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"Hätten keinerlei Spielraum mehr"

Das Reizthema des Monats im Albvorland erhitzte auch die Gemüter des Weilheimer Gemeinderats: Die von der baden-württembergischen Landesanstalt für Umweltschutz vorgeschlagenen Vogelschutzgebiete.

ANKE KIRSAMMER

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WEILHEIM "Weilheim hat bisher Natur-, Landschafts- und Vogelschutz ernstgenommen", betonte Bürgermeister Hermann Bauer. Bereits jetzt stünden 60 Prozent der Markungsfläche unter besonderem Schutz. Teile davon sind Flora-Fauna-Habitat-Gebiet. Allein die Limburg ist mit 161 Hektar als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Der Schultes hob auch auf die finanzielle Förderung durch die Stadt von rund 8 300 Hochstämmen für den Streuobstbau in den vergangenen 20 Jahren ab. "Das entspricht allein einer Fläche von 85 Hektar."

Mit Zustimmung der Stadt seien im Jahr 2001 auf sechs Prozent der Markung Vogelschutzgebiete ausgewiesen worden. Die jetzt vorgeschlagenen Areale reichen in Weilheim und Hepsisau direkt an die Bebauung heran. Neben sämtlichen Streuobstwiesen wären damit auch große Teile des freien Ackerlandes erfasst, so beispielsweise im Gewann "Boden". 67 Prozent der Markungsfläche würden so mit einem förmlichen Schutzstatus belegt. "Wir hätten keinerlei Spielraum mehr, uns weiterzuentwickeln", gab Bauer zu bedenken. "Man schießt hier deutlich übers Ziel hinaus." Naturschutz lasse sich nur betreiben, wenn die Bevölkerung mitziehe. Seien die Flächen erst einmal unter Schutz gestellt, gehe nichts mehr. "Da darf man sich nichts vormachen. Wir sind dann in der Defensive."

Vogel-Strauß-Politik zu betreiben, empfahl der Verwaltungschef dem Gremium deshalb nicht. Stattdessen bietet die Stadt von sich aus Flächen für die Vogelschutzgebiete an: Bereits unter Naturschutz stehende Flächen, FFH- und Landschaftsschutzgebiete mit insgesamt 1600 Hektar. Das entspricht 60 Prozent der Markungsfläche und erfasst mit 700 Hektar nahezu sämtliche Streuobstwiesen. "Das Vogelschutzgebiet würde sich damit auf das rund Zehnfache des bisherigen ausdehnen. Denkbar wäre für die Stadt zusätzlich noch die Einbeziehung von 102 Hektar, darunter Flächen auf beiden Seiten der Landesstraße 1200 Richtung Neidlingen zwischen den bestehenden Landschaftsschutzgrenzen vom Winterhaldenbach bis zur Markungsgrenze Neidlingen, am Galgenrain in Weilheim sowie auf Gemarkung Hepsisau die Langwiesenäcker. Zudem wollen die Gemeinden ein Fachbüro einschalten, um eine fachlich fundierte Bewertung vornehmen zu können.

Gleichzeitig zeigte sich Bauer überzeugt, dass auch in anderen Landesteilen im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb Flächen einbezogen werden können, um die geforderten zehn Prozent der Landesfläche unter Schutz stellen zu können.

Mit einer Gegenstimme von Stadtrat Peter Werner, der grundsätzlich die Haltung der Mehrheit teilte, sich aber an einzelnen Formulierungen störte, segnete das Gremium die Stellungnahme der Stadt ab.

Abgesehen von kleineren Korrekturen begrüßten Rat und Verwaltung dagegen, dass Zipfelbachschlucht und Limburg sowie weitere kleine Teile der Gemarkung in das UNESCO-Biosphärengebiet Münsingen und Albtrauf Kreis Esslingen (wir berichteten) einbezogen werden sollen. Die Flächen stehen jetzt bereits großteils unter besonderem Schutz. Mit Einschränkungen rechnet Hermann Bauer nicht. Vielmehr wird erwartet, dass für Pflegemaßnahmen in den Gebieten Fördergelder fließen.