Lokales

Hoch oben wächst das Gras

Begrünte Dächer werden immer beliebter – Verbundschule Dettingen positives Beispiel

Derzeit findet im Landkreis Esslingen ein Kongress zum Thema Dachbegrünung statt, der „International Green Roof Congress“. Unter anderem besichtigten die Teilnehmer das grüne Dach der neuen Dettinger Verbundschule.

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Antje Dörr

Dettingen. „Deutschland ist beim Thema Dachbegrünung Vorreiter“, sagt Roland Appl. Er ist Präsident der „International Green Roof Association“ (IGRA), die den Kongress in Nürtingen gemeinsam mit dem Deutschen Dachgärtnerverband (DDV) organisiert. Nirgendwo würde die Bepflanzung von Dächern stärker finanziell gefördert als in Deutschland, sagt der Experte.

In Stuttgart werden schon seit den 80er-Jahren Dächer begrünt, um das Klima im Kessel erträglicher zu machen. Auf städtischen Gebäuden sind bereits 120 000 Quadratmeter bepflanzt, auf privaten Gebäuden sind es weitere 60 000 Quadratmeter – Tendenz steigend. Auch im Landkreis Esslingen sind grüne Dächer im Kommen. Ein Beispiel ist das neue Landratsamt, ein weiteres die Verbundschule in Dettingen. Kein Wunder also, dass 275 Teilnehmer aus aller Welt ausgerechnet ins Ländle geflogen sind, um deutsches Know-how in ihre 39 Heimatländer mitzunehmen.

Dass das Thema so stark floriert, haben die Verfechter der grünen Dächer unter anderem dem Deutschen Baugesetz zu verdanken. Es legt fest, dass Städte und Kommunen die Dachbegrünung in die Bebauungspläne aufnehmen dürfen. Das heißt: Häuslesbauer können dazu verpflichtet werden, ihre Flachdächer zu begrünen. Allerdings wird die Bepflanzung häufig bezuschusst: In Stuttgart gibt es 18 Euro pro Quadratmeter. In Kirchheim wird die Begrünung teilweise durch die Bebauungspläne vorgeschrieben, aber nicht bezuschusst. Man habe errechnet, dass den Häuslesbauern durch die Dachbegrünung finanzielle Vorteile entstünden, zum Beispiel durch verringertes Abwasser, so Kirchheims Bürgermeister Günter Riemer. „Deshalb gibt es für die Begrünung nicht noch Zuschüsse.“

Auf dem Dach der Dettinger Verbundschule dominiert statt saftigem Grün das Rot verschiedener Steppenpflanzen. Auf insgesamt 1 750 Quadratmetern trotzen Mauerpfeffer und Fetthenne der prallen Mittagssonne. „Rasen wäre sehr pflegeintensiv“, erklärt Roland Appl. Überhaupt geht es bei der Dachbegrünung meist nicht um die Optik. Eines der Hauptargumente ist, dass die bepflanzten Dächer Regenwasser auffangen und zeitweise zurückhalten. So wird zum Beispiel bei starken Niederschlägen die Kanalisation entlastet und die Hochwassergefahr verringert, sagen die Experten. Flachdächer bildeten so einen wirksamen ökologischen Ausgleich zur Oberflächenversiegelung, die gerade im dicht besiedelten Landkreis rapide voranschreitet. In Städten verbessern grüne Dächer das Klima und binden Staub und Schadstoffe. Für die Bauherren ist neben den Umweltschutzargumenten die Wärmedämmung sowie der Schutz vor Hitze im Sommer ein interessanter Aspekt.