Lokales

Hauptangeklagter muss elf Jahre hinter Gitter

Wegen versuchten heimtückischen Mordes in zwei Fällen, gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr und Herbeiführen eines Unglücksfalles muss ein Kaufmann, der in Gerlingen eine Diskothek betreibt, elf Jahre hinter Gitter.

DENKENDORF Die Stuttgarter Schwurgerichtskammer verurteilte zudem dessen Schwager, zwei Kellner aus Hochberg und seine Ehefrau als Helfer zu Haftstrafen zwischen zwei und acht Jahren. Der Disko-Besitzer hatte auf der Straße bei Denkendorf mit zehn Schüssen einen Konkurrenten beseitigen wollen. Acht Jahre Haft verhängte das Schwurgericht gegen den Schwager, einen 36-jährigen Türsteher aus Gerlingen, der die Schüsse abgab, viereinhalb Jahre setzte es gegen den zweiten Helfer, einen 33-jährigen Speditions-Lagermeister, und sieben Jahre muss der dritte Komplize, ein 34-jähriger Lackierer, hinter Gitter. Die Ehefrau des Diskothekenbesitzers kam wegen Beihilfe mit einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren davon.

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Über zwei Monate lang verhandelte das Gericht, ehe es am gestrigen Mittwoch zu den Feststellungen eines "versuchten Mordes aus niederen Beweggründen, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Herbeiführung eines Unglücksfalles" kam. Dabei kam nach Abschluss der Beweisaufnahme, bei der über 30 Zeugen gehört wurden, heraus, dass der Hauptangeklagte im Oktober letzten Jahres mit seiner Diskothek in finanzielle Schwierigkeiten geriet, nachdem sein Konkurrent dort eine fingierte Bombendrohung machte und deshalb alle Gäste mitten in der Nacht in Sicherheit gebracht werden mussten. Allein dafür habe er Rache gegen den Konkurrenten, der ebenfalls eine Diskothek betreibt, geschworen, Rache, bei der der Tod inbegriffen war, so die richterlichen Feststellungen.

Der Plan, den Konkurrenten zu beseitigen, wurde nach mehreren Fehlschlägen dann in der Nacht zum 16. November letzten Jahres in die Tat umgesetzt. Man mietete sich einen Geländewagen mit einem Heckfenster, welches extra von innen hochzuklappen ist. Der 37-Jährige besorgte sich zwei Pistolen, übergab diese seinem Mitfahrer. Nach Observierung wurde der Golf verfolgt und im Bereich Körschtal mit hoher Geschwindigkeit überholt. Danach krachten die zehn Schüsse, abgegeben vom geöffneten Heckfenster des Touareg. Und dann entwickelte sich eine filmreife Flucht über Feldwege und Äcker, wobei bis jetzt die Schüsse nur die Windschutzscheibe und Teile des Fahrzeugs beschädigt hatten. Das Ziel des Hauptangeklagten sei es gewesen, so das Gericht, per "Fangschuss" den Konkurrenten zu töten. Doch die Fahrerin des Golf konnte entkommen, zudem hinderte die Dunkelheit die Täter. Der geplante Mord war fehlgeschlagen.

Waffen und Kleidung hatten die Angeklagten bei Aldingen weggeworfen. Erst sieben Wochen später konnte die Ludwigsburger Mordkommission die Angeklagten in Besigheim, Gerlingen und Schwieberdingen festnehmen, da die Ermittlungen sehr lange dauerten. Sie hatten vor Gericht jegliche Mordabsicht bestritten und ausgesagt, man habe nur einen Denkzettel verabreichen wollen. Dies aber nahmen ihnen die Richter nicht ab.

wic