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"Hauptschule muss keine Sackgasse sein"

Wie gut ist die Hauptschule und welche Zukunft haben Hauptschüler? Drei gelungene Beispiele von Förderung und Integration wurden in der Grund- und Hauptschule in Wolfschlugen vorgestellt. Kultusministerium, Regierungspräsidium und das Amt für Schule im Landratsamt hatten zu der gemeinsamen Veranstaltung eingeladen.

UWE GOTTWALD

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WOLFSCHLUGEN Landrat Heinz Eininger, Vertreter der Schulbehörden sowie der Wirtschaft stellten sich der Diskussion um Zukunftschancen für Hauptschüler. Ein Fazit: Passgenaue Lösungen und ideenreiche Angebote können die Hauptschule stärken, doch ist auch eine Aufstockung der finanziellen Ressourcen notwendig. "Die Hauptschule nicht schlecht reden" war das Credo Helga Willers', Schulamtsleiterin im Landratsamt, ebenso wie von Christa Engemann, Ministerialrätin im Kultusministerium, und Bernd Eisele, Abteilungsdirktor im Regierungspräsidium als Vertreter der Landesschulbehörde.

Die Hauptschule nicht schlecht geredet hat auch Landrat Eininger, er zitierte lieber die entsprechende Berichterstattung in den Medien. Von ungenügenden Voraussetzungen vieler Hauptschüler war die Rede, von einer Fehleinschätzung ihrer Möglichkeiten, auch von fehlender Motivation, Chancen am Schopfe zu packen. Unverblümter sagte es Herbert Zimmer, Ausbildungsleiter bei den Index-Werken Esslingen: "Wir müssen nach den Noten schauen, da sieht es nicht gut aus, doch stellen wir auch zunehmend einen enormen Mangel an Einsatzbereitschaft fest."

Dass Hauptschüler auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt schnell ins Hintertreffen geraten, zeigt Zimmers Zahlenbeispiel: "Von unseren 130 Auszubildenden kommen nur zehn Prozent von der Hauptschule, und von denen schaffen wiederum dreiviertel die Berufsschule nicht ohne Nachhilfe." Bei hohem Konkurrenzdruck brauche man umso bessere Facharbeiter.

Um Schüler an das geforderte Niveau heranzubringen, müssten Hauptschulen eigenständige Profile entwickeln, so Ministerialrätin Engemann. Mit den neuen Bildungsplänen sei man auf einem guten Weg. Wie das aussehen kann, zeigten drei Schulbeispiele aus dem Landkreis Esslingen. Mit ihrer Sprachwerkstatt hat sich die Schillerschule Esslingen einen Namen gemacht. Beim Deutschen Hauptschulpreis, jährlich ausgelobt vom Arbeitgeber-Gesamtverband und Stiftungen und verliehen vom Bundespräsidenten, errang sie in der Kategorie "Integrationsprojekte" bereits den ersten Preis. Wegen eines hohen Anteils an Schülern mit nichtdeutscher Herkunft war man zielgerichtet mit verschiedenen Angeboten das Problem von Sprachdefiziten angegangen. Unterstützt wurde das Kollegium durch Ehrenamtliche und durch eine Gruppe von Studierenden der Esslinger Fachhochschule für Sozialwesen.

Externe Partner zu suchen, um Förderangebote zu machen, ist für Schulamtsleiterin Willers wie auch für Landrat Eininger ein gangbarer Weg und wird auch von den Schulbehörden befürwortet. Eininger sieht gerade nach der vollzogenen Verwaltungsreform, im Zuge derer die unteren Schulbehörden in die Landratsämter eingegliedert wurden, gute Voraussetzungen: "Der Landkreis ist Träger verschiedenster Einrichtungen der Jugend- und Berufshilfe, was die Möglichkeit zu Synergieeffekten eröffnet."

Zwei weitere Beispiele aus dem Kreis stehen für Kooperation. Die Hauptschule Seefälle in Filderstadt-Bonlanden hat sich "handlungsorientiertes Lernen mit außerschulischen Partnern" auf die Fahnen geschrieben und macht zum Beispiel mit der Musikschule Angebote, die über den Schulstoff hinausgehen. Persönlichkeitsbildung und Stärkung des Selbstvertrauens sind Ziele von kreativen Angeboten, Tugenden, die bei vielen Jugendlichen mit zum Teil schwierigem sozialen Hintergrund zu kurz kämen.

Eine gezielte Berufswegeförderung hat sich die Burgschule in Esslingen zum Prinzip gemacht. Auch ihr kommen ehrenamtliche Unterstützer zugute. Kompetente Ruheständler, zum Teil ehemalige Geschäftsführer und Personalchefs, bieten Bewerbungstraining an. Darüber hinaus wird mit Profis zusammengearbeitet, wenn es um die Vermittlung in Praktika und die Begleitung der Jugendlichen bei der Berufserkundung geht.

Aber auch das wurde in Wolfschlugen deutlich: In vielen, auch in den dargestelten Fällen, steht und fällt der Erfolg mit der ehrenamtlichen und der finanziellen Unterstützung, seien es EU-Mittel oder Zuschüsse von Bund und Land. Im Auditorium hatten viele Schulleiter die Diskussion mitverfolgt, und unisono war herauszuhören, man sei mit den personellen Ressourcen permanent an der Grenze.

Auch Landrat Eininger sieht das Problem: So kritisierte er es nochmals als Fehler des Landes, bei der Sprachförderung Abstriche zu machen, zumal damit viel ehrenamtliches Engagement aufs Spiel gesetzt wird. Dennoch richtete er den Blick nach vorn.

Der "Runde Tisch" zur Ausbildungsförderung im Landkreis lenke dieses Jahr noch mehr das Augenmerk auf Hauptschulen, außerdem lobe der Landkreis einen Wettbewerb aus: "Wir prämieren Schulen, die innovative Wege gehen, Schüler auf die Berufswelt vorzubereiten. Abschließend ermunterte der Landrat: In unserem beruflichen Schulwesen sind aufbauend auf die Hauptschule Abschlüsse bis hin zum Abitur möglich, deshalb muss Hauptschule keine Sackgasse sein."