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Offensichtlich wähnt sich eine knappe Mehrheit des Lenninger Gemeinderates im Tal der Seligen. Mit einer realistischen Einschätzung der Situation hat dies jedoch

IRIS HÄFNER

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nichts zu tun, auch in Lenningen gibt es Kinder, die nicht von Onkel, Tante, Oma oder Opa betreut werden können. Somit besteht sehr wohl ein Bedarf an Ganztagesschulen, was die Lehrer auch bestätigen.

Es drängt sich geradezu der Eindruck auf, dass einige Gemeinderäte Machtspielchen auf Kosten der Gemeinde betreiben vor allem aber auf Kosten der Kinder und somit der vielbeschworenen Zukunft. Oder ist es gar fehlender Mut für zukunftsfähige Projekte? Mangelnde Weitsicht ist es allemal, denn es ist abzusehen, dass bis in wenigen Jahren Ganztagesschulen vom Gesetzgeber gefordert werden. Dann allerdings dürften die Fördertöpfe leer sein und Lenningen muss alles selbst bezahlen und das, obwohl dem Gros des Gemeinderats solide Finanzpolitik angeblich doch so wichtig ist.

Vor den Kopf gestoßen haben die Gemeinderäte, die gegen die Ganztagesschule votiert haben, zudem die oft zu unrecht vielgescholtenen Lehrer. Diese haben in Lenningen mit viel Engagement in ihrer Freizeit ein Konzept erarbeitet, das für die Entscheidungsträger des IZBB-Programms schlüssig ist. Auch so kann ein Gremium zur "Motivation" von Pädagogen beitragen. Zurecht formiert sich nun Widerstand in der Elternschaft. Mangelndes Gespür und Ignoranz angesichts einer dringenden Angelegenheit in der Gemeinde darf sich die Mehrheit des Gemeinderats zurecht vorwerfen lassen, denn nicht nur bei den zahlreichen Zuhörern in der Sitzung herrschte Ungläubigkeit und blankes Entsetzen vor, sondern auch am nächsten Morgen in Kindergärten und Schulen.