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"Hier müssen sie sich bewegen"

"Jeder Mensch hat Potenziale. Die wollen wir hier herausfinden." Die Teamleiterin des Job Centers Esslingen, Regina Maleskat, ist überzeugt, dass mit dem Projekt "Move" im Beruflichen Ausbildungszentrum (BAZ) arbeitslose Jugendliche und langzeitarbeitslose Einwanderer Chancen haben, Arbeit zu finden.

GESA VON LEESEN

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ESSLINGEN Zumal die insgesamt 70 Frauen und Männer, die bei dem Projekt mitmachen, nun beste Räumlichkeiten haben: In der Haldenstraße in Oberesslingen wurde gestern der neue Standort des BAZ feierlich eröffnet. Dort finden sich eine Holz- und eine Metallwerkstatt, Räume, in denen genäht und gemalt werden kann und Unterrichtszimmer. "Move" steht für Motivation, Orientierung, Veränderung, Erfolg. "Damit signalisieren wir unseren Teilnehmern, dass sie kein fertiges Konzept vor die Nase gesetzt bekommen, dass sie abarbeiten müssen. Hier müssen sie sich bewegen", erklärt Christof Scherberger, einer der Trainer.

Das besondere an "Move", das vom Job Center finanziert wird, ist der individuelle Ansatz. Auf jeden der jungen Erwachsenen und Migranten wird persönlich eingegangen. "Jeder hat ein eigenes Programm", sagt Scherberger. "Manche gehen zwei Mal in der Woche zum Deutschkurs und zwei Mal in die Werkstätten. Andere sind fünf Tage die Woche hier, die nächsten drei, weil sie vielleicht noch einen Mini-Job haben oder zu Hause Kinder versorgen müssen." Probleme werden besprochen und man sucht Lösungen: "Wir arbeiten eng mit der Suchtberatung zusammen, beraten bei Schulden, oder versuchen ein junges Mädchen, das von seinem Elternhaus gehemmt wird, im jugendbetreuten Wohnen unterzubringen."

Die Trainer besuchen Teilnehmer, die den Weg ins BAZ nicht immer pünktlich finden, auch zu Hause, um die Lebensbedingungen kennenzulernen und um zu motivieren. Ziel ist, Perspektiven aufzuzeigen und Stärken zu fördern. Mancher macht hier seinen Hauptschulabschluss nach, andere passen ihre in Heimatländern erworbenen Qualifikationen den deutschen Bedingungen an. Am Ende steht die Hoffnung, die Teilnehmer, die alle Hartz-IV-Empfänger sind, in Ausbildung oder Arbeit vermitteln zu können.

Ehsanulla Azizi aus Afghanistan kann sich vorstellen, im Einzelhandel zu arbeiten. "Aber ich bin da ganz offen," sagt der 21-Jährige. Er ist seit Mitte Dezember dabei, an zwei Tagen in der Woche arbeitet er in den Werkstätten, an zwei Tagen hat er Deutsch und Mathe. Auch der Schulunterricht findet mit Dozenten der Volkshochschule statt.

"Die Kooperation mit der vhs ermöglicht erst die individuellen Programme", sagt Karin Käppel, Geschäftsführerin des Job Centers. Azizis Problem ist, dass er erst mit 20 seinen Hauptschulabschluss gemacht hat. "Da hat er es auf dem Ausbildungsmarkt schwer", weiß Käppel. Doch der junge Mann und sein Trainer Scherberger sind zuversichtlich, dass die zusätzlichen Qualifikationen, die Move vermittelt, greifen werden. Scherberger: "Dieser junge Mann wird das schaffen."