Lokales

Hofkirche des Hauses Württemberg

Zum Auftakt des Jahresprogramms 2005 traf sich die Regionalgruppe Kirchheim des Schwäbischen Heimatbundes am Dreikönigstag zu einer Führung durch die Schlosskirche in Stuttgart.

STUTTGART Um sich nach der Fahrt erst einmal zu sammeln, spielte F. Faustmann auf der Orgel verschiedene weihnachtliche Choräle. Die Führung durch die Kirche übernahm Heide Quandt von der Stiftskirchengemeinde.

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Die Schlosskirche war über dreieinhalb Jahrhunderte, wenn auch mit Unterbrechungen, die Hofkirche des Hauses Württemberg. Als in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts unter Herzog Christoph das alte Schloss im Renaissance-Stil fast vollständig neu erbaut wurde, bekam die Schlosskirche ihren Platz im Südwestflügel. Sie ist das erste, eigens als evangelische Kirche erbaute Gotteshaus im süddeutschen Raum und ist als Predigtsaalkirche konzipiert; Kanzel und Altar stehen im Mittelpunkt. Sie sind als gleichwertige Blickpunkte behandelt, zwischen Prediger und Zuhörer sind keine störenden Säulen vorhanden, die drei Emporen ziehen sich auf drei Seiten um Kanzel und Altar.

Ein interessantes Bildprogramm zieht sich um die drei Emporen: An der linken Schmalseite ist die Kirchenmusik präsentiert, vertreten durch die heilige Cäcilia, Mirjam, die Schwester des Moses, und den heiligen Ambrosius. An der rechten Schmalseite sind bedeutende protestantische Fürsten, angeführt von dem Schwedenkönig Gustav Adolph bis zu Friedrich dem Weisen, dem Förderer und Gönner Martin Luthers. Die Längsseite ist bedeutenden protestantischen Theologen vorbehalten, von Paul Gerhardt über Jakob Andreä, August Hermann Francke und Johann Albrecht Bengel bis zu Philipp Melanchthon.

Wie viele Gotteshäuser im Land, hat auch die Schlosskirche eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Als im Jahr 1733 mit Karl Alexander eine katholische Linie des Hauses Württemberg an die Macht kam, ruhte zunächst ihre Aufgabe als Hofkapelle. Nach dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 diente sie vorübergehend als Lagerraum für die inzwischen säkularisierte Klosterbib-liothek des Klosters Weingarten, und als diese wieder auszog, war für 14 Jahre die Hofapotheke in der Schlosskirche untergebracht.

Erst 1864 wurde die Stuttgarter Schlosskirche durch den Architekten Tritschler im englisch-neugotischen Stil renoviert, und ab 1865 diente sie dem Königshaus Württemberg, das nunmehr wieder von einer protestantischen Linie repräsentiert wurde, bis zur Abdankung König Wilhelm II. im Jahre 1918 als Hofkirche. Heute gehört die Schlosskirche zur Stiftskirchengemeinde.

An die Führung schloss sich noch ein Rundgang über sehenswerte Plätze in Stuttgart an, so über den weihnachtlich geschmückten Renaissance-Schlosshof, den Schloss- und den Schillerplatz, bei dem die Teilnehmer noch viele interessante Details über Gebäude und Personen aus der Stuttgarter Geschichte vermittelt bekamen.

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