Lokales

Hilfe durch Übernahme von Ausbildungs-Patenschaften

Bei im Lauf der Nacht sich unbarmherzig dem zweistelligen Bereich nähernden Minusgraden afrikanische Gefühle wecken zu wollen, ist zweifellos kein leichtes Unterfangen. Neben "Koose", "Nkatse Froe" und "Konto Mire" vervollständigten Reis und Yam-Wurzeln den Reigen geschickt eingesetzter kulinarischer Helfer, um beim Ghanaabend im Bohnauhaus die passenden "Bauchgefühle" aufkommen zu lassen.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Christine Helwerth-Rindle und Winfried Rindle informierten im Rahmen des Agroyesumtages 2006 im Bohnauhaus in Kirchheim umfassend über die vielfältigen Erkenntnisse und Impressionen, die sie während ihrer dreiwöchigen Supervisionsreise in den von Kirchheim aus finanziell unterstützten Gemeinden Keniago, Agroyesum und Manso Nkwanta im Ashanti-Gebiet im afrikanischen Ghana sammeln konnten.

Mit Bildern und vielfältigen Sachinformationen konnten sie die Mitglieder der katholischen Kirchengemeinden Maria Königin und Sankt Ulrich auf den neuesten Stand der mit Kirchenmitteln unterstützten Hilfsprojekte im fernen Ghana bringen und aufzeigen, welche Dinge schon abgeschlossen sind, wo es derzeit noch Probleme in der Abwicklung gibt oder immer wieder auch zeigen, wie wichtig die Spenden aus der Partnergemeinde in Kirchheim für jeden der dort lebenden und dringend auf eine Ausbildung angewiesenen Menschen sein kann.

Zuvor hatte aber die Küchencrew des Partnerschaftsausschusses das Sagen. Nach umfangreichen Einkäufen auf dem Stuttgarter Großmarkt kulminierten die lang anhaltenden Vorbereitungen in einem Menü, das nach Hühnersuppe und Bohnenbällchen mit einem Erdnuss-Gemüseeintopf mit Rind- und einem Spinateintopf mit Schweinefleisch von Reis und Yam-Wurzeln begleitete afrikanische Akzente setzte.

Afrikanisch geprägt war aber nicht nur die Speisekarte sondern auch der an das gemeinsame Essen sich anschließende Informationsteil. Trotz modernster Beamer-Technik kam keine europäische Hektik auf. Winfried Rindle, Konrektor an der Weilheimer Realschule und seiner Frau Christine Helwerth-Rindle, Geschäftsführerin des Weltladens in der Dettinger Straße 50 in Kirchheim, war es schließlich wichtig, eine Brücke zu schlagen zu diesem fernen Kontinent, den natürlich nicht alle Mitglieder der beiden Kirchengemeinden aus eigener Anschauung kennen.

Die gut zusammengestellte Dokumentation der Supervisionsreise verharrte daher immer wieder bei Gruppenaufnahmen mit aus vorausgegangenen Begegnungen in Kirchheim längst bekannten Gesichtern und rückte mit Geldern aus Kirchheim mitverantwortete Projekte ins Bild. Immer wieder wurden auch Menschen gezeigt, deren individuelles Schicksal durch gezielte finanzielle Zuwendungen maßgeblich beeinflusst und in die richtige Richtung gelenkt werden könnte, wenn sich die schon vorhandene Spendenbereitschaft noch weiter steigern und vielleicht künftig auch auf einen noch größeren Personenkreis ausdehnen ließe.

Wer keine Kirchenbauten oder Fahrzeuge für Geistliche finanziell unterstützen möchte, kann schließlich etwa mit der Übernahme der Ausbildungskosten eines Jugendlichen ganz konkret dazu beitragen, dass eines der vorgestellten Gemeindemitglieder trotz starker körperlicher Behinderung künftig den Lebensunterhalt selbst verdienen kann. Besonders schmerzlich wurden die Probleme von Buruli-Ulcer-Patienten geschildert, mit denen die Besucher bei einem Rundgang durch das katholische Hospital von Agroyesum konfrontiert wurden. Buruli-Ulcer ist ein heimtückisches entzündliches Hautgeschwür, das vor allem bei Kindern und Jugendlichen im Alter von acht bis sechzehn Jahren auftritt. Unbehandelt kann die Erkrankung zum Tod führen. Da keine wirksame Arznei bekannt ist, die die Krankheit heilen kann, hilft oft nur eine Amputation.

Dass von Kirchheim aus finanziell betreute Jugendliche inzwischen kleine Handwerkerstände erhalten haben und nach entsprechender Ausbildung als Schneider, Schreiner oder Schuhmacher arbeiten können, wurde aufgezeigt und noch einmal daran erinnert, welch großartiges Geschenk die Patenschaft für ein erkranktes Kind oder einen Jugendlichen in Ghana darstellen kann.

Schon 1995 wurde vom Partnerschaftsausschuss ein Fonds eingerichtet, aus dessen Mitteln schwer geschädigten Opfern dieser Krankheit bei Rehabilitationsmaßnahmen geholfen wird. Pro Person entstehen monatliche Kosten in Höhe von 15 Euro für Unterbringung, Verpflegung, Unterricht und medizinische Hilfe. Außerdem werden Aufklärungsmaßnahmen unterstützt und die Beschaffung von Prothesen.

Unter dem Stichwort "Buruli ulcer" ist bei der Kreissparkasse Esslingen (Bankleitzahl 611 500 20) ein Spendenkonto mit der Nummer 48 308 850 eingerichtet. Einmalige Spenden werden von den beiden katholischen Kirchengemeinden Maria Königin und Sankt Ulrich gerne an ihre jeweiligen Vertrauenspersonen vor Ort weitergeleitet. Gerne vermittelt werden aber auch individuelle Patenschaften, um mit der Übernahme der Ausbildungskosten den an den Folgen der überstandenen Buruli ulcer-Erkrankung leidenden Jugendlichen eine neue Chance zu geben. Neben von den Folgen der schrecklichen Krankheit gezeichneten Kindern wurde zum Abschluss auch ein Hoffnung weckendes Bild gezeigt. Der Schneider, der dort zu sehen war, wurde einst wegen seines amputierten Beines von der Familie verstoßen. Heute betreibt er einen Schneiderkiosk und hat sogar einige Lehrlinge, die für ihn arbeiten. Möglich wurde das durch die finanzielle Unterstützung aus Kirchheim, die auch durch gewinnbringende Projekte wie Mühlen, Kantinen oder Kommunikationszentren wichtige Einnahmequellen für die Arbeit in den inzwischen drei partnerschaftlich betreuten Kirchengemeinden im Ashanti-Gebiet in Ghana sichert.