Lokales

Harte "Kopfnüsse" für die sechs "Auserwählten"

2002 gegründet, ist gestern auf dem Kirchheimer Marktplatz bereits zum fünften Mal die Narrentaufe der "Kirchheimer Kloster-Deifel" schrill und bunt über die Bühne gegangen. Rund 100 Hästräger aus Nah und Fern sowie ein närrisches Publikum haben die Aufnahme der sechs Täuflinge in die Zunft verfolgt.

RICHARD UMSTADT

Anzeige

KIRCHHEIM Pünktlich zum Beginn der schwäbisch-alemannischen Fasnet entschlüpfte er wieder seiner Zunftkiste und scharte seine Höllenbrut um sich der Kirchheimer Kloster-Deifel. Ober-Deifel Oliver Thaler eröffnete unter dem Beifall von rund 100 Hästrägern aus Notzingen, Lenningen, Esslingen, dem Schurwald, Lorch, Vaihingen und Baden-Baden sowie des närrischen Publikums die Fasnet 2006 in der Teckstadt. Für die deftig-schrille musikalische Unterstützung sorgten die "Rommdreibr", eine Guggamusikgruppe aus Rechberghausen in bunten Kostümen, deren Motto: "Freude am Lärmen" so richtig in die Fasnetszeit passt.

Zunftmeister Oliver Thaler erinnerte nach der traditionellen Zeremonie des "Häs abstauba" mit Klobürste, Flederwisch und Staubwedel sowie des "Häs abnehma" an die Geschichte der Narrenzunft, deren Ursprünge auf die Legende vom Teufel zurückgeht, der im Kirchheimer Kloster die Nonnen verführt haben soll, die zur Strafe in Esslingen die Armen und Siechen pflegen mussten.

Überhaupt zeigten die Kirchheimer Narren Geschichtsbewusstsein, denn die mit Spannung erwartete teuflische Prozedur der Narrentaufe entpuppte sich als lokalhistorischer Quiz. So kamen die Höllenqualen, die die sechs "Auserwählten" der jüngste war drei Jahre alt über sich ergehen lassen mussten, nicht in Form von ekligem "Krötenschleim", "Soichbriah" und "Ochsenblut" daher. Es galt diesmal auch nicht, im unappetitlich Drüben zu fischen, sondern vielmehr "Kopfnüsse" zu knacken. Zeremonienmeisterin Karin ("Das Grauen hat einen Namen") wartete unter dem Motto "Was wisst ihr über Kirchheim?" mit so richtig fiesen Fragen für die Täuflinge auf: "Was hat der Ausruf 'Oh, heilix Blechle' mit Kirchheim zu tun?" und "Wie heißt unsere Oberbürgermeisterin?" und "Welch weltweit einmaliges Denkmal besitzt Kirchheim und wem ist es gewidmet?" oder "Wann ist im Jahr 2037 Fasnet?" und zu guter letzt "Wo taucht der Begriff Narr in der Bibel auf?" So mancher Täufling musste passen oder war auf Teufels Hilfe angewiesen. Dies tat der Stimmung jedoch keinen Abbruch. Was so ein richtiger Narr ist, der freut sich auch, wenn er nichts weiß. Schließlich mussten die sechs Auserwählten noch im Verband mit den Rewä-Hexen Untergruppenbach, den Schurwaldtrollen, den Lenninger Hexen, den Esslinger Zwiebelgoscha und Panre Hexen, sowie den Vaihinger Nesbach Hexen, den Baden-Badener Haimbach-Fröschen und den Notzinger Köhlermännle und Franzosen Stecherinnen den ersten Kirchheimer Narrenumzug bestreiten, bevor sie in ihrem neuen "Deifel-Häs" auf der Bühne zum finalen Ritual erscheinen durften. Umgeben von ihren "Kloster-Deifel"-Brüder und Schwestern wurde ihnen für die zunfteigene Gendatei eine Haarsträhne abgesäbelt und die frische Schnittstelle mit schäumendem Sekt übergossen. Nach dem Zunftschwur erhielten die neuen "Deifel" ihre Larven. Bernd, 3, und Sonja, 5, müssen darauf allerdings noch einige närrische Jahre warten. Erst ab dem zwölften Lebensjahr dürfen sie sich die Teufelsfratze vors Gesicht ziehen. Doch den Zunftschrei "Kloster-Deifel" beherrschen sie bereits jetzt.

Mit der Narrentaufe war für die Kirchheimer Zunft das närrische Treiben am gestrigen Dreikönigs-Tag noch lange nicht beendet. Sie zogen ein Dorf weiter und unterstützten die frisch gebackene Notzinger Narrenzunft "Gesinde Schleichingen" und deren Zunftmeister Volker Bossert. Die über 60 Mitglieder von "Gesinde Schleichingen" mit den historischen Figuren "Franzosenstecherin" und "Köhlermännle" feierten gestern auf dem Notzinger Kelterplatz ihre erste öffentliche Narrentaufe und das anschließende Fasneteinläuten im "Lamm".

Fotos: Gerald Prießnitz