Lokales

"Hai-Alarm" fürs Dach

Ein bekanntes, aber doch immer wieder brisantes Thema: Die Urlaubszeit hat begonnen, viele jüngere Familien sind verreist und so manche ältere Hausbesitzer sind allein zu Hause und können ihre Kinder oder Verwandten nicht um Rat fragen. Diese Wochen nutzen die schwarzen Schafe der Dachdeckerbranche rigoros aus, um Aufträge zu akquirieren.

KIRCHHEIM Die Vorgehensweise wiederholt sich in der Regel: Der Einstieg ist immer eine angeblich schadhafte Stelle am Dach.

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Der nette Vertreter an der Haustür bietet zuerst die Inspektion oder die kleine Reparatur äußerst kostengünstig an. Die überschaubare Reparatur zwischen 25 bis 100 Euro muss durch einen Auftrag per Unterschrift des Hausbesitzers sofort bestätigt werden. Ist erst einmal unterschrieben, lässt der "Dach-Hai" sein Opfer nicht mehr los. Die Arbeitsmethoden sind verschieden, das Ziel aber das gleiche: den ahnungslosen Hausbesitzer um möglichst viel Geld zu bringen.

Nur einen oder wenige Tage später kommt dann der "Chef". Dieser stellt fest, dass der Reparaturauftrag so keinen Zweck hat, weil zumindest der First oder gar das ganze Dach erneuert werden muss. In der Regel ist das Ziel eine komplette Dachsanierung.

Die Dachdecker-Innung rät dringend, ein Angebot vom ortsansässigen Handwerker der eigenen Wahl einzuholen, auch wenn dann das vermeintlich günstige Angebot des "Dach-Hais" keine Gültigkeit mehr haben sollte. Nicht zu vergessen ist, dass der Dach-Vertreter in der Regel auch eine Provision in Höhe von 20 bis 30 Prozent für die Vermittlung des Auftrages erhält. Das heißt, desto höher der Auftrag, umso höher die Prämie. Der eigentlich Zahlende ist der Kunde.

Ist der Bauvertrag einmal unterschrieben, fangen solche Firmen innerhalb kürzester Zeit mit der Ausführung der Arbeiten an. Material wird angeliefert, das Gerüst aufgestellt und das Dach abgedeckt. Bewusst wird das Widerrufsrecht, das bei Haustürgeschäften gilt, unterlaufen. Eine Belehrung über die Widerrufsmöglichkeit muss jeder Kunde erhalten und unterschreiben.

Beliebteste Kunden der "Dach-Haie" sind nach wie vor ältere und gutgläubige Hausbesitzer, oft auch Frauen, die tagsüber und in der Urlaubszeit erreichbar sind. Immer wieder gibt es Hausbesitzer, die sich kurzfristig entscheiden, Verträge innerhalb weniger Minuten mit einem Auftragswert von zehn- bis zwanzigtausend Euro bei unbekannten Firma zu unterschreiben. Verträge in solchen Größenordnungen sollten "überschlafen" und möglichst mit Familie, Freunden oder Bekannten besprochen werden.

Weitere Auskünfte erteilt die Dachdecker-Innung Stuttgart und Region Mittlerer Neckar, 07 11/6 20 20 83, oder die Handwerkskammer Stuttgart.

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