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Hahnweide jetzt Sonderlandeplatz

Regierungspräsidium Stuttgart: Rechtliche Situation tatsächlichen Gegebenheiten angepasst

Der Antrag des Baden-Württembergischen Luftfahrtverbandes (BWLV) vor zwei Jahren hat hohe Wellen geschlagen. Jetzt hat das Regierungspräsidium Stuttgart die Änderung des Segelfluggeländes Hahnweide in einen Sonderlandeplatz genehmigt. Dabei hat die Behörde die jährlichen Motorflugbewegungen auf maximal 15 000 begrenzt und Auflagen erteilt.

richard umstadt

Kirchheim. Das Regierungspräsidium Stuttgart hat gestern die Änderungsgenehmigung zum Betrieb des Sonderlandeplatzes Hahnweide erlassen. Die aktuell erlassene Genehmigung ersetzt die bestehende Genehmigung, die noch aus dem Jahre 1973 stammt.

In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat sich die Hahnweide vom reinen Segelfluggelände faktisch zu einem Sonderlandeplatz entwickelt, auf dem auch Motorflug betrieben wird. Wie der Pressesprecher des Regierungspräsidiums, Dr. Clemens Homoth-Kuhs sagte, trägt die Änderung der Genehmigung den veränderten tatsächlichen Gegebenheiten auf der Hahnweide Rechnung und passt die rechtliche Situation daran an. „An den aktuellen tatsächlichen, insbesondere baulichen Gegebenheiten ändert sich nichts.“

2006 hatte der Baden-Württembergische Luftfahrtverband (BWLV) als Platzhalter den entsprechenden Antrag gestellt, der im üblichen Verfahren allen Betroffenen bekannt gemacht wurde. Im Anschluss gingen rund 625 Einwendungen privat Betroffener ein. Außerdem nahmen 14 Träger öffentlicher Belange Stellung zu dem Vorhaben.

Schwerpunkt der Einwendungen war die Befürchtung, dass der Fluglärm zunimmt und die Anzahl der Flugbewegungen sich steigert. Im Ergebnis hat das Regierungspräsidium insbesondere die Anzahl der Flugbewegungen mit motorgetriebenen Luftfahrzeugen auf maximal 15 000 pro Jahr begrenzt. Diese Zahl liegt unter dem Durchschnitt der Jahre 1994 bis 2005 und ist wesentlich geringer als in den Spitzenjahren. Davon ausgenommen sind Sonderveranstaltungen, wie zum Beispiel das alle zwei Jahre stattfindende Oldtimer-Fliegertreffen auf der Hahnweide. Sie bedürfen einer gesonderten luftrechtlichen Genehmigung durch das Regierungspräsidium.

Die jetzt erlassene Genehmigung eines Sonderlandeplatzes, für die das Regierungspräsidium Stuttgart Sofortvollzug anordnete, regelt die Betriebszeiten und enthält zahlreiche Nebenbestimmungen zum Flugbetrieb.

Die Genehmigung nebst Anlagen wird in den Kommunen Kirchheim, Owen, Beuren, Dettingen, Frickenhausen, Lenningen und Nürtingen einen Monat lang öffentlich zur Einsichtnahme ausgelegt. Die Auslegung wird in der Presse mitgeteilt.

In einer ersten kurzen Stellungnahme zeigte sich Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker „zufrieden mit dem Kompromiss“. Das Regierungspräsidium sei mit der in der Genehmigung festgelegten Anzahl von Flugbewegungen der Forderung der Stadt Kirchheim und des Gemeinderates gefolgt. „Das ist der Status quo. Der Flugbetrieb ist dadurch nicht eingeschränkt.“ Der BWLV wollte jährlich 17 000 Flugbewegungen für die auf der Hahnweide stationierten Motorflugzeuge. „Wir können aber auch mit den genehmigten 15 000 leben“, meinte Sieger Maier, ehemaliger BWLV-Vizepräsident und Sprecher der Hahnweide-Flugsportgruppen, in einer ersten Reaktion auf die Genehmigung. „Wir richten uns darauf ein, obwohl wir im Durchschnitt in den letzten Jahren mehr Motorflugbewegungen hatten.“ Da die maximal 15 000 Flugbewegungen pro Jahr die Starts und Landungen während der Sonderveranstaltungen wie der internationalen Segelflugwettbewerbe und Oldtimer-Fliegertreffen nicht beinhalten, sehen auch die Hahnweidflieger in der Regelung einen gangbaren Kompromiss.

„Ich kenne die Unterlagen noch nicht. Wenn sie ausliegen, werden wir sie sorgfältig und in aller Ruhe prüfen“, sagte Rosemarie Fano von der Interessengemeinschaft Fluglärm Hahnweide. Die Initiative lehnte im Februar den Weg „15 000 plus“ ab und forderte, auch die Sonderveranstaltungen in die genannte Anzahl der maximalen Flugbewegungen von Motormaschinen aufzunehmen.

Die Kirchheimer Hahnweide ist seit 1952 die Heimat der Segelflieger und durch ihre internationalen Wettbewerbe weltweit bekannt. Wurden die Segelflugzeuge anfangs hauptsächlich mit der Winde gen Himmel gezogen, so legten sich im Laufe der Zeit die Vereine eigene Schleppmaschinen zu, um bei Wettbewerben flexibler zu sein und das Startfenster einhalten zu können. Außerdem kamen von der Thermik unabhängige Motorsegler und die Einmotorigen der BWLV-Flugschule sowie Privatmaschinen hinzu. Diese flogen jeweils mit einer befristeten Erlaubnis des Regierungspräsidiums als der zuständigen Luftfahrtbehörde.