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"Hauxapfel" und "Liebensteiner" für die Nachwelt erhalten

Der neu erstellte Obstsortenlehrpfad in Schlierbach entlang der Bünzwanger Straße ist am Samstag seiner Bestimmung übergeben worden. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde und dem Landkreis Göppingen hat der Obst- und Gartenbauverein Schlierbach einen vorbildlichen Lehrpfad erstellt, der einen Teil alter Kernobstsorten für die Nachwelt erhalten soll.

RAINER STEPHAN

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SCHLIERBACH Streuobstwiesen bestimmen das Bild der Schlierbacher Gemarkung. Neben der Bereicherung des Landschaftsbildes sind diese Flächen auch wichtige ökologische Lebensbereiche und Rückzugsgebiete für viele Tierarten. Außerdem liefern sie wertvolle Früchte für Säfte, Most und Brennereien.

Dem gesellschaftlichen Konsens für das weitere Vorhandensein der Streuobstwiesen steht jedoch die zunehmende Gefährdung dieser für das Voralbgebiet so typischen Landschaft entgegen. Diese Problematik hat die Gemeinde Schlierbach bewogen, in den vergangenen Jahren entlang der Feldwege vermehrt Obstbäume zu setzen auch zur Schärfung des Bewusstseins in der Bevölkerung.

"Der Obstsortenlehrpfad war anfangs gar nicht geplant", konstatierte Bürgermeister Paul Schmid, als er die zahlreichen Gäste bei der Einweihungsfeier begrüßte. Ihm sei nach seinem Eintreffen in Schlierbach Ende der achtziger Jahre lediglich aufgefallen, dass an den Ortseingängen Bäume fehlten. Als sich zuletzt die Einrichtung eines Lehrpfads herauskristallisiert habe, wären auch im Gemeinderat alle "Feuer und Flamme" gewesen. Da der Obst- und Gartenbauverein dieses Jahr sein 100-jähriges Jubiläum begehe, sei die Eröffnung des Pfads eine schöne Jubiläumsgabe. "Wir sind auf Ihren Sachverstand angewiesen, alleine schaffen wir das nicht", appellierte der Schultes abschließend an den Verein.

Der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins, Peter Rapp, wies darauf hin, dass das Projekt im Jahr 1999 konkret ins Leben gerufen wurde und der Fachberater für Obst- und Gartenbau das Vorhaben stets tatkräftig unterstützt habe. Auch er selber sei als Vereinsmitglied erst Zug um Zug in die Materie hineingewachsen. Anfangs habe er nur "Veredlungsstellen verschmieren dürfen". Sein spezieller Dank galt dem Schlierbacher Bauhof für die mannigfaltige Unterstützung bei der Realisierung der Anlage.

"Das Thema alte Obstsorten ist sehr aktuell", betonte Peter Düngen, Fachberater für Obst- und Gartenbau beim Landratsamt Göppingen. Er hob hervor, dass die Vielfalt der Sorten im Streuobstbau diesen vom Erwerbsobstbau unterscheide. Jede Obstsorte, die verschwinde, bedeute eine Verarmung der Kulturlandschaft. Es gelte daher, alte Obstsorten als ländliches Kulturgut zu bewahren und wieder vermehrt zu verbreiten unter anderem durch die Abgabe von Veredlungsreisern vom Obstsortenlehrpfad. So stelle der Lehrpfad auch ein Genreservoir dar. Düngens Credo lautete: "Nicht nur lamentieren, sondern aktiv was tun". Peter Düngen hob hervor, dass beim Schlierbacher Lehrpfad alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Entwicklung vorlägen. Die Fläche befinde sich im Gemeindebesitz und die Gemeinde stehe ideell voll hinter der Anlage. Zudem sei der Pfad gut begehbar und die dauerhafte Pflege durch den Obst- und Gartenbauverein gesichert.

Beim anschließenden Rundgang konnten reichlich Bäume mit alten Apfel- und Birnensorten entdeckt werden. Auf kleinen Hinweisschildern befinden sich Name und Besonderheiten der jeweiligen Obstsorte. Der fachkundige Obstprofi gab auf Fragen gerne Auskunft und erwähnte noch, dass viele alte Obstsorten im Handel nicht mehr erhältlich sind. Daher würden Stammbildner gesetzt und nach fünf Jahren entsprechend veredelt.

Zum "Hauxapfel" führte Peter Düngen aus, dass diese Sorte von einem Baumwart namens Haux aus Jebenhausen gezüchtet wurde. Haux zeichne auch für die Entwicklung des "Liebensteiners" verantwortlich. Die Birnensorte "Luxemburger" könne wegen ihres hohen Gerbstoffgehalts bei der Mostherstellung nur zum Verschneiden verwendet werden. Eine Hocketse bei der Luisenhöhe ließ die gelungene Übergabe des schönen Kleinods ausklingen.