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Hinaufgehoben bis in den Sternenhimmel

Ungewohnte Klänge erfüllten am Samstag die Gemeindehalle in Jesingen anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Akkordeon- und Handharmonikagruppe und 125 Jahre Eintracht Jesingen. Das Konzert, das von drei verschiedenen Ensembles gestaltet wurde, war hauptsächlich vom Akkordeon bestimmt.

KIRCHHEIM Es zeigte sich ein weiteres Mal, dass im Akkordeon weit mehr steckt als reine Stimmungsmusik. Die Kompositionen, die von der Klassik bis zur Modernen reichten, wiesen das Akkordeon als ernst zu nehmendes Instrument auch in der klassischen und in der Unterhaltungmusik aus. Das Konzert wurde von der Nachwuchsgruppe eröffnet. Das Ensemble unter der Leitung von Wolfgang Haller gefiel mit dem von Stuart Hamblen komponierten und geschriebenen Stück "Das alte Haus von Rocky-Docky" außerordentlich gut. Mit dem Stück "Winnetou" von Ralf Arland begeisterte der Nachwuchs ebenso.

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In seiner Begrüßungsrede erinnerte der 1. Vorsitzende Hans Frasch, dass der Verein heute auf das 125-jährige Bestehen zurück blickt. Das Jahr 2005 biete nicht nur Anlass, dieses Vereinsjubiläum zu feiern, sondern innerhalb des Vereins ist ein weiterer Geburtstag zu feiern. Die Akkordeongruppe kann auf ihr 40-jähriges Bestehen zurück blicken. Das Konzert, welches nur durch Akkordeonvorträge gestaltet wird, soll zeigen, dass Vergangenes auch in Zukunft sein wird. Anschließend wurde Karin Carew für ihre 25-jährige Tätigkeit mit der Ehrenurkunde geehrt, zugleich wurde sie zum Ehrenmitglied ernannt.

Unter der bewährten Leitung von Wolfgang Haller wurden die Akkordeon-Arrangements gekonnt von der Jugendgruppe wiedergegeben. Dass eine intensive Probenarbeit hinter all den zu Gehör gebrachten Konzertstücken steckte, war erkennbar. Auch der letzte Feinschliff fehlte den eifrigen Spielern der Jugendgruppe nicht. Wolfgang Haller, der Leiter der Akkordeongruppe Jesingen, hatte im zweiten Teil des Konzerts ein ungewöhnliches, aber den besonderen Umständen angepasstes und stimmungsvolles Konzertprogramm zusammengestellt, das sowohl ernste und nachdenkliche Stücke, wie auch heitere und sehr beschwingte Melodien enthielt. Einprägend waren "Junges Blut", "Caprifischer", und "Cabaret".

Das kompositorische Schaffen von Wolfgang Haller ist mit seiner Laufbahn als Dirigent der Akkordeon- gruppen eng verknüpft und umfasst zahlreiche Werke von bekannten Komponisten. Er machte sich auf dem Akkordeon-Orchester-Sektor mit Recht bereits einen Namen und wurde hier vor allem durch seine zahlreichen Veranstaltungen mit seinen Akkordeongruppen bekannt. Dabei wurde nicht nur auf Technik und Fingerfertigkeit großen Wert gelegt, sondern vor allem auch auf die Ausarbeitung der Musikstücke bezüglich Dynamik, Akzentuierung und Zusammenspiel. Die Akkordeongruppen bestätigten einmal mehr, dass ihr Instrument neben seiner altbekannten Funktion als volkstümliches Musikinstrument, auch ganz andere Eigenschaften aufzuweisen hat. Mit unglaublicher Virtuosität und Leichtigkeit spielten die Instrumentalisten.

Mit der Akkordeon-Weltmeisterin, dem Star des Abends, Christa Behnke, folgten außergewöhnliche Klänge auf ihrem Akkordeon. Sie verstand es, durch die ruhigen langanhaltenden Töne den Polarstern zu charakterisieren, der als einziger Stern immer auf der selben Stelle zu stehen scheint. Es war Musik voller Lebenskraft mit der ganzen Bandbreite menschlicher Gefühle und Stimmungen, verträumt, melancholisch, gefühlvoll, fetzig, verspielt. Kaum zu glauben, wie vielseitig, unkonventionell und spritzig die Künstlerin ihr Instrument zum Klingen bringt. Zu Beginn ihres musikalischen Vortrags wurde der Zuhörer hinaufgehoben in den Sternenhimmel, hinein in ungeahnten Sphären zu unbekannten Galaxien. Der immer wiederkehrende Applaus dürfte Dank, Anerkennung und gleichzeitige Bestätigung für ihren hervorragenden Beitrag gewesen sein. Das Publikum war hingerissen vom großen Können der sympathischen Musikerin, ihrem Temperament, ihrer Spielfreude und von der faszinierenden klanglichen Vielfalt ihrer Musik.

Zum Schluss gaben die Akkordeongruppe gemeinsam mit der Jugendgruppe alles, was sich ein Musikfreund von einem Orchester nur wünschen kann. Mit dem Marsch "Anker hoch", "Hey Hey Kasatchock" und "Strangers in the night" und zuletzt im "Weißen Rössl" von Ralph Banatzky durften sich die aufmerksamen Zuhörer noch einmal von Herzen freuen.

ha