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Hilfestellung durch einige Aktionen geplant

Arbeits- und Ausbildungsmarkt hängen untrennbar zusammen und ohne Konjunkturaufschwung ist weder kurz- noch langfristig eine Besserung an der Lehrstellensituation zu erreichen. Geschäftsführer Martin Scheel von der Agentur für Arbeit in Göppingen machte dies bei einer Pressekonferenz zur Bilanz des Ausbildungsjahres 2003/2004 deutlich.

RUDOLF STÄBLER

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GÖPPINGEN Während die neuen Auszubildenden bereits ihre ersten beruflichen Erfolgserlebnisse einfahren können, sind noch zu viele junge Menschen unversorgt, allerdings ist auch noch nicht jede Lehrstelle besetzt. In rein statistischen Zahlen ausgedrückt, so war bei der Pressekonferenz zu erfahren, bedeutet dies zum Beispiel für den Kreis Esslingen, dass auf 69 angebotene Stellen 100 Bewerber kommen. Dass die Chancen auf einen Ausbildungsplatz in den letzten drei Jahren dramatisch gesunken sind, belegt der Wert aus dem Jahr 2001. Da kamen im Agenturbezirk noch 98 Stellen auf 100 Bewerber. Und dass sich die Schere immer weiter öffnet, zeigt die Entwicklung von 2001 auf 2004 deutlich auf. Im gesamten Bezirk stieg die Zahl der Bewerber um zehn Prozent auf nunmehr 8168, die Angebote gingen dagegen um 11,7 Prozent auf 5220 zurück.

Martin Scheel führte aus, dass der Rückgang sich bereits zu Beginn des Ausbildungsjahres abgezeichnet habe. Die anhaltende Konjunkturschwäche der Wirtschaft ging mit einer Verunsicherung der Betriebe hinsichtlich ihrer personellen Planungen einher. Dies hat sich in diesem Jahr auch wieder auf die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ausgewirkt. Erst nachdem im Juni der Nationale Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland zu Stande kam, wurden neue Ausbildungsstellen durch die Betriebe bereitgestellt, die den Rückgang der bis dahin vorhandenen Ausbildungsstellen teilweise kompensieren konnte. Der Arbeitsplatzabbau gehe aber per Saldo weiter. Immer planen deutlich mehr Unternehmen Stellen abzubauen, als neue zu schaffen. So ist in dieser Situation auch der Ausbildungsmarkt weiter unter Druck.

Geschäftspolitisches Ziel der Berufsberatung ist es, die Zahl der Integration in betriebliche Ausbildung zu steigern. Deshalb wurden seit Sommer des vergangenen Jahres gemeinsam mit den Kammern, Schulen, Betrieben und Gewerkschaften Anstrengungen zur Verbesserung der Makrtsituation unternommen. Dabei haben die Marktpartner und Mitarbeiter der Agentur für Arbeit in zahlreichen Betriebskontakten auf die Notwendigkeit zusätzlicher Ausbildungsstellen hingewiesen. Begleitet war dies mit einer groß angelegten Öffentlichkeitsarbeit und Kooperationen mit Presse sowie Ausbildungs- und Vermittlungsmessen der Berufsberatung mit den Industrie- und Handelskammern, den Kreishandwerkerschaften und Schulen. Gleichzeitig haben die Beratungskräfte größte Anstrengungen auch im Bereich der alternativen Berufswahl unternommen, um Betriebe und Bewerber zusammenzuführen.

Der Nationale Pakt Aus Sicht der Agentur für Arbeit in Göppingen war das Zustandekommen des Nationalen Paktes für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland eine sehr erfreuliche Angelegenheit. Damit werde in gemeinsamer Verantwortung von Politik und Wirtschaft versucht, in den kommenden Jahren durch eine Trendumkehr die unbefriedigende Situation auf dem Ausbildungsstellenmark zu verbessern. Die Wirtschaft hat sich in diesem Pakt zusammen mit der Bundesregierung dazu verpflichtet, die Ausbildungsleistung deutlich zu erhöhen. Zusätzlich hat die Wirtschaft zugesagt, jährlich 25 000 Praktikumsplätze für betrieblich durchgeführte Einstiegsqualifizierungen bereitzustellen.

Die Rahmenbedingungen des Ausbildungsmarktes mit einem Rückgang der gemeldeten Ausbildungsstellen und einem Anstieg der Bewerber ließen eine Zunahme der zum 30. September nicht vermittelten Bewerber erwarten, machte Geschäftsführer Scheel klar. So konnten 345 noch nicht versorgte Bewerber nicht in eine Ausbildung "einmünden." Dies ist, so zeigt die Statistik, eine Zunahme um 277 Bewerber gegenüber dem vergangenen Jahr. Deutlich gemacht wurde auch, dass diese Zahl noch höher wäre, wenn die Berufsschulen auch in diesem Jahr nicht eine große Zahl an Plätzen in den Berufsvorbereitungsklassen und Berufskollegs eingerichtet hätten.

Die zuständigen Mitarbeiter der Göppinger Agentur wollen sich nun in den nächsten Wochen nochmals intensiv um diese "Sorgenkinder" kümmern. Alle derzeit noch unversorgten Bewerber sollen nun zu einem gemeinsamen Beratungstermin der Berufsberatung und Kammer eingeladen werden, um ihnen ein adäquates Angebot zu unterbreiten. Dies kann nach den Vorstellungen der Fachleute im Einzelfall noch eine betriebliche Ausbildungsstelle sein, für viele dieser Jugendlichen wird jedoch das neue Angebot eines Praktikumsplatzes zur Einstiegsqualifizierung in einem Betrieb eine echte Chance sein. Die Einstiegsqualifizierung stelle eine Brücke in die Berufsausbildung für Jugendlich mit individuellen Vermittlungsschwierigkeiten dar. Dabei werden in einem Praktikumsbetrieb Grundlagen für den Erwerb beruflicher Handlungsfähigkeit vermittelt und vertieft. Die Qualifizierung dauert mindestens sechs und höchstens zwölf Monate. Das Ziel ist ein unmittelbarer Übergang in eine betriebliche Ausbildung, wobei das Praktikum teilweise auf die Ausbildungszeit angerechnet werden kann. Daneben hat die Agentur für Arbeit ein umfangreiches Angebot an die Jugendlichen für berufsvorbereitende Maßnahmen darunter fällt auch die Behebung von schulischen Defiziten in verschiedenen Berufsfeldern.

Festgestellt wurde auch, dass die Anzahl der Jugendlichen, die sich in Richtung Arbeit ohne Ausbildung orientiert, wiederum zugenommen hat. Hierzu sind zunehmend bei den Jugendlichen auch wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend. Diese Jugendlichen werden aber zu einem Teil, dies zeigt die Erfahrung, im folgenden Jahr wieder um eine Ausbildungsstelle nachsuchen.

Abschließend wurde festgestellt, dass trotz des angespannten Ausbildungsmarktes auch noch 134 Ausbildungsplätze unbesetzt sind. Hier sei bislang ein Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage nicht möglich gewesen. Die Fachleute machten klar, dass die Qualifikation und Wünsche der Bewerber häufig nicht den Anforderungen und Vorstellungen der Betriebe entsprechen.