Lokales

Heiraten im Schloss

In Kirchheim kann die standesamtliche Trauung ab sofort in ganz besonderem Rahmen erfolgen

Märchenhochzeiten sind in. Kein Ort passt daher fürs Ja-Wort besser als ein Schloss. Die Traumhochzeit im schmucken Schloss ist ab sofort in Kirchheim möglich: Der ansprechende Rundsaal im zweiten Obergeschoss wird bei Bedarf zum festlichen Trausaal herausgeputzt.

Der als Rundsaal bekannte Achtecksaal im Kirchheimer Schloss ist wahrlich zu schade für Unterrichtsbetrieb. Er bietet ab sofort
Der als Rundsaal bekannte Achtecksaal im Kirchheimer Schloss ist wahrlich zu schade für Unterrichtsbetrieb. Er bietet ab sofort die perfekte Kulisse für eine Märchenhochzeit.Fotomontage: Jean-Luc Jacques

Irene Strifler

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Kirchheim. „Dieser Rundsaal im Schloss, das mitten in der Stadt liegt – das ist wirklich etwas ganz Besonderes, und wir haben schon lange darüber nachgedacht, hier Trauungen zu ermöglichen“, sagt Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker. Bei Janna Almeida, der Leiterin der Schlossverwaltung Bebenhausen, der auch das Kirchheimer Schloss untersteht, rannte sie mit diesem Ansinnen offene Türen ein: „Wir wurden in letzter Zeit überhäuft mit Anfragen von Paaren, die im Kirchheimer Schloss standesamtlich heiraten wollten“, erzählt sie. Feiern ist im Schloss längst möglich, und auch kirchliche Hochzeiten gingen in der Schlosskapelle bereits über die Bühne. „Wir haben derzeit jährlich an die 40 Hochzeitsfeiern in der Kapelle“, berichtet Janna Almeida. Wer dort zum Zuge kommen will, muss daher beizeiten die Organisationsfäden ziehen.

Bei den standesamtlichen Trauungen im Schloss haben dagegen auch Kurzentschlossene noch eine Chance, zumindest in diesem Jahr. „Es muss sich erst rumsprechen, dass wir nun außer dem schönen Trauzimmer im Rathaus auch das Schloss für Trauungen anbieten“, meint Standesamtsleiter Jochen Schilling. Sechs Samstage hat er für 2013 schon mal vorgemerkt, an jedem stehen fünf Termine zur Verfügung. Den Service der Samstagstrauungen bietet das Kirchheimer Team schon seit 1998 an und ist damit den Standesämtern im Kreis voraus.

Das gilt auch für die Öffnung des Schlosses für Hochzeiten: Außer dem Schloss Ludwigsburg gibt es weit und breit keine Möglichkeit zur Märchenhochzeit im waschechten Schlossambiente. In Kirchheim soll dieses Angebot den Kirchheimern vorbehalten bleiben: „Heiratstourismus ist nicht unser Ziel“, macht Jochen Schilling klar. „Wir schwimmen nicht auf der Event-Welle“, schließt sich die Stadtchefin an und betont als Juristin einerseits und als langjährige Ehefrau andrerseits: „Die Trauung hat schließlich eine sehr große Bedeutung, und zwar nicht nur rechtlich.“

Deshalb ist für die Kirchheimer Verwaltung klar, dass eine Hochzeit einen würdigen Rahmen braucht. Der Rundsaal wird selbstverständlich nicht nur mit weißen Stuhlhussen aufgepeppt, sondern auch mit Blumen geschmückt. „Wir sind gerade dabei, einen Empire-Schreibtisch aus der Villa Reitzenstein samt passender Sitzbank zu erneuern“, freut sich Janna Almeida über weitere Ausstattungselemente für die einst „gute Stube“ im Schloss. Leider ist für die Trau-Samstage jeweils ein Umbau erforderlich, denn der Saal dient unter der Woche als Klassenzimmer. Bekanntlich logiert das Pädagogische Fachseminar im Schloss, und Platzmangel ist dort ein Dauerthema.

Umso zufriedener ist man, das Juwel Schloss nun doch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen zu können. „Wir sind sehr daran interessiert, die Landesgeschichte erlebbar zu machen“, betont Almeida. Gleichzeitig sind die Einnahmen aus dem Veranstaltungsbetrieb ein Beitrag zum Erhalt der historischen Gebäude. Natürlich müssen auch die Brautpaare für ihre Prinzenhochzeit mehr berappen. Die Zusatzkosten für die Trauung im Schloss summieren sich immerhin auf über 400 Euro. Dafür drängt auch die Zeit nicht, denn der Hochzeitsturnus ist so berechnet, dass noch Zeit bleibt, um vor Ort mit Sekt anzustoßen. Bei entsprechendem Interesse kann auch eine Führung für die Gesellschaft angeschlossen werden, eventuell gefolgt von der Fete ebenfalls im Schloss. Interessant dürfte der Rundsaal vor allem für Paare sein, die viele Gäste zur standesamtlichen Trauung einladen. 60 Menschen finden problemlos auf Stühlen Platz, dazu gibt es 40 Stehplätze. Mit diesen Dimensionen kann das Trauzimmer im Rathaus nicht mithalten.

Wie viel der rund 200 Trauungen, die in Kirchheim jährlich zelebriert werden, künftig im Rundsaal abgehalten werden, wird die Zukunft zeigen. Jochen Schilling, der nun schon seit über 20 Jahren Heiratswillige zu Eheleuten macht, wartet den möglichen Ansturm gelassen ab. Einmal hat sich das Schloss als Kulisse aber schon bestens bewährt: Im vergangenen Jahr fand dort schon eine Trauung statt – ausnahmsweise vollzogen von der Oberbürgermeisterin.

Sechs Hochzeitssamstage soll es im Kirchheimer Schloss im Jahr 2013 geben: der 11. Mai, der 8. Juni, der 13. Juli, der 14. September, der 12. Oktober und der 14. Dezember. Noch sind an jedem Termin Trauungen möglich.