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Hautnah zwischen Haifischen rund um die berühmte "Schatzinsel"

KIRCHHEIM Wer an den Gestaden der geruhsamen Kirchheimer Bürgerseen lebt, gilt dadurch nicht unbedingt automatisch als potenzieller Wunschkandidat, wenn es da-

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WOLF-DIETER TRUPPAT

rum geht, einem auf Unterwasserszenarien spezialisierten professionellen Naturfilmer bei einem Filmprojekt von ARTE, WDR und 3 SAT "etwas zur Hand" zu gehen.

Was bei der ungewöhnlichen Zusammenarbeit des in Kirchheim lebenden Hobbytauchers Oliver Jungbauer und Filmprofi Rolf J. Möltgen herauskam, kann sich zweifellos sehen lassen. Der faszinierende Film "Der Berg der Haie" wird am heutigen Mittwoch, 9. Januar, von 19 bis 19.45 Uhr auf "ARTE" ausgestrahlt. Wiederholt wird der Beitrag mit dem Untertitel "Rolf J. Möltgen besucht die Kokosinsel vor der Küste Costa Ricas, Nationalpark und Weltkulturerbe der UNESCO" auf demselben Kanal am Mittwoch, 16. Januar, von 16.50 bis 17.35 Uhr. Auch andere Sender haben bereits Interesse an diesem farbenfrohen Unterwasserspektakel signalisiert, genaue Sendetermine sind aber derzeit noch nicht bekannt.

Die Zusammenarbeit von Oliver Jungbauer und dem bekannten Naturfilmer aus Bonn ergab sich dabei eigentlich ganz zufällig. Gemeinsam mit Ehefrau Anja, die seine Leidenschaft für das Tauchen teilt, lernte Oliver Jungbauer bei einem Tauchurlaub auf Costa Rica den berühmten Naturfilm-Perfektionisten von "Wildlife-Documentary" mit Sitz in Bonn kennen.

Die offensichtlich für beide Seiten interessante und nachwirkende Begegnung hatte Folgen. Bei der Vorbereitung seines neuesten Filmprojekts über die Coco-Islands, deren berühmtester Küstenabschnitt aus "Jurassic Park" bekannt ist, erinnerte sich der Dokumentarfilmer an das sympathische Ehepaar aus Kirchheim. Er rief daher in Kirchheim an und fragte, ob die beiden nicht Lust hätten, mit ihm zusammenzuarbeiten.

Eine so einmalige Gelegenheit lässt man sich natürlich nicht entgehen, wenn man schon seit Jahren mit großer Begeisterung unter Wasser unterwegs ist, die dabei entstandenen Aufnahmen und Erlebnisse ins Internet gestellt und die handwerklich perfekt gestalteten "Urlaubsfilme für Freunde und Bekannte" dezent mit passender Musik unterlegt hat. Dass sie bei ihrer ersten anstehenden Arbeit mit professionellem Hintergrund einige Strapazen auf sich nehmen müssen, war den beiden Kirchheimern klar.

Nach dem Flug nach Costa Rica, der je nach Verbindung stolze 16 Stunden dauern kann, mussten sie schließlich weiter zu dem immerhin 36 Bootsstunden entfernten Naturparadies, das im 18. Jahrhundert den englischen Schriftsteller Robert Louis Stevenson zu seinem berühmten Roman "Die Schatzinsel" inspiriert hatte.

In Begleitung eines ausgewiesenen Experten, der schon seit über 30 Jahren unter und über Wasser Dokumentarfilme gedreht hat, konnten sie ihr einstiges "Urlaubsparadies" bei ihren beiden Arbeitseinsätzen aber noch viel intensiver kennenlernen, als das auf eigene Faust überhaupt möglich gewesen wäre.

Ein Vergnügen waren die beiden jeweils rund zwei Wochen währenden Drehtermine vor Ort ganz gewiss nicht, aber ein Erlebnis, das Anja und Oliver Jungbauer mit unbezahlbaren Eindrücken und Erfahrungen für alles entlohnte, was sie selbst an Zeit und Arbeit investieren mussten.

Begonnen hatte ihre Leidenschaft für den Tauchsport ganz klassisch: Beim Schnorcheln in Ägypten. Diverse Tauchkurse folgten und mit der ausgeliehenen Unterwasserkamera von Tauchlehrer Michael Booms begann sehr schnell auch die Leidenschaft für das Filmen unter Wasser.

