Lokales

Hochwassergefahr durch ICE-Baustelle

Stadt fordert Schutz vor Jahrhundertereignis

In ihrer Stellungnahme zum Neubau der ICE-Strecke auf dem Abschnitt „Wendlingen bis Kirchheim“ befasst sich die Stadt Kirchheim vor allem auch mit dem Hochwasserschutz. Von besonderer Bedeutung ist dieses Thema für Ötlingen.

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Andreas Volz

Kirchheim. Bürgermeister Günter Riemer ging im Gemeinderat auf die Bedenken der Stadtverwaltung ein. Die Bahn plant, für die Baustelle am „Albvorlandtunnel“ bei Kirchheim Flächen zu versiegeln, um dort arbeiten zu können. Das wiederum führt dazu, dass das Regenwasser nicht mehr wie gewohnt abfließen kann. Somit erhöht sich also das Hochwasserrisiko. Weil es aber in Ötlingen an der Stuttgarter Straße in Richtung Wendlingen besondere Probleme mit Hochwasser gibt, wirkt sich die Baustelleneinrichtung im Gewann Salzäcker eben auch stark auf Ötlingen aus.

Der „Vorhabensträger“ – wie die Bahn in der Stellungnahme genannt wird – möchte zwar ein Regenrückhaltebecken anlegen. Allerdings ging es in der bisherigen Planung nur um eine Kapazität für ein Hochwasserrisiko, wie es statistisch alle fünf Jahre besteht. Der Stadtverwaltung ist das aber viel zu wenig: „Wir fordern, was wir für richtig halten und was Stand der Technik ist“, sagte Bürgermeister Riemer im Gemeinderat.

Konkret wird die Forderung beziffert auf ein Hochwasserereignis, wie es statistisch gesehen nur alle hundert Jahre einmal auftritt. Weil das Rückhaltebecken in engem Zusammenhang mit dem Dupiggraben steht, sollen die Ötlinger also auch vor einem solchen „Jahrhunderthoch­wasser“ erfolgreich geschützt werden. Als Begründung heißt es in der Stellungnahme, die ans Regierungspräsidium Stuttgart adressiert ist: Wenn die Regenwasserrückhaltung allein auf die Baustelle bezogen sei, dann führe das „zu einer Überlastung bei Starkregenereignissen und Aus­uferungen in der Ortslage Ötlingens“.

Mit ihrer Forderung verbindet die Stadt in der Stellungnahme sogar ein Angebot an den „Vorhabensträger“: Da die Stadt Kirchheim „im weiteren Verlauf des Vorfluters Dupiggraben ohnehin Hochwasserschutzmaßnahmen plant“, würde sie diese Arbeiten auch mit dem Regenrückhaltebecken der Bahn kombinieren. Wichtig ist der größtmögliche Schutz vor Hochwasser in Ötlingen.

Ötlingens Ortsvorsteher Hermann Kik berichtete, dass der Ortschaftsrat die Stellungnahme unterstütze. Zwei Ziele griff er dabei besonders heraus: „Wir brauchen den Schutz vor einem hundertjährlichen Hochwasser, und wir müssen die Belastung durch die Baustelle für die Bevölkerung so erträglich wie möglich halten.“

Dem zweiten Ziel dienen eine ganze Reihe weiterer Anregungen in der Kirchheimer Stellungnahme. Dabei geht es um vieles, was bereits bei der Informationsveranstaltung in der Freihof-Realschule im November besprochen worden war: um den Schutz vor Staub und Lärm oder um die Nutzung von Radwegen während der Baustellenzeit. Außerdem soll der Abtransport des Aushubmaterials nicht über den Kruichling erfolgen. Und schließlich sei „die Leistungsfähigkeit des Autobahnanschlusses Kirchheim West zum Beispiel durch den Einbau von Kreisverkehren zu erhöhen“.