Lokales

Heizkosten für Gewächshäuser sind enorm gestiegen

Wer sich zurzeit einen knackigen Salat gönnt, muss ganz schön in die Tasche greifen. Auch bei einigen Gemüsesorten wie beispielsweise Blumenkohl oder Gurken schaut der Verbraucher recht verdutzt auf die Preisschilder.

IRIS HÄFNER

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KIRCHHEIM Der Schuldige für die hohen Preise bei Gemüse und Salat ist schnell ausgemacht: der lang anhaltende Winter. Dabei sind die Preise in dieser Woche dank der frühlingshaften Temperaturen schon wieder gesunken. "Vergangene Woche kostete die Kiste Kopfsalat noch 17 Euro, am Montag musste ich dafür noch 10 Euro bezahlen", sagt Güzel Uvacen von der Firma Luchs in Kirchheim. Verärgerte Kunden muss er auf dem Kirchheimer Wochenmarkt jedoch nicht beruhigen. "Die Leute wissen dank der Berichte im Fernsehen oder der Zeitung, dass wir für die hohen Preise nichts können", sagt der Gemüsehändler.

Der Preis für Ackersalat hat sich beispielsweise innerhalb von zwei Wochen verdoppelt und auch Chinakohl hat um 30 Prozent zugelegt. Bei der Gärtnerei Haußmann in Unterensingen, die regelmäßig auf dem Kirchheimer Wochenmarkt ihre Ware anbietet, haben sich auf Grund der Witterung zahlreiche Arbeiten verzögert. Wegen der hohen Schneedecke konnte der Ackersalat nicht gepflückt werden. Auch wenn jetzt die weiße Pracht der Vergangenheit angehört, so muss der Boden erstmal trocknen, um Arbeiten auf dem Feld verrichten zu können. In den Vorjahren pflanzte und säte die Gärtnerei um diese Zeit schon Frühkartoffeln, Salat, Gelbe Rüben, Zwiebeln oder Lauch. "Das wird diesen Monat nichts mehr", befürchtet der Gärtner, blickt jedoch positiv in die Zukunft: "Das ist noch jedes Jahr gegangen."

Viele der Händler geben die hohen Preise nicht weiter, verkaufen also um den Einkaufspreis. "Die Kunden sind nicht bereit, über zwei Euro für einen Salat zu bezahlen", so Güzel Uvacen. Auch Petra Grosch von Kraut und Rüben in Notzingen verkauft zurzeit beispielsweise den Endiviensalat ohne Gewinnspanne. Eissalat hat sie schon gar nicht in der Auslage, weil ihrer Ansicht nach der Preis in keinem Verhältnis zur Qualität steht. Sie kauft ihre Ware hauptsächlich direkt vom Erzeuger. "Somit haben wir keinen Zwischenhandel", sagt die Inhaberin.

Der Salat ist deshalb so teuer, weil um diese Zeit normalerweise die Produzenten auf der Insel Reichenau ihre Waren auf den Markt bringen können. Die französischen Gärtner haben sich auf diese Situation eingestellt und deshalb keine Köpfe mehr für den deutschen Markt. "Sie haben dann versucht, schnell Setzlinge zu pflanzen. Deshalb gibt es zurzeit auch viele kleine Köpfe", erklärt Petra Grosch. Zudem ist in Südeuropa viel Gemüse erfroren.

Bei Obst sind die Preise dagegen stabil. Vieles kommt aus Lagerhaltung. Auch Gemüse aus Keller oder Kühlraum wie Kohl, Möhren oder Zwiebeln haben nicht oder nur kaum preislich zugelegt. Die Händler wundert daher, dass viele Kunden trotz der hohen Preise nicht auf einen grünen Salat verzichten wollen. Kraut- oder Möhrensalat würde die Verbraucher billiger kommen.

Die Blumenerzeuger haben mit ganz anderen Problemen zu kämpfen: Sie bleiben auf ihrer Ware sitzen. Über die Farbtupfer Primel und Stiefmütterchen freut sich zwar jeder auf dem Wochen- oder Supermarkt. Viele Käufer fanden die Frühjahrsblüher jedoch nicht, weil weder auf Gräbern und Balkon noch im Garten wegen der kalten Temperaturen gepflanzt werden konnte. "In den vergangenen Jahren hatten wir Mitte März schon alles verkauft", sagt Ernst Schäffer aus Köngen. Jetzt hat er praktisch noch alle Stiefmütterchen im Gewächshaus stehen, von den Primeln sind immerhin schon rund 30 Prozent verkauft. Der Gärtner hofft nun auf warme Temperaturen und das Ostergeschäft. Die nachfolgenden Kulturen sind ebenfalls 14 Tage im Verzug. "Der Februar war außergewöhnlich kalt, im Januar wäre mir der strenge Frost lieber gewesen", so Ernst Schäffer. Die Heizkosten für die Gewächshäuser sind in seinem Betrieb um über die Hälfte als in Durchschnittsjahren gestiegen.

Bruder Markus von der Evangelischen Bruderschaft Kecharismai (EBK) sieht die Sache dagegen entspannt. "Das ist eine Frage des Managements, wie man die Kulturen anlegt", sagt er. Primeln oder Stiefmütterchen für den Verkauf im Februar ziehen sei widernatürlich. Jeder Gärtner wisse um das Risiko und dieses Jahr sei der Ernstfall eingetreten. Die EBK kultiviert späte Sorten. "Die werden genau richtig für das Ostergeschäft", freut sich Bruder Markus. "Wenn jetzt wie angekündigt die warme Strömung kommt, treffen wir mit unserem Konzept ins Schwarze", so der Blumenmönch. Für den Wochenmarkt braucht er sowieso stabile Pflanzen. Primeln, die in warmen Gewächshäusern schnell hochgezogen werden, würden nach drei Stunden bei windigem Wetter auf dem Markt schnell die Blüten hängen lassen. Obwohl die Blumenmönche ihre Gewächshäuser lediglich frostfrei heizen, sind auch bei ihnen die Kosten hoch. "Die Qualität ist besser, die Pflanzen stehen stabiler", nennt Bruder Markus den Vorteil ihrer Produktionsweise. Auch aus ökologischer Sicht hält er dieses System für sinnvoll.