Lokales

Herzogliches Gastspiel im Wald

Am 26. August feiert das Freiluft-Theaterprojekt „Vom Saukerle zum Prachtkerle“ in Kirchheim Premiere

Im internationalen Jahr der Wälder warten das Kreisforstamt und die Theaterspinnerei Frickenhausen mit einem außergewöhnlichen Projekt auf: einem Theaterspaziergang im Talwald. „Vom Saukerle zum Prachtkerle“ feiert am Freitag, 26. August, Premiere.

HerrenhŠusle bei den BŸrgerseen, Vorstellung des Theaterprojekts im Wald "Vom Saukerle zum Prachtkerle", Theaterspinnerei Fricke
HerrenhŠusle bei den BŸrgerseen, Vorstellung des Theaterprojekts im Wald "Vom Saukerle zum Prachtkerle", Theaterspinnerei Frickenhausen

Kirchheim. Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2011 zum internationalen Jahr der Wälder ausgerufen. „Im Landkreis bieten wir 40 Veranstaltungen in und um den Wald an“, informierte der Erste Landesbeamte Matthias Berg beim Pressegespräch im „Herrenhäusle“ bei den Kirchheimer Bürgerseen. Ziel sei, deutlich zu machen, was der Wald zu bieten habe, wie der Mensch mit und durch den Wald lebe. Ein Höhepunkt im „Waldfühlprogramm“ des Landkreises ist der Theaterspaziergang „Vom Saukerle zum Prachtkerle“ mit insgesamt neun Vorstellungen. Dafür hat das Kreisforstamt die Theaterspinnerei Frickenhausen ins Boot geholt. „Wir sind auf Leute gestoßen, die sehr aufgeschlossen und professionell sind“, lobte Berg die Zusammenarbeit mit Jens Nüßle, Marilena Pinetti und Stephan Hänlein.

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Dass gerade der Kirchheimer Talwald zum Schauplatz für das Theaterprojekt auserkoren wurde, hat triftige Gründe: „Das Herrenhäusle wird dieses Jahr 250 Jahre alt“, sagte Felix Reining, Leiter des Kreisforstamts – eine Tatsache, die erst seit Kurzem bekannt ist. „Man war immer davon ausgegangen, dass die Hütte später erbaut wurde.“, so Reining. Erst vergangenes Jahr brachte eine Untersuchung des Holzes zutage, dass das Häuschen bereits 1761 erbaut wurde – im Auftrag des Herzogs Karl-Eugen von Württemberg.

Eben jener ist auch die Hauptfigur des Theaterstücks „Vom Saukerle zum Prachtkerle“. „Von dem Herzog ist bekannt, dass er der Jagd zugetan war“, erläuterte Theaterleiter und Regisseur Jens Nüßle, der im Stück den jagenden Landesvater verkörpert. Dabei habe Carl-Eugen aber keineswegs nur die Vierbeiner im Visier gehabt, sondern vor allem auch die zweibeinigen Schönheiten. „Der Herzog soll eine dreistellige Zahl von unehelichen Kindern gehabt haben“, untermauerte Nüßle die Neigungen des Herrschers, der zudem als verschwenderisch und genusssüchtig galt – allerdings nur bis zu einem gewissen Wendepunkt in seinem Leben.

Zeuge dieses Wandels „vom Saukerle zum Prachtkerle“ können die Besucher des Theaterspaziergangs im Talwald werden. Als „Jagdgesellschaft“ erleben sie mit, wie der Herzog seinem Kammerherrn Baron von Leutrum (Matthias Jentsch) die Ehefrau ausspannt – Franziska von Hohenheim (Marilena Pinetti), deren Todestag sich 2011 übrigens zum 200. Mal jährt.

In dem Theaterstück steckt einiges an realer Geschichte. So haben der Herzog, der Baron und Franziska von Hohenheim wirklich gelebt. Und auch die Liaison zwischen Carl-Eugen von Württemberg und Franziska von Leutrum soll sich tatsächlich in Kirchheim angebahnt haben. „Wir halten uns im Stück aber nicht an die Historie, sondern verbiegen sie zu unserem Zweck“, betonte Jens Nüßle.

Ohnehin verbirgt sich hinter dem „Theaterspaziergang“ viel mehr, als sich dem Namen nach vermuten lässt. Nach einem Aperitif um 19.30 Uhr an der Fischerhütte der Bürgerseen geht es hinauf zum „Herrenhäusle“, wo das Schauspiel richtig startet. Reine Zuschauer sind die Besucher keineswegs: „Nur ausruhen ist nicht“, kündigte Jens Nüßle interaktive Elemente an. Auch ihrem Ruf als multimedialem Theater wollen die Frickenhäuser gerecht werden: Mitten im Wald sollen moderne Medien und Lichteffekte zum Zug kommen.

Für Authentizität sorgt darüber hinaus die Jagdhornbläsergruppe der Jägervereinigung Kirchheim. Sie begleitet das Theaterspektakel musikalisch. Nach rund eineinhalb Stunden Spiel- und Laufzeit können all diejenigen, die möchten, den Abend bei einem Jagdschmaus mit Kesselgulasch von Reh und Wildschwein

oder einer vegetarischen Variante ausklingen lassen. Das Essen muss separat gebucht und vorbestellt werden.

Ein großer Schirm im Wald garantiert, dass der Jagdschmaus auf jeden Fall im Trockenen stattfinden kann – denn aufgeführt wird das Stück auch bei Regen. „Wir spielen bei jedem Wetter, außer bei Sturm“, so Jens Nüßle. Forstamtsleiter Felix Reining betonte, dass die Gäste auf jeden Fall gutes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung tragen sollten. Geeignet ist der Theaterspaziergang übrigens auch für Rollstuhlfahrer.

Stückschreiber Stephan Hänlein zeigte sich begeistert über die Zusammenarbeit mit Landkreis und Forstamt: „Alle wollen das Gleiche. Da öffnen sich für uns etliche Türen.“ Der stellvertretende Landrat Matthias Berg bestätigte, dass seine Behörde normalerweise eher restriktiv mit Anfragen für Veranstaltungen im Wald umgehe: „Der Wert unberührter Natur ist unglaublich hoch“, sagte er. Da gebe es auch einen hohen Druck aus der Bevölkerung. Wie Felix Reining versicherte, ist die Theaterproduktion in enger Abstimmung mit dem Naturschutz geplant worden.

Sowohl finanziell als auch von der Arbeit her hat das Kreisforstamt viel investiert. „Der Theaterspaziergang ist der teuerste Punkt im Waldfühlprogramm“, so Reining. B

eispielsweise wurde das Herrenhäusle

für seinen großen Auftritt neu verputzt und hergerichtet. Auch Kirchheims Revierförster Daniel Rittler und seine Mitarbeiter hatten alle Hände voll zu tun. „Es gab einiges an Waldsicherungsarbeiten zu verrichten“, so Reining.

Auf das außergewöhnliche Spektakel sind offenbar schon zahlreiche Natur- und Theaterliebhaber gespannt. Zwar gibt es noch genügend Karten – „einige Vorstellungen sind aber schon ausgebucht“, sagte Marilena Pinetti von der Theaterspinnerei.

 

Karten gibt es bei der Theaterspinnerei unter der Telefonnummer 0 70 22/2 43 56 00 oder per E-Mail unter kartenbestellung@theaterspinnerei.de. Unter www.theaterspinnerei.de finden sich weitere Infos und die Termine.