Lokales

Hochwasserwelle simuliert Überflutung

Einzugsbereich des Bodenbachs untersucht – Ergebnisse wurde dem Notzinger Gemeinderat vorgestellt

Keine Panik aber eine gewisse Habachtstellung ist durchaus angebracht bezüglich der Hochwassergefahr in Notzingen bei einem starken Gewitterregen. Dies brachte die Untersuchung des Bodenbachs zutage, die dem Gemeinderat vorgestellt wurde.

Iris Häfner

Notzingen. Wasser folgt den klaren Gesetzen der Schwerkraft. Deshalb sucht es sich nicht den kürzesten Weg zur Mündung in den nächsten Fluss, sondern orientiert sich immer an den tiefsten Punkten in der Landschaft. Diese Tatsache führte Dr. Hans Göppert von der Abteilung Wasserwirtschaft des Ingenieurbüros Wald und Corbe den Gemeinderäten in Notzingen vor Augen.

Auf Anregung der Stadt Wernau beteiligte sich die Bodenbachgemeinde an der Untersuchung für den Einzugsbereich des Bodenbachs. Zwar ist Wernau als Unterreiner weit mehr betroffen als Notzingen, doch auch talaufwärts müssen sich die Anwohner bewusst sein, dass ein gewisses Hochwasserrisiko prinzipiell besteht.

Viele Daten sind für das Rechenmodell notwenig. Zunächst wurde der Einzugsbereich des Bodenbachs mit rund zehn Quadratkilometern analysiert. Dann nahm Hans Göppert den Untergrund ins Visier. Wiesen oder gar Wald nehmen den Regen besser auf als Ackerflächen. Der Oberlauf bereitet dem Ingenieur keine Sorgen, der hohe Anteil der versiegelten Fläche innerhalb des Ortes dagegen umso mehr. Ab der Wellinger Straße auf Höhe des Transformatorenturms verläuft der Bodenbach verdolt durch Notzingen. Erst kurz vor Ortsende kommt das Gewässer in der Talstraße wieder ans Tageslicht. Die Planer wählten für die Rohre den kürzesten Weg durch die Ortschaft, weshalb der Bach nicht mehr in seinem ursprünglichen Bett fließt.

Wichtig ist auch der Niederschlag. Die statistischen Regenwerte für die jeweiligen Regionen erhält das Büro vom Deutschen Wetterdienst. Mit im Auge hat Hans Göppert auch die Hochwassersituation in den Nachbarkommunen. „Gewitter sind extrem zufällig, das ist so ähnlich wie Lotto“, erklärte der Ingenieur. All diese Daten ergeben dann eine virtuelle Hochwasserwelle, die Hans Göppert in die entsprechenden Rechenmodelle hineinschickt und dann zu einem Ergebnis kommt. Auch die Klimaveränderung spielt bei seinen Berechnung immer mehr eine Rolle.

Die Schwere eines Hochwassers bemessen die Fachleute in Zehnerschritten, sie sprechen beispielsweise von einem 50-jährigen Ereignis oder davon, dass eine Dole bei einem zehnjährigen noch das Wasser fasst. In diesem Zug untersuchte das Büro auch die Verdolung des kleinen Bachlaufs in der Maybachstraße und gab für diesen Bereich Entwarnung. „Das ist unkritisch“, so das Urteil.

Bei starkem Gewitter fließt der Bodenbach durch den Ortskern

Beim Bodenbach sieht Hans Göppert jedoch einige Probleme. Kommt bei Starkregen, wie es bei einem hundertjährigen Ereignis der Fall ist, viel Wasser durch die Wiesen und Äcker heruntergeschossen, kann die Dole an der Wellinger Straße die Menge nicht mehr aufnehmen. Das Wasser sucht sich dann seinen eigenen Weg quer durch die Bebauung des Ortskerns, bis es im Bereich der Talstraße wieder in den Verlauf des Bodenbachs mündet – es orientiert sich am einstigen Bachbett des Bodenbachs.

Für manche Tiefgarage in diesem Gebiet bedeutet dies Land unter. „Wichtig ist deshalb, dass die betroffenen Anlieger informiert werden“, so Hans Göppert. In manchen Fällen würde ein um 10 bis 15 Zentimeter erhöhter Bordstein reichen und um 30 bis 40 Zentimeter nach oben gezogene Lichtschächte könnten verhindern, dass Keller volllaufen. „Sandsäcke nutzen nichts. Das Wasser ist zu schnell da“, so Hans Göppert. Auch die Freiwillige Feuerwehr solle über die möglichen Gefahrenzonen informiert werden.

„Vor fünfzig Jahren war der Durchmesser der Dole richtig berechnet. Bei der heutigen Bebauung reicht sie jedoch nicht mehr aus“, nahm Hans Göppert die Planer in Schutz. Er riet zu mehreren kleinen Maßnahmen, um den Hochwasserschutz zu verbessern. „Wir sprechen hier aber von einem Zeitraum von 20 bis 30 Jahren“, so der Ingenieur. Für kleinere Hochwassersituationen sei es hilfreich, den Rechen an der Wellinger Straße „geschickter zu gestalten“ und die unbebaute Talsohle als Art Staubecken zu nutzen. Auch innerörtlich gebe es manchen Bereich, der als Flutmulde genutzt werden könnte.

Nun soll sich der Ausschuss für Technik und Umwelt mit den Ergebnissen der Untersuchung befassen. In einem zweiten Schritt will die Gemeinde auf die betroffenen Anlieger zugehen und ihnen aufzeigen, welche Maßnahmen sinnvoll sind, um mögliche Hochwasserschäden, wie sie bei extremer Witterung auftreten können, zu vermeiden.

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