Lokales

Hilfe für Tiere in Not auch über Staatsgrenzen hinweg

Für Birgit Haack kennt Tierschutz keine Grenzen: Die Dettingerin stellt der Arbeitsgemeinschaft Tierschutz Mallorca eine Pflegeplatz zur Verfügung. Das heißt, sie nimmt immer wieder Not leidende Hunde von der spanischen Insel auf und vermittelt sie weiter. Zurzeit ist bei ihr die Mischlingshündin "Aixa" untergebracht, die dringend ein neues Zuhause sucht.

BIANCA LÜTZ

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DETTINGEN Bei einem Urlaub auf Mallorca besuchte Birgit Haack ein Tierheim und war entsetzt: "Das Elend dort ist unbeschreiblich", erinnert sich die Dettingerin. "Die Hunde werden in Käfige gesteckt, bekommen kaum Futter und werden nach drei Wochen mit einer Spritze oder durch Vergasen getötet." Diese "grausamen Bilder" ließen der tierlieben Dettingerin keine Ruhe. Als sie vor rund vier Jahren ihrer beiden Kinder wegen aufhörte zu arbeiten, entschloss sie sich, aktiv zu werden und der Arbeitsgemeinschaft Tierschutz Mallorca mit Sitz in Überlingen einen Pflegeplatz für notleidende Hunde zur Verfügung zu stellen.

Ihr Engagement stößt allerdings nicht überall auf Gegenliebe. "Viele Leute sagen, die deutschen Tierheime seien voll und man solle sich zuerst um die Hunde hier kümmern", weiß Birgit Haack. Für sie spielt allerdings nicht die Herkunft der Tiere eine Rolle, sondern nur das Ausmaß ihrer Not. "Mir geht es nicht darum, ob die Hunde aus dem Ausland kommen oder nicht", sagt Birgit Haack. "Auf Mallorca ist das Elend aber viel größer als bei uns."

Wie groß, das weiß auch Fritz Schlienz aus Uhingen aus eigener Erfahrung. "Es gibt Tötungsstationen, da werden die Hunde einfach alle zusammen in ein Gehege gesteckt, egel wie alt oder krank sie sind." Auf beengtem Raum liefern sich einige Beißereien, andere liegen apathisch in ihrem eigenen Dreck herum.

"Wir helfen auch vor Ort", erzählt Fritz Schlienz. Engagierte Mitarbeiter und Tierärzte sorgen beispielsweise dafür, dass die Vierbeiner kastriert werden und sich nicht weiter vermehren. Vermittlungen auf der Insel sind Schlienz zufolge aber wenig aussichtsreich: "Der Markt auf Mallorca ist übersättigt." Für einen wahre Flut von Nachwuchs sorgen nämlich auch die unzähligen "Züchter": "Das sind richtige Tierfabriken", sagt Fritz Schlienz. Deshalb versucht die Arbeitsgemeinschaft, die Hunde mit Hilfe von "Flugpaten" auszufliegen und ihnen in Deutschland ein würdiges Leben zu ermöglichen.

Zehn Hunde aus dem Süden hat Birgit Haack in den vergangenen Jahren bei sich aufgenommen und an neue Besitzer in Deutschland vermittelt. Jetzt sucht die 37-Jährige ein neues Zuhause für ihren elften Schützling "Aixa", eine zweijährige Mischlingshündin. Auf Mallorca hatte "Aixa" unter äußerst schlechten Bedingungen gelebt: Sie war an einer gerade mal zwei Meter langen Kette angebunden, als Hundehütte diente ihr bei glühender Hitze ein Ölfass. Der Körper des Vierbeiners war mit offenen Wunden übersät. "Es sah so aus, als wäre sie geschlagen worden", erzählt Birgit Haack.

