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Henzler Nummer eins in Spa


EBERHARD STRÄHLE

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SPA Obwohl Wolf Henzler im Training etwas "verwachst" hatte, zeigte er im Rennen eine Superleistung, gewann den Lauf souverän und gab den Konkurrenten die Gewissheit, dass der Gesamtsieg des Porsche-Supercups nicht ohne Grund nach Nürtingen gehört.


Wolf Henzler schien sich auf das Wetter des Freitags vor dem Rennen in Belgien zu verlassen. Es war trocken in der Gegend um Spa/Franchorchamps. Was war folgerichtig zu tun? Das Setup des Carrera wurde auf diese Wetterbedingungen eingestellt. Die gefahrenen Zeiten ließen auf ein Superrennen schließen. Der Samstag aber bescherte Henzler und dem Team von Horst Farnbacher die kleine Katastrophe. "Es regnete in Strömen und mein Timing stimmte nicht. Ich habe am Anfang des Qualifyings nicht heftig genug attackiert. Selbst mit einem Satz neuer Reifen änderte sich nichts, obgleich es wieder sehr stark zu regnen begann und mein Setup nicht darauf eingestellt war. Egal, ich werde vom fünften Platz aus angreifen", bilanzierte der Nürtinger sein Qualifikationstraining. Trainingsschnellster war mit 2:44.562 Minuten Andrea Montermini (Walter Lechner Racing School) vor seinem Teamkollegen Walter Lechner jr., Christian Menzel (Tolimit Motorsport), Patrick Huisman (DeWalt Racing) und Henzler (Infineon Team Farnbacher PZM).


Am Renntag kam es wiederum ganz anders als man dachte. Der Wettergott hatte nicht nur mit den vielen Tausend Formel-1-Zuschauern ein Einsehen, sondern auch mit Porsche-Supercuppiloten: Bilderbuchwetter und Sonnenschein herrschten im deutsch-belgischen Grenzgebiet um Malmédy. Henzler strahlte vor den zehn Rennrunden zu jeweils 6,963 Kilometern wieder Zuversicht aus.


Bereits am Start beschleunigte er den Niederländer Huisman aus, machte einen Platz gut. In der dritten Runde war der Kelberger Tolimit-Pilot Christian Menzel sein nächstes Opfer. Nur zwei Umläufe danach war der junge Österreicher Walter Lechner auch überholt und Henzler im Sandwich der Lechner-Buben eingeklemmt. Der Ex-Formel-1-Fahrer Andrea Montermini führte das Feld an, dicht gefolgt vom Nürtinger, dessen Cup-Carrera eindeutig die bessere Abstimmung hatte. Doch die Henzler-Mannschaft hatte in diesem Punkt gepokert. Während Huisman und Menzel etwas zurückfielen, startete Henzler auf Montermini seine Angriffe. Stoßstange an Stoßstange hetzten die beiden um den Kurs.


In der vorletzten Runde, so Henzler im Nachklapp, "musste ich alles auf eine Karte setzen, denn ich wusste ganz genau, Andrea war zu packen." Nach der mit Vollgas zu fahrenden Blanchimont-Kurve kamen beide gleichauf zur Bus-Stopp-Schikane, berührten sich leicht auf der Zielgeraden und Montermini durchfuhr als Erster die Spitzkehre in La Source. Henzler hing danach ganz dicht am Heck des Italieners. Bergauf durch die berühmte Mutkurve Eau Rouge ging's mit vollem Tempo. Ausgangs der Les Combes war Montermini geschlagen, als Henzler seine große Klasse zeigte und sich auf der Innenbahn durchsetzte.


Im weiteren Verlauf konnte sich der 29-jährige Diplombetriebswirt absetzen und ging mit 1,5 Sekunden Vorsprung durchs Ziel. Vor Glück strotzend, nahm Henzler die Glückwünsche des Teams entgegen: "Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Aber es war auch ein sehr schwieriges Rennen. Andrea Montermini war heute sehr stark und es war schwer, an ihm vorbeizukommen. Er fuhr aber eine sehr faire Kampflinie."


Nächstes Wochenende fährt Wolf Henzler wieder beim nationalen Carrera-Cup. Im holländischen Seebad Zandvoort möchte er sich, nach einer Nullrunde durch einen Reifenplatzer beim letzten Lauf in Oschersleben, wieder zurückmelden und versuchen, auch diesen Cup zu gewinnen.