Lokales

Hirschmann verkauft seine Antennen-Sparte

Die Hirschmann-Gruppe trennt sich von ihrer Antennen-Sparte. Das Unternehmen gab den Verkauf der Tochtergesellschaft Multimedia Electronics an den dänischen Hersteller von Antennensystemen Triax bekannt. Auf die zirka 60 Arbeitsplätze in Neckartenzlingen habe der Verkauf keine Auswirkungen, das Werk wie auch der Name Hirschmann blieben erhalten.

HENRIK SAUER

Anzeige

NECKARTENZLINGEN Nicht betroffen von dem Verkauf sind die beiden weiteren Geschäftsfelder Automatisierungs- und Netzwerktechnik sowie Automobilelektronik. Auf diese will man sich beim Neckartenzlinger Elektronikspezialisten künftig konzentrieren. Denn während man hier jeweils zweistellige Wachstumsraten verzeichne, stagniere der Markt für TV- und Radio-Empfangsanlagen und Satelliten-Empfänger, so Reinhard Sitzmann, Vorstandsvorsitzender der Hirschmann-Gruppe. Auf Grund dessen habe man nach neuen Möglichkeiten für den Verkauf dieser Produkte gesucht. Mit Triax habe man einen starken Partner gefunden, so Sitzmann.

Während das dänische Unternehmen mit Hauptsitz in Hornsyld durch die Übernahme seine Aktivitäten im deutschsprachigen Raum erweitere sowie sich durch die Tochtergesellschaften von Hirschmann in Ungarn und Spanien einen Zugang zu den dortigen Märkten verspreche, eröffneten sich für die Hirschmann-Produkte künftig im nordeuropäischen Raum neue Möglichkeiten, wo Triax seither stark vertreten sei.

Der Betrieb in Neckartenzlingen werde weitergeführt, so Sitzmann, dies sei von den Dänen bei einer Betriebsversammlung in dieser Woche ausdrücklich so verkündet worden. Auch die weiteren rund 60 Arbeitsplätze in den Niederlassungen in Österreich, Ungarn und Spanien blieben erhalten.

Die Frage, ob der Verkauf im Zusammenhang steht mit den geschäftspolitischen Zielen des englischen Finanzinvestors Hg Capital, der seit Frühjahr 2004 Eigentümer der Hirschmann-Gruppe ist, verneint Reinhard Sitzmann. Überlegungen hinsichtlich der Zukunft des Multimedia-Bereichs habe es bereits zu Rheinmetall-Zeiten gegeben, weil sich die Marktsituation in dem Segment schon damals in diese Richtung entwickelt habe. "Der Anstoß zum Verkauf kam von der Geschäftsführung der Hirschmann-Gruppe, nicht von Hg Capital", so Sitzmann. Beim Finanzinvestor, dessen erklärtes Ziel es ist, übernommene Betriebe nach einigen Jahren möglichst gewinnbringend wieder zu verkaufen, hatte man beim Einstieg vergangenes Frühjahr von einem "üblichen Zeitraum" für ein solches Engagement von drei bis fünf Jahren gesprochen. Dann werden auch die beiden anderen Geschäftsbereiche zum Verkauf stehen, bestätigt Sitzmann.

Der Bereich Antennen und Satellitenanlagen ist eng mit der Geschichte des Traditionsunternehmens Hirschmann verbunden. 1933 waren dort erste Antennen hergestellt worden. Einen Identitätsverlust fürchtet Sitzmann durch den Verkauf aber nicht. Es sei erklärtes Ziel von Triax, die Marke Hirschmann weiter zu führen. "Für den Kunden ändert sich nichts", so Sitzmann.

Das Produktportfolio beider Unternehmen ergänze sich hervorragend, so Jorgen Nederby, Geschäftsführer von Triax, in einer Pressemitteilung. Durch den Kauf anvanciere Triax zu einem der führenden Anbieter von Fernsehempfangstechnik in Europa. Nach der Übernahme werde der Konzern insgesamt rund 600 Mitarbeiter beschäftigen. Die Geschäftsführung von Hirschmann Multimeda Electronics übernimmt Lars Peder Sidelmann. Die seitherigen Geschäftsführer Joachim Brandes und Dr. Ralf Klöpfer schieden aus der Gesellschaft aus, wird mitgeteilt.

Die Hirschmann-Gruppe setzte vergangenes Jahr rund 280 Millionen Euro um, davon etwa 50 Millionen in der Antennen-Sparte und 230 Millionen in der Automatisierungs- und Netzwerktechnik sowie der Automobilelektronik.