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Halali und Infos zum "Stoff, aus dem die Bäume sind"

Beim gestrigen Aktionstag rund ums Holz im Beurener Freilichtmuseum wurden die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten von Holz aufgezeigt. Modernste Maschinen und Geräte kamen zum Einsatz. Die Forstverwaltung informierte rund um den Wald und den Naturschutz, während die Jägervereinigung übers Waidwerk aufklärte und deren Bläsergruppe jagdliche Weisen spielte.

RAINER STEPHAN

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BEUREN Der Wald ist seit jeher Rohstofflieferant und Arbeitsplatz, aber auch ein einzigartiges Naturreservoir, in dem viele Ruhe und Erholung suchen. Für das breit gefächerte Themenfeld hatten sich die Veranstalter einiges einfallen lassen.

Richard Höhn, Revierförster aus Nürtingen: "Ich bin von der Besucherzahl positiv überrascht, weil der Aktionstag erstmals auf dem Museumsgelände stattfindet".

Groß und vielfältig war die Zahl der PS-starken Forstschlepper und Holzbearbeitungsgeräte. "Vom Stamm zum Spächel", so ließe sich die Funktionsweise des Sägespaltautomaten erläutern, der den Holzstamm zuerst sägt und dann die Rollen spaltet, sodass die Holzscheite dann per Förderband auf einen großen Anhänger gelangen können.

Trotz allem, was moderne Technik heute leisten kann, bleiben gute Traditionen der Waldwirtschaft erhalten. Ein mächtig großes Holzrückepferd vom Hof "Rossnatour" aus Machtholsheim zog die Stämme nur so daher. "Der Einsatz eines Arbeitspferdes ist bei der Holzernte in gewissen Situationen sehr wohl berechtigt", konstatierte Forstwirtschaftsmeister Hans Lude aus Krebsstein, der die Verwendung der vierbeinigen Helfer aus eigener Praxis kennt. Pferdebesitzerin Christel Erz-Schnerring sieht beim Pferdeeinsatz optimistisch in die Zukunft. "Weil der Hufschlag den Herzschlag verändert", lautet ihr Credo.

In der Pädagogikscheuer gab's unter dem Motto "Naturschutz durch Forstwirtschaft" Informationen über Waldbiotope, naturnahe Waldbewirtschaftung und Baumarten. Auch über die Borkenkäferbekämpfung wurde aufgeklärt. Teils wurden moderne Methoden in die Museumsdidaktik eingebaut: Die Besucher durften beim Durchforstungsspiel in die Rolle eines Försters schlüpfen und entscheiden, welcher Baum gefällt werden muss.

Auch heute noch bietet der Wald Arbeitsplätze mit Zukunft. Das Berufsbild des Forstwirts wurde vorgestellt und hierbei auf das vielfältige Beschäftigungsfeld abgehoben. Eifrig demonstrierten die Auszubildenden ihr Können am Objekt, indem sie eine Holzbank vor den Augen der Zuschauer zimmerten.

Höchst vielseitig zeigten sich die Einsatzmöglichkeiten von Motorsägen: Selbst Bäume, Adler, Eule und Hahn wurden ausgesägt und als "Kettensägekunst" ausgestellt. Daneben verwies eine Motorsägenausstellung auf die technische Entwicklung der Nachkriegszeit. Sogar eine Zweimann-Motorsäge des Typs "Stihl KS 43" aus dem Jahr 1948 konnten die Besucher besichtigen.

"Holz zieht wieder an", umschrieb Jochen Baumgart von der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft in Stuttgart die Situation auf dem Holzmarkt. Und somit leider auch die Zahl der Arbeitsunfälle. Schon 16 Tote seien im laufenden Jahr in Baden-Württemberg zu beklagen gewesen. Mittels eines Spannungs- und eines Fällsimulators "schärften" die Fachleute der Berufsgenossenschaft deshalb den Sinn für die Unfallverhütung bei der Waldarbeit.

Auch für Kinder wurde einiges geboten: Unter dem Motto "Tipps für Kids" wurden eine Waldwerkstatt, ein Meterholzpuzzle und ein Pfad der Sinne angeboten. Unter Letzterem konnten an der Duftorgel mit der Nase die Düfte des Waldes erschnuppert oder auf dem Barfußpfad ein Waldspaziergang genossen werden.

Ein besonderes "Halali" wurde den Gästen zuteil: Die Bläsergruppe der Jägervereinigung Nürtingen ergänzte die fachkundigen Ausführungen der Jäger zum Waidwerk mit klingenden Jagdsignalen und Märschen. Neben diesem kulturellen Genuss wurde am Informationsstand fachkundig auf kulinarische Schmankerln mit heimischem Wild hingewiesen. Der Eintrag in eine eigens ausgelegte Liste ermöglichte es Interessenten, den Kontakt mit örtlichen Jägern zum Kauf von frischem Wildfleisch herzustellen.

Groß war die die Zahl der anwesenden Hunderassen. Für die ausgebildeten Jagdhunde wurde eine Schweißfährte gelegt, um angeschossene Tiere auffinden zu können. Auch das Apportieren beherrschten die Hunde offenkundig recht gut.

Der Aktionstag rund ums Holz zeigte sich als eine rundum gelungene Veranstaltung, gegen deren Aufnahme ins jährliche Museumsprogramm die Besucher sicher nichts einzuwenden hätten.