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"Hat nichts mit Solidarität zu tun"

Den Vorschlag der SPD-Fraktion im Landtag, Junglehrern das Einstiegsgehalt zu kürzen, um mit dem gesparten Geld zusätzliche Lehrer einzustellen, halten die Referendare am Lehrerseminar in Zell für "unausgegoren" und "völlig verfehlt". Besonders verwundert sind sie darüber, dass der Vorschlag ausgerechnet von der SPD kommt.

GESA VON LEESEN

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KREIS ESSLINGEN Rund 250 Referendare besuchen derzeit das "Staatliche Seminar für Didaktik und Lehrerbildung" in Esslingen. Sie alle wollen demnächst an Gymnasien unterrichten, ihr Einstiegsgehalt beläuft sich dann auf 37 450 Euro im Jahr. Nach dem Willen der SPD-Landtagsfraktion sollen sie bald nur noch 32 850 Euro bekommen. Bei den Lehrern an anderen Schularten will die Fraktion das Einstiegsgehalt von 32 850 Euro auf 30 600 Euro kürzen. Die SPD spricht von einem "Solidarbeitrag". Das empört Tobias Beck. Der angehende Mathematik- und Physiklehrer hat nichts gegen Solidarität: "Aber gerade Lehrer verzichten schon auf viel." So seien Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld gekürzt, beziehungsweise gestrichen und die Wochenstunden ständig erhöht worden. Alice Buchte (Kunst und Sport) findet es pervers, von außen Solidarität aufgedrückt zu bekommen: "Da fühle ich mich beleidigt." Für Jonathan Post (Englisch und Erdkunde) haben geringere Einstiegsgehälter nichts mit Solidarität zu tun: "Es ist absurd, bei der Bildung zu kürzen. Das ist die einzige Ressource, die wir in Deutschland haben. Wenn Geld benötigt wird, sollen sie woanders ran." Zum Beispiel? "Bei Stuttgart 21."

Dietrich Ottenhaus (Mathematik und Physik) kommt aus der Industrie und sieht ein weiteres Problem: "Ich weiß, was ein Lehrer heutzutage leisten muss in Bezug auf Unterricht, Management und Verantwortung. Und ich weiß, was ein Ingenieur zu bringen hat. Die Belastung eines Lehrers ist höher. Wenn man da das Gehalt kürzt, wird der Beruf für Naturwissenschaftler noch unattraktiver. Aber gerade naturwissenschaftliche Lehrer werden dringend benötigt." Auch Lucie Falk (Mathemathik und Deutsch) sieht das so: "Ich sehe viel Idealismus bei Lehrern. Aber wenn man sich den Beruf nicht mehr leisten kann, hilft der irgendwann auch nicht mehr weiter."

Der Berufswunsch Lehrer dürfe nicht gedrosselt werden, sagt die Direktorin des Seminars, Erika Hahn. Denn: "Uns fehlen derzeit Lehrer, nicht Stellen. Im vergangenen Jahr haben mich mehr als 50 Rektoren von Schulen angerufen und nach Lehrern gefragt. Doch alle Referendare hatten schon Stellen."