Was mit "Best of Seen" begann und sich von Boden- und Epple- alphabetisch bis zu Walchen- und Wammsee durch heimische Gewässer vortastete, entwickelte zugleich auch internationale Dimensionen, die die leidenschaftlichen Taucher vom Mittelmeer ins Rote Meers führten, bevor sie die schönsten Taucherparadiese der Karibik, der Südsee und zuletzt auch im Pazifik besuchten.

Mit der Leidenschaft für das faszinierende Hobby Tauchen wuchs auch die "Leidensbereitschaft", filmtechnisch immer wieder nachzurüsten. Während die ersten privaten Begegnungen mit der faszinierenden Unterwasserwelt Costa Ricas noch auf DVD gebrannt sind, wurde bei der Arbeit mit Filmemacher Rolf J. Möltgen natürlich mit hochauflösender HDV-Technik gearbeitet.

Faszinierend und völlig anders als sein bisheriger Umgang mit der Unterwasserkamera war für Oliver Jungbauer, dass nicht mehr einfach "gefilmt wurde, was vorbeikommt." Die gut aufeinander eingespielten Taucher gingen vielmehr konsequent auf Suche nach genau den Szenen, die unbedingt im Film sein müssen wobei sie dabei nicht unbedingt immer sofort erfolgreich waren . . .

Oliver Jungbauer wurde bei der hautnahen Zusammenarbeit auch bewusst, welchen enormen Aufwand Naturfilmer betreiben, um den "richtigen Schuss" zu erwischen, und wie kritisch und konsequent sie bei der Auswahl des Materials umgehen, das irgendwann die Geschichte des fertigen Films tragen wird. An einen Berufswechsel denkt der gelernte Diplomverwaltungswirt nach den gemachten Erfahrungen jedenfalls nicht. Naturfilmer zu sein, wäre für ihn "nicht vorstellbar".

Eine höchst interessante Erfahrung war für ihn der Einsatz eines U-Boots, das sonst kommerziell genutzt wird, um den Tiefseegraben rund um den "Berg der Haie" zu erforschen. Bis auf dreihundert Meter Tiefe drang Ralf J. Möltgen dabei vor. Diese von Oliver Jungbauer einmal nicht inmitten von Haien "schwebend" gedrehten Szenen werden Filmfans sicher sofort an einige Anfangseinstellungen aus "Titanic" erinnern.

Die von Robert Louis Stevenson unsterblich gemachte "Schatzinsel" Coco Island ist mit nur 25 Quadratkilometern die größte unbewohnte Regenwaldinsel der Welt. Millionenwerte aus Piratenzeiten sollen dort noch auf ihre Entdecker warten. Als Nationalpark und Weltkulturerbe der UNESCO wird die von undurchdringlichem Dschungel geprägte Insel mit ihren zahlreichen Bächen, Wasserläufen und Schluchten und einer einzigartigen Flora und Fauna von Rangern aber streng bewacht.

Die wahren Schätze von Coco-Island liegen aber unter der Wasseroberfläche. Die einmalige und daher weltberühmte Unterwasserwelt ist nicht nur ein Tummelplatz für Hammer-, Riff- und Hochseehaie, sondern auch ein ungemein interessantes Terrain für Naturfilmer und Kirchheimer Hobbytaucher.

Dass er der völlig überraschenden Anfrage von Rolf J. Möltgen im Jahr 2006 sofort zugesagt hatte, haben Anja und Oliver Jungbauer bis heute nicht bereut. Sie konnten viel von seinem Fachwissen über die Unterwasserwelt lernen, aber für die Zukunft auch von seinen fundierten Kenntnissen über das Filmhandwerk profitieren.

Wer beim Flug in den Tauchurlaub seine luftdichte Unterwasserkamera einfach ins Gepäckfach legt, kann möglicherweise vor Ort angekommen die teure Erfahrung machen, dass der Druck im Flugzeug das wertvolle Stück noch vor dem ersten Einsatz unter Wasser zerstört hat. Wer dagegen die Dichtringe vor dem Start in den Urlaub entfernt, kann sicher sein, dass er sich auf sein teuer erkauftes Handwerkszeug auch an den entferntesten Orten verlassen kann, um unvergessene Bilder mit nach Hause zu bringen.