Lokales

Hilfe für Familien in Notsituationen

Bettina Betzner hat die Nachfolge der bisherigen Einsatzleiterin und Geschäftsführerin der katholischen Familien-pflege des Dekanats Esslingen-Nürtingen, Silve Wolf, angetreten, die sich nach 17-jähriger Dienstzeit in den Ruhestand verabschiedet hat.

KATHRIN HÖVEKAMP

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NÜRTINGEN Seit 1977 unterstützt die katholische Familienpflege in Nürtingen Familien in besonderen Belastungssituationen beispielsweise wenn durch einen Krankenhausaufenthalt, einen Todesfall oder eine vorübergehende psychische Überforderung die Weiterführung des Haushalts und die Erziehung der Kinder nicht selbst geleistet werden kann.

Von 1989 an leitete die gebürtige Nürtingerin Silve Wolf die Familienpflege. Neben verschiedenen administrativen Aufgaben und der Planung der Einsätze war sie als Vertretung oft auch selbst als Familienpflegerin aktiv. Die Anforderungen an die Familienpflege seien in ihrer 17-jährigen Dienstzeit stark gestiegen, sagt Wolf. "Früher waren unsere Einsätze eher klassisch. Wir kamen zu Familien, in denen die Mutter in Kur oder im Krankenhaus war. Heute betreuen wir auch sehr viele sozial schwache Problemfamilien. Oft sind das junge Mütter, die einfach völlig überfordert mit der Erziehung ihrer Kinder sind. Häufig gibt es Probleme mit Alkohol oder Drogen. Auch Gewalt spielt immer öfter eine Rolle."

Wenn man so eine Familie betreue, könne man abends nicht einfach nach Hause gehen und sofort abschalten, weiß sie aus langjähriger Erfahrung. In schwierigen Zeiten wie diesen helfe den mittlerweile 14 Mitarbeiterinnen besonders der starke Zusammenhalt im Team. "Als Familienpflegerin ist man ja eher eine Einzelkämpferin und viel auf sich allein gestellt. Da tut es gut, so ein tolles Team im Rücken zu haben, mit dem man sich über seine Erfahrungen austauschen kann beispielsweise bei den Teambesprechungen, die alle drei Wochen stattfinden", sagt Wolf.

Neben aufreibenden oder traurigen Erlebnissen habe es jedoch auch viele tolle Momente gegeben, so die ehemalige Geschäftsführerin. Das größte Erfolgserlebnis sei es gewesen, einige Wochen nach einem Einsatz die Familie erneut zu besuchen und zu sehen, dass ihre Arbeit Früchte getragen und die Familie ihr Leben wieder im Griff habe.

Nach 17 Jahren im Dienst der Familienhilfe gab die Sechzigjährige die Leitung der Einrichtung nun an ihre bisherige Stellvertreterin Bettina Betzner ab. Diese ist bereits seit ihrem Anerkennungspraktikum 1993 in der Familienpflege in Nürtingen tätig. Was sie an ihrem Beruf begeistert? "Zum einen gefällt mir die Arbeit mit Kindern und die Herausforderung, sich immer wieder neu auf eine Familie einzustellen, zum anderen der allumfassende Ansatz, der hinter unserer Arbeit steht", so Betzner. "Wir beschränken uns nicht auf einen Bereich, sondern unterstützen sowohl in hauswirtschaftlichen, pädagogischen als auch pflegerischen Aufgaben. Das macht die Arbeit vielseitig."

Für die Zukunft plant sie, gemeinsam mit der Erziehungsberatungsstelle der Caritas Schulungen für Mütter von Kindern bis zu drei Jahren anzubieten. "Wir beobachten in letzter Zeit eine starke Zunahme von jungen Müttern, die völlig verunsichert im Umgang mit ihren Kindern sind. Ihnen wollen wir Tipps und Hilfe anbieten von der richtigen Ernährung bis zur Strukturierung des Alltags", sagt sie. Ansonsten werde sich die Familienpflege jedoch treu bleiben: "Alles was ich mir wünsche ist, dass die Einrichtung auch in Zukunft erhalten bleibt. Als Hilfsangebot für Familien in Notsituationen ist unsere Arbeit einfach nicht mehr wegzudenken."