Lokales

Haftstrafe für spielsüchtigen Dealer

Ein 31-Jähriger, der in Nürtingen, Wendlingen und Kirchheim einen umfangreichen Drogenhandel betrieben hatte, ist vom Stuttgarter Landgericht jetzt zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und zwei Monaten verurteilt worden. Der spielsüchtige Mann hat in 31 Fällen mehrere Kilo Rauschgift eingekauft und in Kleinportionen an Abhängige abgegeben.

NÜRTINGEN/KIRCHHEIM Die Besonderheit an diesem Strafverfahren vor der 17. Großen Strafkammer bestand darin, dass der Angeklagte nicht drogensüchtig ist und somit seinen Rauschgifthandel auch nicht zur Finanzierung des Eigenkonsums praktizierte. Er leidet an einer anderen Sucht, wie die Richter auch mit Hilfe eines Gutachters deutlich feststellten: Der Spielsucht eine Art "pathologische Spielleidenschaft", die letzten Endes sein gesamtes Erspartes und seinen gesamten Arbeitsverdienst, plus Bankkredit, verschlang.

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Das war der Grund, warum er sich seit Ende 2006 bis zur Festnahme im Sommer letzten Jahres mit dem Handel von Marihuana und in geringerem Maße auch Kokain befasste, das er in Kirchheim verkaufte. Für mehrere Tausend Euro kaufte er den Stoff von Dealern in Reutlingen, Wendlingen, Nürtingen und in den Niederlanden ein, wobei er allerdings vor Gericht versuchte, einen der Dealer noch zu schonen.

In Vernehmungen hatte er insgesamt drei verschiedene Versionen gebracht, und vor den Richtern schließlich die "Vierte", die seiner Meinung nach die "richtige Wahrheit" sei. Der aber konnten die Juristen nicht mehr folgen und gingen jetzt im Urteil von dem Geständnis aus, das der Angeklagte bei der ersten polizeilichen Vernehmung ablegte. Da aber das Rauschgift, von dem ein knappes Kilo sichergestellt werden konnte, von äußerst mieser Qualität war, mit einem ganz geringen Reinheitsgehalt, und der Angeklagte durch seine Angaben vor Gericht auch noch nicht identifizierte Hintermänner der Justiz auslieferte, setzte es eine recht milde Strafe von nur drei Jahren und zwei Monaten Haft.

Bei besonders schweren Fällen von Drogenhandel können bis zu 15 Jahre verhängt werden. Auch seine Spielsucht trug zu einer milden Sanktion ein. Der Staatsanwalt hatte vier, der Verteidiger hingegen zwei Jahre Freiheitsstrafe beantragt. Das sichergestellte Marihuana wird von der Stuttgarter Staatsanwaltschaft unter strenger Aufsicht vernichtet.

wic