Lokales

"Hallo Asa, kannst du mich auch wirklich gut hören?"

Keine Frage, das gute alte Telefon hat noch lange nicht ausgedient, allerdings erfreut sich die Bildübermittlung mit Hilfe des Internets zunehmender Beliebtheit. So hat die Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule (Kaufmännische Schule) in Kirchheim eine neue Technik der Internet-Nutzung für sich entdeckt: Das Video-Konferenz-System, mit dessen Hilfe es möglich ist, dass mehrere voneinander räumlich getrennte Personen direkt in Wort und Bild kommunizieren.

KIRCHHEIM Nach mehreren erfolgreichen Testläufen konnte das neue Video-Konferenz-System nun auch ganz offiziell seiner Bestimmung übergeben werden. Hierzu hatte die Schule Dekan Hartmut Ellinger, den Vorsitzenden der Ficker-Stiftung, in die Schule eingeladen. Die Stiftung hatte das Ansinnen der Schöllkopf-Schule, ein derartiges System einzurichten, mit einer großzügigen Spende unterstützt. Rosemarie Klett-Doering, Oberstudienrätin am Wirtschaftsgymnasium, hatte ihre Kollegin Asa Malmström, Lehrerin am schwedischen Hammar-Gymnasium in Sandviken während einer Lehrerfortbildungsveranstaltung auf europäischer Ebene kennen gelernt. Dort war die Idee geboren worden: "Wir wollen ein gemeinsames Projekt unserer beiden Schulen mit Hilfe von Video-Konferenzen ins Leben rufen."

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Dabei sollen die Schüler des Wirtschaftsgymnasiums die Sprechfertigkeit in der Fremdsprache trainieren und festigen können. Vereinbart wurde, dass die schwedischen Schüler der Oberstufe in deutscher Sprache, die deutschen Schüler in englischer Sprache sprechen sollen. Dieses soll in Echtzeit-Konferenzen mit Hilfe von Kamera, Mikrofon, Projektor und einem leistungsfähigen "Gateway" vonstatten gehen, der die Verbindung der beiden Partnerschulen gewährleistet. Weitere pädagogischen Ziele der beiden Lehrkräfte waren und sind die Stärkung der Medienkompetenz. Schließlich ist es bei den Meetings der Schüler vor der Kamera immer wieder eine Herausforderung, frei und möglichst ungezwungen das Gespräch mit den Partnern auf der anderen Seite der Leitung aufzunehmen. Ein weiterer Effekt ist die Vertiefung von fachlichen Themen aus dem Unterricht, da sich die Schüler auf zuvor festgelegte Themen vorbereiten müssen, die sie in der Video-Konferenz vortragen und in der Diskussion dann in Rede und Antwort belegen können. Schließlich ist es Ziel, die persönlichen Kontakte zwischen den Schülern auszubauen, die dann über das Gespräch während der Konferenzen hinausgehen. So ist bereits ein Schüleraustausch zwischen den beiden Schulen im Rahmen der bisherigen Konferenzen angedacht worden. "Die Sache steht und fällt mit der geeigneten Technik." Mit diesem Grundsatz machte sich Oberstudienrat Werner Zeh, Multimedia-Berater an der Schöllkopf-Schule, auf die Suche nach geeigneter Hard- und Software. Dabei musste er feststellen, dass ein zuverlässiges System mit ordentlicher Audio- und Videoqualität Kosten verursachen würde, die aus dem laufenden Schulbudget wohl kaum zu decken sind. Der Traum einer weiteren internationalen Partnerschaft der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule schien also sehr schnell ausgeträumt zu sein.

Umso erfreulicher nahm es die Lehrerschaft dann auf, als Schulleiter Norbert Häuser verkünden konnte, dass die Otto-und-Eugen-Ficker-Stiftung im Rahmen der Projektförderung 2004 dieses Vorhaben in großzügiger Weise finanziell unterstützen würde. Als aktuelles Thema für die Präsentation mit Dekan Ellinger waren für die Schüler beider Schulen die Themen Alkoholkonsum, Drogen, Autofahren, Freizeitaktivitäten und Jugendkultur ausgewählt worden. Nach einführenden Statements kam es zur regen Diskussion über die unterschiedlichen Einschätzungen in beiden Ländern.

So wurde beispielsweise festgestellt, dass man in Schweden Jugendlichen gegenüber beim Rauchen und beim Thema Alkoholkonsum restriktiver ist als bei uns. In Schweden dürfen die Jugendlichen erst mit 18 Jahren Alkoholika kaufen, Hochprozentiges gar erst mit 21. Nach anfänglicher Zurückhaltung gelang es den Schülern, in ein ungezwungenes und offenes Gespräch zu kommen unabhängig von den vorbereiteten "Spickzetteln".

In manchen Phasen der Gateway war an diesem Tag nicht immer stabil war es dann auch erforderlich nachzufragen: "Kannst du mich auch wirklich gut hören, Asa?" Dekan Ellinger konnte sich davon überzeugen, dass Schüler und Lehrkräfte der Schöllkopf-Schule die Chance eines neuen pädagogischen Konzepts mit beiden Händen ergriffen hatten, dieses mit viel Engagement umgesetzt und damit ein Ergebnis von hoher erzieherischer Qualität erzielt hatten. "Diese Vergabe finanzieller Mittel hat sich wunderbar gelohnt", lautete das Resümee des Vorsitzenden der Ficker-Stiftung.

nh