Lokales

HaLT nach „kurz vor knapp“

23 Jugendliche nahmen nach Alkoholvergiftung Modellprojekt wahr

Vor einem Jahr startete auch im Landkreis Esslingen das Bundesmodellprojekt HaLT (Hart am Limit – Halt sagen und Halt geben). Es richtet sich an Jugendliche, die nach exzessivem Alkoholkonsum mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden, und an ihre meist sehr besorgten Eltern. 23 betroffene Jugendliche fanden Halt bei HaLT.

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Kreis Esslingen. Das Thema ist hochaktuell, steigende Zahlen bei den Notaufnahmen sind bundesweiter Trend. Im Jahr 2008 wurde die Jugend- und Drogenberatung von den Kliniken nach einer Schweigepflichtentbindung über 28 betroffene Jugendliche informiert. Sie waren vorwiegend in der Kreisklinik Nürtingen, dem Städtischen Klinikum Esslingen und der Filderklinik aufgenommen worden. Ihnen wurde ein sogenanntes Brückengespräch gemeinsam mit ihren Eltern angeboten. Mit 23 Jugendlichen und ihren Eltern kamen Gespräche zustande. In vier Risiko-Checks als Gruppenangebote konnten sich die Jugendlichen damit auseinandersetzen, wie es zu ihrer Alkoholvergiftung gekommen ist und welche Rolle die Clique dabei gespielt hat.

Jugendliche berichten immer wieder sichtbar betroffen von der Aussage des Notarztes, dass es „kurz vor knapp“ war und sie eine halbe Stunde später vielleicht schon tot gewesen wären. Ein Krankenhausaufenthalt in Folge einer Alkoholvergiftung ist eine lebensbedrohliche Situation, „kein Spaß“ – darin waren sich alle Jugendlichen einig. Während des Risiko-Checks setzen sie sich mit Risiko, Grenzen und selbstverantwortlichem Umgang mit Alkohol auseinander. Sie entwickeln eigene „Notfallmaßnahmen“ zum Nein-Sagen oder rechtzeitigen Stoppen vor einer eigenen Gefährdung. Jugendliche in diesem Alter experimentieren, sie gehen an die Grenzen, testen sich aus und müssen dabei aber lernen, Risiken richtig einzuschätzen.

Die Jugendlichen, mit denen im Rahmen des Projektes ein Kontakt gelungen ist, kommen aus allen Schularten, sind zwischen 13 und 17 Jahren alt und überwiegend männlich. Die meisten waren zum ersten Mal mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus und bestätigten, dass ihnen die Lebensgefahr zuvor nicht bewusst war. Alle Jugendlichen hatten ausnahmslos Spirituosen getrunken, zusammen mit Freunden und meistens im Freien. Das Jugendschutzgesetz verbietet zwar den Verkauf von Spirituosen an Minderjährige, trotzdem sind sie das vorrangig konsumierte Getränk, oftmals von Älteren „besorgt“.

Das HaLT-Projekt wird in enger Kooperation mit allen sechs Kliniken im Landkreis umgesetzt. Es gibt eine enge Zusammenarbeit mit den Psychologischen Beratungsstellen und Sozialen Diensten für den Fall, dass bei den Gesprächen mit den Jugendlichen und ihren Eltern Unterstützungs- und Hilfebedarf über die Möglichkeiten der Jugend- und Drogenberatung hinaus deutlich wird. Finanziell wird das Projekt unterstützt von der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen.

Weitere Informationen zum Projekt HaLT: Landratsamt Esslingen, Suchtprophylaxe, 07 11/39 02-25 71, und Jugend- und Drogenberatung, 0 70 21/97 04 30, E-Mail: heinze@drogenberatung-kirchheim.de. la