so einfach zurück."

Als die Berkheimer Narren vier Tage später die Domain bei ihrem neuen Provider anmelden wollten, war ihr Name "www.ng-berkheim.de" bereits futsch. Zwei Wochen lang wussten sie gar nicht, was dort bald erscheinen würde, und kurz vor Weihnachten dann der Schreck: Ein "sehr unseriöser Mensch" wie Ramsch vermutet der mit einer Adresse in München verzeichnet ist, hatte sich die Domain gesichert und seine Schmuddelseiten eingespeist. Warum ausgerechnet unter ihrem Namen, können sie sich nur so erklären: "Wir hatten etwa hundert Klicks pro Monat, vielleicht wollte der neue Kunden an Land ziehen." Inzwischen scheint der neue Domaininhaber Wind bekommen zu haben: Zumindest erscheinen jetzt unter der Adresse nur Fehlermeldungen oder Foren, auf denen sich irgendwelche Menschen über irgendetwas unterhalten.

Die Narren sind darüber nur bedingt glücklich: "Mit uns hat das ja trotzdem gar nichts zu tun", sagt der Vereinsvorsitzende. Man wolle nun rechtliche Schritte prüfen, sei sich aber darüber im Klaren, dass da keine großen Aussichten auf Erfolg bestehen. Schließlich hat sich der neue Inhaber ganz legal registriert. Auf eine Mail mit der Bitte, ihre Homepage wieder zurückzugeben, hat er nicht reagiert.

"Der neue Domaininhaber ist aber verpflichtet zu prüfen, ob er mit seinen Websites die Namensrechte Dritter verletzt", sagt Andreas Schmidt von der zentralen Registrierungsbehörde. Bis vor Gericht wollen die Berkheimer Karnevalisten jedoch nicht gehen. Das gibt die Vereinskasse nicht her. Außerdem fürchten sie, dass ihr Gegner mit solchen Prozessen Erfahrung hat. Jetzt haben sie sich eine andere Adresse gesichert. Der neue Domainname hat nur einen Bindestrich weniger und heißt www.ngberkheim.de. Bis diese Seite fertig ist, können aber noch Wochen vergehen.