Lokales

Hippokrates muckt auf

"Jede Gesellschaft bekommt die Ärzte, die sie verdient." Diese Aussage von Professor Kolkmann

IRENE STRIFLER

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offenbart die Misere des Gesundheitswesens. Wer darüber nachdenkt, dem kann angst und bange werden. Was lässt sich von einer "Geiz-ist-geil-Gesellschaft" schon erwarten?

Die Zahl derer, die auf eine gründliche Reform des Gesundheitswesens drängen, wächst beständig. Jetzt mucken die Jünger des Hippokrates auf. Erstmals überziehen niedergelassene Ärzte das Land mit Streiks. Die Unzufriedenheit ist längst nicht mehr auf sie begrenzt. Gestern kam es in der Kirchheimer Stadthalle zum Schulterschluss verschiedener mit Medizin befasster Berufsverbände, die früher keine Gemeinsamkeiten hatten. Manch kritischer Zeitgenosse sieht darin das kollektive Bemühen, den eigenen Besitzstand wahren zu wollen. Mag sein; dennoch ist der Protest der Mediziner nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, sitzt doch der Bürger als Patient mit im Boot. Längst schon fühlt sich das Gros der Patienten im Hauruck-Verfahren durch die Praxen geschleust, längst schon wird den Ärzten angekreidet, nicht genug zuzuhören. In den Klagen über Zeitmangel sind sich Ärzte und Patienten paradoxerweise einig. Die Schieflage gilt es dringend zu korrigieren.

Die Ärzte haben ihre Prügelknaben gefunden, es sind die Kassen und die Politiker. Doch große Lösungsstrategien wurden in der Stadthalle nicht skizziert. Auf Carla Bregenzers Aufforderung, konkret zu benennen, "was Sie wollen und wie Sie's wollen", blieben die Ärzte die Antwort letztlich schuldig. Es bleibt dabei: Die Politik ist in der Pflicht, bei aller "Geiz-ist-geil-Mentalität" Lebensqualität zu sichern.