Lokales

High-Tech-Anlage

Einen Tag der Superlative feierte die Herma GmbH in Bonlanden: Der führende europäische Spezialist für Selbstklebetechnik hat die modernste Beschichtungsanlage der Welt für Haftmaterial in Betrieb genommen. Die 35 Millionen teure Investition ist das größte Einzelprojekt in der 102-jährigen Unternehmensgeschichte.

REGINA SCHULTZE

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FILDERSTADT Für die 100 Meter lange High-Tech-Maschine, die auf tausendstel Millimeter genau arbeitet, wurde in 14 Monaten eine zweistöckige Halle samt einem 28 Meter hohen Hochregallager gebaut. Um die Präzisionsmaschine hochzufahren, war auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger auf die Fildern gefahren. Er drückte den grünen Knopf, um die schon warmgelaufene Maschine auf Touren zu bringen. Schaffte die alte Maschine bislang maximal 800 Meter pro Minute, werden künftig 1100 Meter Papier pro Minute hauchdünn mit Klebstoff bestrichen. Getrocknet und geschnitten entstehen so die bekannten Klebeetiketten. Die hatte Oettinger als Neunjähriger kennengelernt: "Mit den Fotoecken haben wir Bilder halbwegs ordentlich in ein Album für die Pfadfinder eingeklebt." Er lobte die Mittelständler, die oft schneller und flexibler als Großkonzerne reagierten und effizient produzierten.

Oettinger schüttelte in der Maschinenhalle wohl jedem Arbeiter mit blauer Hose die Hand und ließ sich von den Geschäftsführern Sven Schneller und Thomas Baumgärtner die Anlage erklären, die üblicherweise von nur fünf Mitarbeitern betrieben wird. Die Zahlen sind beeindruckend: Das Papierlager fasst knapp 5800 Tonnen Material, was etwa 3000 Mittelklassewagen entspricht. Die zwei Meter breiten Rollen fahren automatisch zu der 700 Tonnen schweren Maschine, wo ein feiner Vorhang aus Klebstoff auf sie fällt.

Obwohl Herma schon ein Grundstück in Asien gekauft hatte, um den Markt dort zu erschließen, hat sich die Firma nicht zuletzt aus ökologischen Gründen für Filderstadt entschieden, sagte Geschäftsführer Baumgärtner. Der Bereich Haftmaterial wächst jährlich im zweistelligen Bereich und soll künftig jährlich um 15 Prozent zulegen. Bis Mitte des Jahres wird der Stammsitz in Stuttgart-Wangen aufgelöst. Die ersten der 197 Mitarbeiter sind vor Weihnachten umgezogen. Die Hälfte zieht zur künftigen Zentralverwaltung nach Bonlanden, die anderen nach Deizisau, wo der Bereich Etikettiermaschinen hinwandert.

"Ein großer Tag für Filderstadt", freute sich OB Gabriele Dönig-Poppensieker. Sie lobte den größten Arbeitgeber Filderstadts "als erstes Unternehmen in der Branche", das die Wärme aus den Trocknern rückgewinnt und so Energie spart. Bei ihr liegt schon der nächste Bauantrag: 2009 will Herma für zehn Millionen Euro einen neuen Schneide- und Verpackungsbereich in Bonlanden errichten. Insgesamt sollen 60 bis 70 neue Arbeitsplätze in Entwicklung, Produktion, Anwendungstechnik und Vertrieb entstehen. Die Unternehmensgruppe Herma GmbH erzielte im Geschäftsjahr 2006 in den drei Geschäftsbereichen Haftmaterial, Etiketten und Maschinen einen Umsatz von 200 Millionen Euro. Etwa 800 Mitarbeiter haben bislang an den Standorten Bonlanden, Deizisau und Wangen gearbeitet. Das Wangener Areal hat der Stuttgarter Bauträger Planbau Schwaben gekauft.