Seit etwa einem halben Jahr lebt die schlanke, langbeinige Hundedame nun in der Pflegestelle. "So lange hat es noch nie gedauert, bis ich einen Hund vermittelt hatte", wundert sich Birgit Haack. Warum "Aixa" noch kein neues Zuhause gefunden hat, kann sich die Dettingerin nicht erklären. "Aixa ist sehr kinderlieb, verträgt sich gut mit anderen Hunden und Kleintieren", sagt sie. "Sie bellt sehr wenig und ist auch sonst ganz ruhig. Man kann sie zum Beispiel auch problemlos in ein Restaurant mitnehmen."

Im Moment allerdings muss "Aixa" bei Spaziergängen noch an der Leine bleiben, da sie einerseits einen starken Jagdtrieb hat und andererseits noch eine gute Portion Erziehung benötigt. Birgit Haack zufolge lernt die Hündin jedoch sehr gern und schnell. "Ich denke, dass man sie so weit kriegt, dass sie auch ohne Leine laufen kann." Anfangs fiel es "Aixa" schwer, alleine zu bleiben: "Mittlerweile hat sie sich aber daran gewöhnt", sagt Birgit Haack. Einen "Knacks" hat die Hündin mit den Fledermausohren ihrer Pflegerin zufolge trotz aller Misshandlungen nicht davongetragen. Lediglich Männern gegenüber ist sie hin und wieder etwas ängstlich, aber nie aggressiv. "In ihrem neuen Zuhause sollte auf jeden Fall eine Frau dabei sein, die nicht ganztags berufstätig ist." Gut geeignet sei eine Familie mit Kindern oder auch einem anderen Hund, wo "Aixa" zudem genügend Auslauf bekommt. "Es wäre natürlich auch schön, wenn es einen Garten gäbe."

Wie gut sich "Aixa" in einen Haushalt mit Kindern und anderen Hunden einfügen kann, lässt sich bei Birgit Haack zu Hause gut beobachten. Besucher begrüßt die schwarz-braun gefleckte Hündin freudig und zupft sie vorsichtig am Ärmel. Für eine lautstarke Begrüßung dagegen sind eher die Hunde von Birgit Haack zuständig: Der sechsjährige "Karotte" und die zehnjährige "Mara". "Karotte", ein Mischlingsrüde aus der Türkei mit orangefarbenem Fell, war ursprünglich auch zur Vermittlung bei Birgit Haack. Er allerdings eroberte das Herz der Dettingerin im Sturm und durfte bleiben.

"Die Tierschutzorganisationen achten darauf, dass sie freundliche Hunde nach Deutschland holen und keine aggressiven Tiere mitbringen", sagt Birgit Haack. So hatte sie mit ihren Schützlingen diesbezüglich bisher auch keinerlei Probleme. Die Angst, dass Tiere aus dem Süden Krankheiten einschleppen, hält die 37-Jährige für unbegründet: "Die Hunde sind alle kastriert, geimpft, gegen Parasiten behandet und auf spezielle Krankheiten aus dem Mittelmeerraum hin untersucht."

Neben den Hunden leben bei Birgit Haack in Dettingen auch noch ein Pferd und zwei Ponys, ein Meerschweinchen, eine Wachtel und eine ganze Schar verschiedener Sittiche in einer Voliere. "Die meisten von ihnen sind auch Abgabevögel", sagt Birgit Haack, die Mitglied im Tierschutzverein Esslingen ist.

Das Herz der 37-jährigen Mutter schlägt aber nicht nur für Tiere, sondern auch für alle anderen, die Not leiden: "Ich spende zum Beispiel auch immer wieder etwas zugunsten von Kindern", sagt Birgit Haack.

INFOWer der Mischlingshündin "Aixa" ein neues Zuhause bieten möchte, kann sich unter der Telefonnummer 01 73/8 43 73 80 mit Birgit Haack in Verbindung setzen. Auch neue Pflegestellen für Hunde in Not und Flugpaten sind gesucht. Weitere Infos im Internet: www.tierschutzmallorca.de.