Lokales

Historische Feuerwehrtechnik in der Stadt Kirchheim

KIRCHHEIM Die Stadt Kirchheim hat eine große Bandbreite an erfolgreichen Vereinsaktivitäten aufzuweisen. Auch die bewundernswerte Arbeit des Vereins der Freunde und Förderer der historischen Feuerwehrtechnik der Freiwilligen Feuerwehr in Kirchheim unter Teck e.V. zählt hierzu.

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RAINER STEPHANSamstagmorgens um 10 Uhr in einer Garage auf dem Betriebsareal des ehemaligen Kirchheimer Busunternehmens OVK König: Artur Götz, Dietmar Schleser und Walter Striebel sind eifrig mit Reparaturarbeiten an der KS 20 beschäftigt, einer Kraftfahrspritze der Marke Magirus aus dem Jahr 1923, die ihren Dienst bei der Betriebsfeuerwehr der Firma Kolb & Schüle AG tat. Im selben Raum stehen noch ein 1937 gebautes Löschfahrzeug von Hansa-Lloyd und eine Drehleiter LDL 17, Baujahr 1941.

Mit dabei beim Arbeitseinsatz ist Norbert Kugel, 1. Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer der historischen Feuerwehrtechnik seit dessen Gründung im Jahre 1991. Er freut sich, dass die Busfirma dem Verein Garagen zur Verfügung gestellt hat, in denen wertvolle Oldtimer restauriert, repariert und gelagert werden können.

Der ehemalige Technische Lehrer an der Max-Eyth-Schule war selber nicht aktiver Feuerwehrmann. Im Rahmen seines Lehrauftrags ist er in den 80er-Jahren mit der Feuerwehr in Kontakt gekommen, woraus sich die Notwendigkeit der Gründung eines Fördervereins entwickelte und zugleich die Begeisterung des Vorsitzenden für die historische Feuerwehrtechnik entflammte. Von seinerzeit 28 Gründungsmitgliedern ist der Verein jetzt auf stolze 175 Mitglieder angewachsen.

Die Fahrzeuge und Gerätschaften des Vereins sind zurzeit auf fünf verschiedene Orte im Stadtgebiet verteilt. Kein glücklicher Zustand, da wertvolle Zeit "auf der Strecke" liegen bleibt. Die Liegenschaften wurden im vergangenen Jahr von Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker besichtigt, die sich hierbei auch ein persönliches Bild vom umfangreichen Bestand an historischer Feuerwehrtechnik machen konnte.

Im Depot in der Boschstraße lagert das schönste Schmuckstück ein: Eine pferdegezogene Dampfspritze aus dem Jahr 1908. "Wir wollen keinen Stilbruch", umschreibt Norbert Kugel die vom früheren Originalzustand ausgehende Restaurierung. So wurde peinlichst genau darauf geachtet, dass wertvolle Schlitzschrauben aus Messing mit Zollgewinde statt der leichter verfügbaren Kreuzschlitzschrauben zum Einsatz kamen. Da der Verein noch keine eigenen Zugtiere besitzt, muss der die Dampfspritze anfordernde Veranstalter die Pferde stellen.

Die notwendige Beschaffung von Originalersatzteilen erfordert viel Zeit und Gespür. Oft werden die Vereinsangehörigen auf Oldtimertreffen und Teilemärkten fündig, die in Mannheim und München stattfinden.

In einer alten Lagerhalle der Firma Kolb & Schüle befindet sich der "Stammplatz" für die Restaurationsarbeiten und das Lager. Eingelagert sind dort auch zehn Motorspritzen und viele feuerwehrtechnische Accessoires. Als weiteres Unikat konnte ein 7,50 auf 2,20 m großes Wandfoto aus dem ehemaligen Speisesaal der Textilfirma für die Nachwelt gesichert werden, das den alten Kirchheimer Bahnhof und die Traditionsfirmen Ficker sowie Kolb & Schüle zeigt.

Die Kleiderkammer und das Archiv des Vereins befinden sich im Freihof neben dem Stadtarchiv. Sehr interessant ist die umfangreiche Sammlung von Feuerwehrhelmen aus aller Herren Länder. Häufig sind diese für heutige Kopfgrößen zu klein. Als neueste Gabe an den Verein liegt die stattliche Uniform des früheren Stadtbaumeisters und Kommandanten Hermann Schimming vor.

Zwei alte "Rundhauber" von Magirus im fachtechnischen Sprachjargon LF 16 und DL 25 genannt lagern im alten Feuerwehrmagazin in Jesingen ein. In der Ecke steht noch eine Rarität von der Werksfeuerwehr der Otto-Ficker-AG: Ein Handwagen mit Schläuchen, Standrohr und Strahlrohr, alles Baujahr 1950.

All' diese wertvollen Stücke werden dereinst in einem Museum zu besichtigen sein, das in absehbarer Zukunft in Kirchheim gebaut werden soll. Sämtliche Fahrzeuge werden dort präsentiert und alle wichtigen Accessoires in einer Galerie zur Schau gestellt. Planerische Entwürfe hierzu liegen vor und die Unterrichtung der notwendigen Gremien hat bereits stattgefunden. In einer außerordentlichen Hauptversammlung des Vereins am 16. September soll die weitere Vorgehensweise geklärt werden.

Wer dem engagierten Vorsitzenden bei seinen von Detailkenntnis geprägten Ausführungen zur historischen Feuerwehrtechnik zuhört, kommt sehr schnell zur Überzeugung, dass die anstehenden Aufgaben zu packen sind. Der Vereinschef legt hierbei besonderen Wert darauf, dass erfolgreiche Vereinsarbeit stets das Ergebnis einer guten Mannschaftsleistung ist. Die Arbeit im Ehrenamt hat Norbert Kugel gebürtiger Schwäbisch Gmünder, der 1955 nach Kirchheim kam schon als langjähriger Bezirksvorsitzender der DLRG und Kirchheimer Stadtrat geprägt. Seine Begeisterungsfähigkeit hat er auch familienintern unter Beweis gestellt: Sohn Ulrich fungiert als Vereinsschriftführer.

Mit seinem umfangreichen Fundus an Fahrzeugen, Geräten und Ausrüstungsgegenständen gilt der Kirchheimer Verein in Fachkreisen national und international längst als feste Größe. Die Chance, mit einem "lebenden" Museum in der Region einmalig präsent zu sein und einer breiten Öffentlichkeit den Zugang zu einer wertvollen Sammlung zu ermöglichen, würde ein gutes Licht auf die Stadt und ihre Einwohner werfen.

Alle Gerätschaften und Fahrzeuge sind vertraglich in das Vermögen des Vereins übergegangen. Ergänzend weist der Vorsitzende darauf hin, dass sämtliche Fahrzeuge betriebsbereit sind. Selbstredend auch die Information, dass der Verein immer "aufnahmebereit" für Sach- und Geldspenden ist. Das rege Vereinsleben wird komplettiert durch die zweimal jährlich erscheinende "Vereins-Information" und einen Internetauftritt: www.feuerwehroldtimer-vfh-kirchheim.de. Fotos: Jean-Luc Jacques, Thomas Skalak, Jörg Bächle, Gerald Prießnitz