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Heimisches Kulturpotenzial eindrucksvoll demonstriert



WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Mit dem Schwerpunktthema "Ort / Orte" stand im Ausstellungsbereich ein ganz besonders engagiertes Projekt auf dem Programm, bei dem die Galerie im Kornhaus vor allem als zentrale Anlaufstelle und gleichzeitig auch dazu diente, Kunst in die Vororte und damit direkt zu den Menschen zu bringen. Susanne Jakob äußerte sich sehr erfreut darüber, dass es dank des vom Kirchheimer Ratsgremium um 13 800 Euro erhöhten Budgets tatsächlich gelungen war, auch international renommierte Künstler nach Kirchheim zu bekommen.



Neben einer Installation von Mark Formanek, einer Performance von Volker Illi und Nikola Lutz und schließlich Arbeiten zum Thema Fotografie von David Graeter und schließlich auch Ute Weiss Leder hatten nicht zuletzt auch Eva Hertzsch und Alan Page mit ihrem im Kornhaus eingerichteten Planungsbüro die städtische Galerie weit über Kirchheim hinaus bekannt gemacht. Mit einem durchschnittlichen Besuch von 20 Personen pro Ausstellungstag war die Galerie im Erdgeschoss des Kornhauses fast genau so stark nachgefragt, wie die vier im ersten Obergeschoss des städtischen Museums angebotenen Ausstellungen, bei denen im Schnitt 25 Besucher pro Ausstellungstag gezählt werden konnten.



Publikumsrenner waren dabei die Bereiche Malerei, Installation und Fotografie abdeckende "Kunst Regional 2003", gefolgt von den der Malerei gewidmeten Ausstellungen von Hartmut Landauer und zum Thema Expressiver Realismus. Bei der vierten Ausstellung im Obergeschoss des Kornhauses standen Till Ansgar Bumhauer und seine Installationen im Mittelpunkt. Keinen Zweifel ließ Susanne Jakob darüber aufkommen, dass sich Kirchheim mit solchen Besucherzahlen pro Ausstellungstag durchaus mit Stuttgart messen könne.



Ganz besonders groß ist auch weiterhin das Publikumsinteresse an den Kulturring-Veranstaltungen. Vor allem im Theater wird die Auslastungsgrenze immer wieder erreicht, wenn nicht gar überschritten und auch im Konzertbereich ist das Pub-likumsinteresse unverändert hoch, was Werte der durchschnittlichen Auslastung mit 96,6 Prozent im Theater- und 95,5 Prozent im Konzertbereich mehr als eindrucksvoll belegen.



Brechend voll war es im Konzertbereich beispielsweise bei der "Schubertiade" im Rundsaal des Schlosses und auch beim "Preisträgerkonzert Kallenberg / Gulden". In der Stadthalle wurden vor allem beim Gastspiel der "Stuttgarter Philharmoniker" und des "Bruckner Sinfonieorchesters" die Plätze knapp. Sehr gut nachgefragt wurde auch der passend im Kuppelzelt angebotene "Karneval der Tiere".



Die größte Nachfrage im Theaterbereich war im vergangenen Jahr bei "König Ödipus" zu verzeichnen, womit Sophokles es tatsächlich schaffte, in der Reihe des Kirchheimer Theaterabonnements Produktionen wie "Commedian Harmonists" und "Die Niebelungen" auf die Plätze zu verweisen. Deutlich über der 90-Prozent-Marke bewegten sich aber auch Stücke wie Molieres "Der Geizige", Shakespeares "Maß für Maß", das Stück "Drei Mal Leben" oder Goldo-nis "Der Lügner".



Die vertraglich festgelegte Zahl der Veranstaltungen im Konzert- und Theaterbereich konnte im Berichtszeitraum damit eingehalten beziehungsweise sogar übertroffen werden. Während im Konzertbereich eine Zwei-Drittel-Finanzierung durch die Besucher gewährleistet ist, kann das wegen der vergleichsweise hohen Gagen im Theaterbereich nicht erreicht werden. Dennoch liegen die Eigeneinnahmen über dem gewährten Zuschuss, betonte Gerhard Fink.



Trotz einer moderaten Erhöhung würden die Preise in Kirchheim von den Besuchern noch immer als günstig empfunden, wobei ihm wichtig war, zu betonen, dass hier keinesfalls "unnötig etwas verschenkt" werde, sondern die Preisgestaltung vielmehr aus der guten Auslastung resultiere. Da "fast unter Voll-Last-Verhältnissen" kalkuliert werden könne und auch der Werbeaufwand relativ gering sei, wäre es immer wieder auch möglich, das Risiko besonderer Veranstaltungen zu tragen, wie der Musiktage "Tasta-Tour" im laufenden Jahr oder des im Rahmen des erfolgreichen Kirchheimer Zelt-Festivals 2003 angebotenen "Karneval der Tiere", bei dem in einer aufwendigen Präsentation des heimischen Kultur-Potenzials vor 1 100 Besuchern ein farbenprächtiges, tänzerisch und musikalisch hochwertiges Ereignis stattfinden konnte.



Gute Nachrichten hatte Gerhard Fink schließlich auch noch vom Kirchheimer Schloss zu vermelden, dessen Kapelle auch außerhalb der Musiktage "Tasta-Tour" künftig noch stärker genutzt werden soll. Nachdem der Konzertflügel optimiert wurde, stehen inzwischen im Schloss auch 200 Plastikschalen-Stühle zur Verfügung, die Besuchern und Veranstaltern gleichermaßen deutlich bessere Bedingungen bei Veranstaltungen im Schlosshof garantieren können.

Eines der ganz besonders herausragenden Ereignisse des vergangenen Jahres war sicherlich der im Rahmen des Kirchheimer Zelt-Festivals vor 1 100 Besuchern präsentierte und tänzerisch wie musikalisch gleichermaßen beeindruckende "Karneval der Tiere" .

Foto: Jean-Luc Jacques