Lokales

Hilfe auch bei Schwierigkeiten im alltäglichen Leben

Die Drogenberatungsstelle befindet sich in einem Haus in der Kirchheimer Innenstadt in der Marktstraße 48. Dort ist die Anlaufstelle für Jugendliche, die Rat suchen und Hilfe brauchen. Wer freiwillig herkommt, muss nicht fürchten, dass Informationen an Eltern, Schule, Lehrstelle, Arbeitgeber, Gesundheitsamt oder gar an die Polizei weitergereicht werden.

KIRCHHEIM Elf Mädchen der Klasse 8b in der Hauptschule im Weilheimer Bildungszentrum Wühle besuchen die Jugend- und Drogenberatung in Kirchheim. Bevor Christiane Heinze, Mitarbeiterin der Beratungsstelle, auf die Fragen der Schülerinnen antwortet, gibt sie allgemeine Informationen über die Arbeit dieser Einrichtung. Alle, die dort arbeiten, unterliegen einer Schweigepflicht. Wichtig zu wissen ist, dass nach Möglichkeit nicht nur bei Drogenproblemen geholfen wird, sondern auch bei Schwierigkeiten im alltäglichen Leben. Jugendliche aber, die beim Drogenkonsum erwischt worden sind, können von der Polizei oder vom Gericht die Auflage bekommen, diese Stelle aufzusuchen. In solchen Fällen wird der regelmäßige Besuch zur Pflicht gemacht, denn ihnen soll ja geholfen werden.

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Echte Abhängige, die bereit sind, von ihrer Sucht loszukommen, können von einem Arzt Ersatzstoffe wie Methadon oder Polamedon bekommen. Voraussetzung aber ist, dass sie clean (drogenfrei) sind. In solchen Fällen hilft die Stelle bei der Vorbereitung auf eine sechs bis neun Monate dauernde stationäre Therapie. Dort ist man für diese Zeit zwar nicht eingesperrt, hat aber nur wenig Kontakt zur Außenwelt um Rückfälle zu vermeiden.

Am meisten werden in Deutschland Alkohol, Nikotin konsumiert. Das sind die so genannten "legalen" oder "weichen" Drogen. In der letzten Zeit haben sich die "Alcopops" weit verbreitet und sind vor allem bei Mädchen beliebt. Besonders gefährlich an den süßen Drinks ist, dass sie so gut schmecken, aber schleichend an den Alkohol gewöhnen.

Nach Zigaretten wird am meisten Cannabis geraucht. Der Haschischkonsum hat in den letzten Jahren immer mehr zugenommen. Heroin dagegen ist ein "sehr schnelles Suchtmittel" und führt unmittelbar in die Abhängigkeit. Aus einem anderen Blickwinkel aber zeigt sich, dass jährlich etwa 100 000 Menschen am Nikotinmissbrauch und etwa 40 000 am Alkoholmissbrauch sterben. Dagegen stehen "nur" 1 600 Herointote. Diese sind meist erst 18 bis 20 Jahre alt.

Alleine für sich beginnen Kinder oder Jugendliche nicht mit "Hasch" oder Alk". Der erste "Joint" wird zusammen mit Freunden oder in der Clique geraucht. Wenn dies aber zur Gewohnheit wird, verändern sich auch das Verhalten und die äußere Erscheinung. Auch die Einstellungen zu Eltern, Schule oder Beruf verändern sich. Eine intakte Familie oder eine gute Bezugsperson, der man alles anvertrauen kann, helfen gegen solch ein Abrutschen. Die Gefahr ist ja nicht nur die Sucht allein, sondern auch der Geldbedarf: Ein Gramm Heroin oder Kokain kostet 60 bis 80 Euro, eine Ecstasy-Tablette 10 bis 15 Euro. Süchtige kommen da ganz schnell an ihre Grenzen.

Zum Abschluss des Gesprächs weist Christiane Heinze noch auf die Möglichkeit hin, dass engagierte Schülerinnen oder Schüler an ihrer Schule gegen die Drogengefahr etwas tun können. Dazu gibt es ein dreitägiges "Seminar für Multiplikatoren". Drei aus der Gruppe sind auch gleich bereit, eine solche Ausbildung zu machen.

Klasse 8b

Grund- und Hauptschule Weilheim