Lokales

"Heimtückischer Mordversuch"

Wegen versuchten heimtückischen Mordes aus niederen Beweggründen müssen sich seit gestern vor dem Stuttgarter Schwurgericht ein 37-jähriger Diskothekenbetreiber aus Schwieberdingen, seine Ehefrau und sein Schwager sowie zwei Kellner verantworten.

BERND S. WINCKLER

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DENKENDORF In dem Verfahren geht es um zehn Schüsse gegen das fahrende Auto eines konkurrierenden Diskothekenbesitzers in der Nacht zum 17. November letzten Jahres, auf der Landstraße zwischen Denkendorf und Deizisau (Körschtal), die der Hauptangeklagte angezettelt haben soll.

Die Anklage gegen den Geschäftsführer und drei Mitbeschuldigte lautet auf "versuchten heimtückischen Mordes aus niederen Beweggründen, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, illegaler Waffenbesitz". Die Ehefrau ist wegen Beihilfe zu diesen Taten mitangeklagt.

Laut Anklage soll an jenem 17. November letzten Jahres folgendes geschehen sein: Der 37-Jährige habe mit einem gemieteten VW-Touareg-Geländewagen in der Tatnacht zunächst in Esslingen auf der Lauer gelegen. Zwei seiner Mitangeklagten hatten dann gemäß seinem Auftrag den Besitzer einer Stuttgarter Diskothek und dessen Schwester "observiert", als diese gegen 2.30 Uhr das Lokal in ihrem Golf verließen und Richtung Deizisau nach Hause fuhren. Per Handy soll der ständige Standort des Fahrzeugs an den Hauptangeklagten durchgegeben worden sein.

Dieser sei dann eine viertel Stunde später losgefahren und habe das Fahrzeug des Konkurrenten auf der Landstraße L 1204 bei Denkendorf plötzlich überholt und ausgebremst. Danach habe gemäß den Anweisungen des Fahrers einer seiner maskierten Helfer das Heckfenster des Geländewagens geöffnet und mit einer Langlauf-Pistole insgesamt zehn Schüsse auf die Insassen des Golf abgegeben. Wie durch ein Wunder blieben die Insassen unverletzt, wobei allerdings der Kühler, die Seitenwand und die Windschutzscheibe zerstört wurden. Nach dieser Attacke soll der Hauptangeklagte einem seiner Freunde eine zweite Pistole zugeworfen haben, mit dem Ziel, jetzt dem Konkurrenten in dem gestoppten Golf den "Fangschuss" zu geben. Dazu kam es allerdings nicht mehr, weil die Schwester des Opfers das Fahrzeug schnell wendete und über einen Feldweg flüchten konnte. Der 37-Jährige selbst habe dann den geplanten Mord aufgegeben und soll die Tatwaffe zerlegt an einem Waldstück weggeworfen haben.

Rund sieben Wochen lang ermittelten die Stuttgarter und Esslinger Mordkommissionen nach den möglichen Tätern. Da die Hintergründe damals noch unklar waren, sah es zunächst so aus, als ob ausländische Schutzgelderpresser am Werke waren. Doch am 21. Dezember letzten Jahres klickten dann in den Privathäusern der Angeklagten in Schwieberdingen und Gerlingen die Handschellen. Lediglich die 34-jährige Ehefrau des Hauptbeschuldigten ist auf freiem Fuß, da sie laut Anklage nur an den mündlichen Vorbereitungen des Mordplanes mitgewirkt habe.

Der wahre Grund der geplanten Tötung soll der Konkurrenzneid gewesen sein, meint die Stuttgarter Staatsanwaltschaft. Der Hauptangeklagte betrieb bis zur Festnahme eine Diskothek im Gerlinger Gewerbegebiet. Eine zweite Diskothek habe er inzwischen verkauft, sagt er vor Gericht. Geschäftsführer eines dritten Unternehmens sei er seit 2001. Das Opfer betrieb ein Lokal in der Stuttgarter Innenstadt. Die Mitangeklagten sollen in den Lokalen teilweise als Kellner und Hausmeister mitgeholfen haben. Bei dem 34-jährigen Schwager des Hauptangeklagten fand die Polizei bei der Festnahme in dessen Wohnung noch einen Bargeldbetrag von 27 000 Euro. Ob es sich um Drogengeld oder einen Betrag aus anderen Straftaten handelt, soll der Prozess, zu dem weit über 40 Zeugen geladen sind, erhellen. Die Schwurgerichtskammer hat Verhandlungstermine bis Mitte November geplant.