Lokales

Historisches Handwerk lockte wissbegierige Besucher an

Das Freilichtmuseum in Beuren entpuppte sich einmal mehr als Publikumsmagnet. Beim Museumsfest des Fördervereins am gestrigen Sonntag wurde mit handwerklichen Vorführungen, Mitmachaktionen und Handarbeiten reichlich Einblick in heute kaum mehr bekannte Fertigkeiten gegeben.

RAINER STEPHAN

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BEUREN Trefflicher als die Sänger des Gaumännerchores hätte es auch nicht der Chronist umschreiben können: Mit der Eingangsstrophe ihres "Sängerwahlspruch" genannten Lieds "Von Bergen und Wäldern, von Reben umgeben, liegt unser Gau im sonnigen Land" richteten sie eine Hommage an das idyllisch gelegene Museum an diesem herrlichen Sonntag.

Es ist schon beachtenswert, mit welch buntem Strauß an Aktivitäten sowohl der Landkreis als auch der Förderverein die Attraktivität des Freilichtmuseums beständig hoch halten. Dass dabei der früher traditionell montags abgehaltene Waschtag nun auf einen Sonntag gefallen ist, dokumentiert vor allem eins: Vieles ist heute nicht mehr, wie es mal war. Sichtlich zufrieden zeigte sich der Vorsitzende des Fördervereins, Wolfgang Maier: "Wir haben allenthalben großes Interesse bei den Besuchern beobachtet. Ich bin froh, dass so viele Menschen ehrenamtlich und aktiv mitwirken".

Als Besuchermagnet erwies sich auch das holzbefeuerte Backhaus. Um 8 Uhr morgens wurde der Ofen angeheizt und um elf die ersten Lauch- und Speckkuchen eingeschossen. Während Vereinsschriftführer Detloff und seine Frau draußen die begehrten Backwaren verkauften, fungierte im Inneren des aus Sulzgries stammenden Backhauses Marianne Krohmer als Chefin. Die versierte Backfrau aus Beuren arbeitet wie so viele seit langem ehrenamtlich im Museum mit. Ihre Fertigkeiten stellt sie auch das Jahr über im Dorfbackhaus unter Beweis: "Von 45 Laib Brot bleibt oft bloß einer für mich übrig", schilderte sie lächelnd die Begehr bei Nachbarn, Freunden und Verwandten auf die geliebte Backspezialität.

Ganze Familienbünde engagieren sich im Museum. "Bei ons schaffet älle mit", so umschreibt der Beure-ner Bauunternehmer Bernhard Klass die Situation. Mit seinem Sohn und einem Neffen stellte er den Brunnentrog für eine Viehtränke auf und richtete hierfür auch die Quellfassung mit Zulauf her. Währenddessen bereitete die rührige Ehefrau von Bernhard Klass, der zugleich Gemeinderat und Bürgermeisterstellverteter im Thermalort ist, die Kuchen und Backwaren mit zu.

Das Einbinden und Mitmachen der Kinder war aus pädagogischen Gründen allerorts angesagt. Der Drechsler Georg Leichtlen aus Oberboihingen ließ die Kleinen den Fußantrieb seiner Drechselbank bedienen und bei Volker Hahnel aus Owen durften sie Sandsteine behauen.

Der Steinmetzmeister aus Owen ist seit der Eröffnung des Museums mit von der Partie. Gestern bearbeitete er einen Auslauf aus Sandstein für die neue Viehtränke. Ihm ist es wichtig, dass die Arbeiten einen Bezug zum Museum haben und dort auch ihre Verwendung finden.

Trotz der Hitze hatte Ingeborg Langbein aus Dettingen einen kühlen Arbeitsplatz. Im Keller des Laichinger Weberhauses, in der "Dunk", stellte die Weberin einen Tischläufer her, den sie immer wieder befeuchten musste.

Richtig heiß war's dagegen am Arbeitsplatz von Edmund Graeber. Der Holzmadener Kunstschlosser hatte seine Feldschmiede mitgebracht und brachte in der glühenden Holzkohle den Rohling auf 1200 Grad. Dann behaute er das glühende Eisen auf dem Amboss, um daraus einen Gartenstab zu formen. Die Fertigkeiten des Meisters waren offensichtlich so überragend, dass er mehrmals dem Kamerateam des Südwestrundfunks eine Kostprobe seines Könnens unter Beweis stellen musste.

Weitere Handwerker wie Kerbschnitzer, Zimmerleute, Töpfer, Lehmwickler und viele mehr boten den Besuchern interessanten Einblick in ihre Arbeit. Auch die ständigen Museumseinrichtungen wurden gerne besichtigt. Beim Hühnerstall sahen sich die Gäste jedoch mit folgender Information auf einem Hinweisschild konfrontiert: Der Marder war der Mörder! Offensichtlich hatte ein ungebetener Stallgast zehn von zwölf Hühnern getötet. Obwohl die Wilderei im Hühnerstall in früheren Jahrhunderten ein Problem gewesen sei, fand die Aktion die Missbilligung der Museumschefin: "Bei der Dokumentation des ländlichen Lebens wolle man aber an diesem Punkt wirklich nicht derart authentisch sein".