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"Hatte Homer eine Karte?"

KIRCHHEIM Um 20 Uhr beginnt am Freitag, 11. März, im Spitalkeller der Kirchheimer Volkshochschule ein vielversprechender Abend mit Professor Dr. Armin Wolf in Kirchheimer bestens eingeführt durch "Konrad von Teck König für einen Tag". Zum einen liegen die Fakten, von denen auszugehen ist, mehr als 2800 Jahre zurück, zum anderen ist die Sache höchst aktuell vor dem Hintergrund des Streits der Tübinger Professoren Korfmann und Kolb über die Ausdeutung der derzeitigen Grabungsergebnisse in Troja.

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Professor Wolf spricht zum Thema "Odysseus in Italien oder: Hatte Homer eine Karte?" Wie einst Heinrich Schliemann vor rund 135 Jahren Homers Text wörtlich genommen und danach Troja gesucht und gefunden hat, so hat auch Armin Wolf den Text der Odyssee nicht als "Unsterbliches Schiffermärchen" sondern als einen an realen Gegebenheiten des Mittelmeerraumes ausgerichteten Reisebericht gelesen. In den Augen strenger Philologen ist das ein Sakrileg, das Ergebnis bestätigt aber den Forscher Wolf. Dem Meisterwerk der Weltliteratur, Homers Odyssee, wird dadurch kein Abbruch getan, es wird nur zusätzlich als Geschichtsquelle für die frühe griechische Westkolonisation im 8. Jahrhundert vor Christus nutzbar.

Mehr als 80 Autoren haben in den vergangenen Jahrhunderten an oft mehr oder weniger zufällige Beobachtungen anknüpfend versucht, den Weg des Odysseus von Troja zurück ins Land der Väter, nach Ithaka, zu rekonstruieren. Überzeugt hat keine dieser Arbeiten. Wolf hat keinen weiteren derartigen Versuch unternommen, er hat vielmehr auf Grund einer anderen Methode zunächst die Reiseberichte in der Odyssee Abschnitt für Abschnitt nach den Angaben über Zeit, Wind und Himmelsrichtung erfasst und in einem geometrischen System erfasst. Das so gewonnene Schema hat er dann auf eine Landkarte des Mittelmeers übertragen. Dabei hat Professor Wolf zusammen mit seinem Bruder ein Problem gelöst: Der vorletzte Weg des Odysseus führte über Land und nicht über das Meer.

Die Erkenntnisse aus den Forschungen Wolfs, der die Routen zum Teil selbst mit einem Ferseh-Team von "Terra-X" auf einem Segelboot abgefahren hat, zeigen, dass es sich bei der Odyssee um eine Reise um Sizilien und über Calabrien handelt, womit zugleich die ältesten Zeugnisse für die Geschichte Tunesiens, Maltas und vor allem Siziliens vorliegen. Das Buch "Die wirkliche Reise des Odysseus" liegt inzwischen in dritter leider vergriffenen Auflage vor. Der Vortrag am kommenden Freitag verspricht den Besuchern einige überraschende Erkenntnisse.

pm